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Burning - Kritik und Trailer zum Film

Jongsu ist um die 20 Jahre alt und irrt als Lieferant durch die Straßen Seouls, wo er schließlich vor einer Ladenzeile an einem Mädchen vorbeikommt, das Lose an Passanten verkauft. Sie stellt sich ihm als seine Grundschulfreundin Haemi vor. Die beiden verbringen ein mühsames Date miteinander und am Ende bittet sie ihn, ihre Katze zu füttern, während sie einige Wochen durch Afrika reist. Als Jongsu nach Wochen Haemi am Flughafen abholt, ist da plötzlich ein anderer Mann: Ben (Steven Yeun), ein reicher, westlich angehauchter Erbe mit edlem Apartment und dickem Porsche. Einige Wochen später verschwindet Haemi spurlos.

Manchmal gibt es in einem Film diesen besonderen Moment, der Jahre im Gedächtnis bleiben wird. Das südkoreanische Liebesdrama "Burning" hat solch einen Augenblick, als Hauptfigur Haemi im untergehenden Sonnenlicht tanzt, nur ihre Silhouette auszumachen ist und damit Ausbruch wie Sehnsucht vermittelt. Die Verfilmung einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami startet am Freitag im Kino.

Burning - Kurzinhalt zum Film

Nicht nur Haemis Freund, der etwas ungelenke Jongsu, betrachtet diesen Tanz, sondern auch Ben, sein Widersacher im Kampf um die junge Frau: reicher, besser aussehend und deutlich selbstbewusster. Dieser Tanz ist ein stiller Höhepunkt in einem ungewöhnlichen Film über unseren Wunsch zu gefallen, über den Umgang mit dem Begehren und der Wut.

Zu Beginn von Lee Chang-Dongs auf vielen Festivals ausgezeichnetem Film irrt Jongsu als Lieferant durch die Straßen Seouls, wo er schließlich vor einer Ladenzeile an einem Mädchen vorbeikommt, das Lose an Passanten verkauft. Sie stellt sich ihm als seine Grundschulfreundin Haemi vor und die beiden verbringen ein mühsames Date miteinander, an dessen Ende sie ihn aber bittet, ihre Katze zu füttern, während sie durch Afrika reist.

Der erfolglose Jungautor willigt ein und verbringt in ihrer Abwesenheit einige Zeit in Haemis Wohnung. Als er sie schließlich nach Wochen am Flughafen abholt, ist da plötzlich ein anderer Mann: Ben, von "Walking Dead"-Star Steven Yeun herausragend zwischen charmant und sinister angelegt. Er ist ein reicher, westlich angehauchter Erbe mit edlem Apartment und dickem Porsche, ein "Gatsby" aus Südkorea, wie Jongsu trocken kommentiert. Die entstehende Dreiecksbeziehung ist angemessen unangenehm und gerät spätestens dann aus dem Gleichgewicht, als nach einem Besuch in Jongsus heruntergekommenem Haus im Niemandsland Haemi plötzlich verschwindet.

Burning - Die Kritik

Westlichen Zuschauern zeigt diese Coming-of-Age-Dreiecksgeschichte auch, wie wenig sie über den jungen Alltag in Ostasien wissen, wie fremd die südkoreanische Gesellschaft in ihrer Spannung zwischen Tradition und hyperkapitalistischer Moderne ist und wie sehr die Menschen am Ende doch überall auf der Erde die gleiche Sehnsucht danach teilen, zu irgendjemandem dazuzugehören.

Der ungewöhnliche Genremix aus Beziehungsthriller, Jugenddrama und antikapitalistischem Gesellschaftskommentar erlaubt sich dafür in seinen üppigen 148 Minuten viele atmosphärische Einstellungen; bis kurz vor ihrem konventionellen Ende widersteht die langsam erzählte Geschichte vielen eingeübten Sehgewohnheiten. Eine große Stärke des Films ist es außerdem, dass er vieles im Ungefähren lässt: Ist Haemi wirklich eine alte Freundin? Gibt es ihre Katze wirklich? Gibt Ben nur an, als er behauptet, dass er zur Entspannung verlassene Gewächshäuser anzündet - oder geht von ihm eine Gefahr aus?

Die Ambivalenz ist bereits im Ausgangsmaterial angelegt: Die Erzählung von Murakami, auf der "Burning" basiert, ist nur sechs Seiten lang. Regisseur und Schreiber Lee Chang-dong und sein Co-Autor Oh Jung-mi finden nur mysteriös angedeutete und immer ambivalente Antworten auf all die Fragen, die "Burning" aufwirft - möglicherweise völlig zurecht, denn wessen kann man sich überhaupt sicher sein mit Anfang 20, außer der brennenden Sehnsucht, im Sonnenuntergang zu tanzen?

Alle Spielzeiten auf einen Blick

(APA/Red)

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