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"Cappuccino"-Schießerei: Wirt verurteilt

Der eigentliche Mittelpunkt des heutigen Verfahrens, Munir F., ist am Donnerstagabend wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden.

Richterin Martina Spreitzer war davon überzeugt, dass der Besitzer des Cafe “Estrada” im unweit davon entfernt gelegenen Cafe “Cappuccino” einen 33-jährigen mit einem “Beinfeger” zu Fall gebracht und danach mit einem Barhocker schwerste Kopfverletzungen zugefügt hatte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Fest steht, dass danach ein weiterer Lokalgast dem Verletzten zweimal in den Oberkörper geschossen hatte und seinen Begleiter, der ins Freie geeilt war, auf offener Straße mit seiner Faustfeuerwaffe zu Tode brachte. Die nunmehr von einer früheren “Cappuccino”-Kellnerin aufgestellte Behauptung, dabei habe es sich um Enver H: gehandelt, gegen den im vergangenen November die Mordanklage fallen gelassen worden war, erschien Staatsanwältin Michaela schnell offenbar nicht sehr glaubwürdig.

“Ich habe den ganz massiven Eindruck, dass in diesem Verfahrenskomplex gewisse Personen nichts anderes tun, als die Staatsanwaltschaft und das Gericht zum Narren zu halten und die Polizei in die irre zu führen”, bemerkte sie im Straflandesgericht. “Was soll ich hier noch glauben?”, fragte sie sich nach dem Zeugenauftritt der Kellnerin. Es sei “erschütternd, in welchem Sumpf wir uns in diesem Verfahren bewegen”.

Damit spielte sie auch auf den suspendierten Chefinspektor der Kriminaldirektion (KD) 1 an, der – obwohl außer Dienst gestellt – sich offensichtlich mit der Kellnerin getroffen hatte und diese der in dieser Causa ermittelnden Sonderkommission als Zeugin “präsentiert” haben soll, mit der nun der Fall “geklärt” sei.

Enver H. muss derzeit mit keinem Haftbefehl rechnen, wie am Donnerstagnachmittag Recherchen der APA ergaben. Die Sicherheitsbehörden dürften die gegen ihn vorgebrachte Beweislage für nicht dicht genug halten. Die Staatsanwaltschaft wird aber gegen den 39-Jährigen schon aus formalen Gründen eine Wiederaufnahme des Verfahrens beantragen.

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