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Bundesmuseen setzen auf Kurzarbeit: Hohe Verluste erwartet

Die Bundesmuseen erwarten hohe Verluste.
Die Bundesmuseen erwarten hohe Verluste. ©APA
Die Bundesmuseen stehen durch die Corona-Krise vor einer großen Herausforderung. Eine Mehrheit der Museen plant, die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken.

Die Coronakrise und die erzwungene Schließung der Häuser stellt die Bundesmuseen vor große Herausforderungen. Eine Mehrheit der Institutionen plant Kurzarbeit für die Mitarbeiter oder hat diese bereits eingereicht, wie eine aktuelle Umfrage der APA ergab. Und die Einnahmeausfälle gehen in die Millionenhöhe. Weitgehend Einigkeit herrscht deshalb bei der Forderung nach einer höheren Basisabgeltung.

KHM-Verband: 387 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet

Im gesamten KHM-Museumsverbund sind mit 1. April 387 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet, bei der Albertina sind es im gleichen Zeitraum 187, was laut Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder 1,3 Mio. Euro an Einsparungen bringen soll. Und im Belvedere, dem dritten großen Flaggschiff der Bundesmuseenflotte, sind es laut Direktorin Stella Rollig rund 200 Betroffene. Im mumok sind dies 100 Personen, und die Nationalbibliothek (ÖNB) arbeitet derzeit an einem Antrag auf Kurzarbeit für 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im MAK will man - nach einem Betriebsurlaub bis 14. April - bis Ende Juni "den Großteil" der Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Im Technischen Museum sind es um die 130. Einzig im Naturhistorischen Museum (NHM) wartet man "einstweilen" bei der Kurzarbeit noch ab. Allgemeines Ziel aller Häuser ist dabei nach jetzigem Stand, ohne Kündigungen auszukommen.

Verluste in Millionenhöhe erwartet

Dass dies eine Herausforderung ist, zeigt die Höhe der prognostizierten Verluste in den einzelnen Museen, sollten sich diese bereits beziffern lassen. In der Albertina geht Direktor Schröder allein bis Ende Juni von 3,3 Mio. Euro Verlust aus: "Bei einer Wiedereröffnung im Spätsommer oder Herbst beziffern wir den Verlust auf 7,8 bis 8,5 Millionen Euro." Im KHM-Verbund sind es gar 14,6 Mio. Euro bis Jahresende. Beim Belvedere schätzt man die Verlustzahlen auf 8 bis 12 Mio. Euro. Beim mumok rechnet man mit 800.000 Euro, die bis Ende Juni fehlen. Und im NHM erwartet Direktor Christian Köberl nach grober Schätzung alleine bis Ende Juni rund 2 Mio. Euro Einnahmeausfälle.

Praktisch alle Institutionen prüfen derzeit, ob die Zahlung von Miete zumindest teilweise ausgesetzt werden kann, wobei die hier zu erwartenden Einsparungen in der Gesamtperspektive als überschaubar betrachtet werden. Die Conclusio ist für die große Mehrheit der acht Kulturinstitutionen, dass der Bund als Eigentümer - zumindest temporär - die Basisabgeltung erhöhen muss, um den Häusern die Chance zu geben, die Verluste wettzumachen.

"Jetzt muss eine substanzielle Erhöhung der Basisdotierung erfolgen", so Albertina-Chef Schröder. Laut KHM-Chefin Haag sind bereits erste Gesprächstermine hierzu mit Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) anberaumt.

Österreichische Bundesmuseen stellen sich auf Verluste ein

Angesichts der historischen Coronakrise hat die APA die Führungsspitzen der acht Bundesmuseen respektive der Nationalbibliothek gebeten, zu den erwarteten Verlusten und Kurzarbeitsplänen Stellung zu beziehen. Im Folgenden die schriftlichen Interviews mit den Generaldirektorinnen und -direktoren im Wortlaut.

SABINE HAAG, GENERALDIREKTORIN KUNSTHISTORISCHES MUSEUM MUSEUMSVERBUND (KHM)

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im Zuge der erzwungenen Schließung Ihres Hauses bereits getroffen?

Haag: Wir haben etwa unsere Beethoven-Ausstellung in den Herbst verschoben und die geplante Tizian-Schau gleich um ein Jahr in den Herbst 2021. Das sind Dinge, die wir ausgabenseitig sofort umsetzen konnten.

Haben Sie MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet?

Haag: Wir haben uns entschlossen, in die Kurzarbeit zu gehen. Anfangs war es den Bundesmuseen rechtlich ja nicht möglich, Kurzarbeit zu beantragen. Dass wir das in dieser Rekordzeit umsetzen konnten, war wirklich ein Kraftakt. Wir haben nun von 1. April bis Ende Juni 387 MitarbeiterInnen für die Kurzarbeit angemeldet, die nach dem Modell 0 Prozent/0 Prozent/30 Prozent (0 Prozent Arbeitsleistung im April, 0 im Mai und 30 im Juni., Anm.) arbeiten werden, um also im Juni unsere Wiedereröffnung vorzubereiten. Die Ersparnisse liegen hier für uns im siebenstelligen Bereich, wobei ich da noch keine genauere Prognose abgeben kann. Klar ist in jedem Falle: Das ist für unsere Liquidität überlebenswichtig.

Stehen Entlassungen von MitarbeiterInnen im Raum?

Haag: Nein. Durch die Kurzarbeit müssen wir keine Kündigungen vornehmen.

Können Sie den Verlust einschätzen, der aus der Coronakrise für Ihr Haus entsteht?

Haag: Wir gehen von einem Verlust im Verbund von bis zu 14,6 Mio. Euro bis Jahresende aus. Man muss ja auch in der zweiten Jahreshälfte mitbedenken, dass der Tourismus in der bekannten Form nicht stattfinden wird.

Welche politischen Maßnahmen würden Ihnen derzeit am meisten helfen?

Haag: Unser eigentliches Problem beginnt dann, wenn wir wieder aufsperren. Wenn wir unseren erfolgreichen Kurs wieder aufnehmen sollen, brauchen wir unbedingt eine Anhebung der Basisabgeltung - vor allem die großen drei Museen KHM, Albertina und Belvedere, die in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gearbeitet haben. Da sind jetzt schon Gesprächstermine mit Kunst- und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne, Anm.) vereinbart.

Prüfen Sie die Aussetzung von Mietzahlungen?

Haag: Das prüfen wir. Wir nehmen natürlich jede zulässig und rechtlich gebotene Maßnahme war, die sich in diesem Zusammenhang bietet.

Können Sie abseits der finanziellen Verluste auch positive Aspekte der aktuellen Situation erkennen?

Haag: Es ist unglaublich schmerzhaft, ein Museum zuzusperren und zu wissen, es wird nichts mehr so sein wie an diesem Tag. Das ist auch eine emotionale Herausforderung. Aber auf die große Kraft zu vertrauen, die Kunst und Kultur gerade nach der Krise haben werden, ist doch etwas sehr Positives. Man bewegt sich in den Tagen der sozialen Isolation nicht in seinen üblichen Gedankenbahnen. Die aktuelle Bedrückung stimuliert erst einmal nicht zu kreativen Gedanken, aber das wird kommen. Da wird ein großes Potenzial freigesetzt werden.

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KLAUS ALBRECHT SCHRÖDER, GENERALDIREKTOR ALBERTINA

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im Zuge der erzwungenen Schließung Ihres Hauses bereits getroffen?

Schröder: Etwa durch die Senkung der PR-Ausgaben konnten kurz- und mittelfristig Einsparungen erreicht werden. Im nächsten Quartal wurden Ausstellungen verschoben, die Eröffnung der Albertina modern muss vollkommen neu geplant werden und findet aller Voraussicht nach im Sommer oder Herbst statt. Eine weitere wichtige Frage ist, wie wir als Museum insgesamt mit einem nachhaltigen Besucherrückgang von einer Million pro Jahr auf einige Hunderttausend umgehen. In den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren werden wir bei Ausstellungsprojekten verstärkt auf unsere Schausammlung setzen. Wir prüfen derzeit, ob die Modigliani-Retrospektive im Herbst stattfinden kann.

Haben Sie MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet?

Schröder: Das ist mit 1. April bereits geschehen. Das betrifft 187 von 227 MitarbeiterInnen. Die erwarteten Einsparungen für die kommenden drei Monate belaufen sich auf 1,3 Mio. Euro. Wir erhalten 7,3 Mio. Euro Basisdotierung, haben jedoch Personalkosten von 8,9 Mio. und Miete von 1,2 Mio. sowie Energie-, Wartungs- und Instandhaltungskosten von 1 Mio., dazu kommt der allgemeine Museumsbetrieb in Millionenhöhe. Das kann ohne einen hochprofitablen Ausstellungsbetrieb nicht aufrechterhalten werden. Das bedeutet umgekehrt, dass mit Einsparung allein die Albertina nicht durch diese Krise kommen kann. In den letzten 20 Jahren haben wir das Museum als Ausstellungsbetrieb organisiert, jetzt muss eine substanzielle Erhöhung der Basisdotierung erfolgen.

Stehen Entlassungen von MitarbeiterInnen im Raum?

Schröder: Unser Ziel ist, ohne Kündigungen auszukommen, unser gut ausgebildetes Personal wird sofort wieder benötigt, sobald der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Können Sie den Verlust einschätzen, der aus der Coronakrise für Ihr Haus entsteht?

Schröder: Wir haben dem Finanzministerium eine Schadenssumme bis 30. Juni in der Höhe von 3,3 Mio. Euro gemeldet. Bei einer Wiedereröffnung im Spätsommer oder Herbst beziffern wir den Verlust auf 7,8 bis 8,5 Mio. Euro.

Welche politischen Maßnahmen würden Ihnen derzeit am meisten helfen?

Schröder: Aufgrund des Totalausfalls der Erträge und der Reduktion der Einnahmen hilft uns nur eine Inanspruchnahme des Corona-Krisenfonds.

Prüfen Sie die Aussetzung von Mietzahlungen?

Schröder: Ja, wir prüfen die Teilaussetzung. Dies wird jedoch lediglich einige Hunderttausend Euro an Einsparungen bringen.

Können Sie abseits der finanziellen Verluste auch positive Aspekte der aktuellen Situation erkennen?

Schröder: Nein, diese schwere Krise hat keine positiven Effekte. Wir müssen auch geplante Projekte zur Forschung, Digitalisierung und Inventarisierung auf den Prüfstand stellen, weil diese nicht durch die Basissubventionen gedeckt sind.

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STELLA ROLLIG, GENERALDIREKTORIN BELVEDERE

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im Zuge der erzwungenen Schließung Ihres Hauses bereits getroffen?

Rollig: Es kommt zu großflächigen Verschiebungen und Absagen von Ausstellungen und Sonderprogrammen.

Haben Sie MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet?

Rollig: Ja, wir stehen unmittelbar vor Antragstellung. Davon sind ca. 200 MitarbeiterInnen betroffen. Die Berechnung zu den entsprechenden Einsparungen liegt allerdings noch nicht vor.

Stehen Entlassungen von MitarbeiterInnen im Raum?

Rollig: Die Kurzarbeit hat das Ziel, Personalabbau zu vermeiden.

Können Sie den Verlust einschätzen, der aus der Coronakrise für Ihr Haus entsteht?

Rollig: Die Zahlen liegen hier zwischen 8 und 12 Mio. Euro.

Welche politischen Maßnahmen würden Ihnen derzeit am meisten helfen?

Rollig: Eine temporäre Erhöhung der Basissubvention, die sich an den Einnahmenausfällen orientiert.

Prüfen Sie die Aussetzung von Mietzahlungen?

Rollig: Wir zahlen Miete im Wesentlichen an den Bund. Mieterlass könnte ein Teil der Staatshilfe sein, Mieten machen aber nur 3,5 Prozent unserer Kosten aus und lösen das Problem daher nur marginal.

Können Sie abseits der finanziellen Verluste auch positive Aspekte der aktuellen Situation erkennen?

Rollig: Die Krise ist so ernst, dass es geradezu pietätlos wäre, etwas als positive Aspekte zu bezeichnen.

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KAROLA KRAUS, GENERALDIREKTORIN MUMOK

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im Zuge der erzwungenen Schließung Ihres Hauses bereits getroffen?

Kraus: Wir arbeiten auf Hochtouren, unseren MitarbeiterInnen in diesen schweren Zeiten Sicherheit zu vermitteln, die schlimmsten Auswirkungen abzuwenden und Ausstellungsprojekte so perfekt als möglich vorzubereiten. Da die derzeitig laufenden Ausstellungen erst kurz vor der Schließung eröffnet wurden, haben wir deren Laufzeit über den Jahreswechsel bzw. in den Herbst verschoben. Die für 30. April geplante Eröffnung des Ausstellungsreigens zu Andy Warhol haben wir auf Ende September verschoben und die Herbstausstellungen ins Frühjahr 2021.

Haben Sie MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet?

Kraus: Wir werden bis auf die "systemerhaltenden" 100 unserer 136 Mitarbeiter_innen in Kurzarbeit schicken. Der Antrag liegt aktuell beim AMS zur Prüfung. Noch ist eine Rückmeldung offen.

Stehen Entlassungen von MitarbeiterInnen im Raum?

Kraus: Aus aktueller Sicht nein.

Können Sie den Verlust einschätzen, der aus der Coronakrise für Ihr Haus entsteht?

Kraus: Bei einer Schließung bis Ende Juni wären es ca. 800.000 Euro. Jedoch kann niemand abschätzen wie schnell sich der Tourismus erholt, daher werden wir wohl auch im 2. Halbjahr deutliche Besucherrückgänge und damit deutliche Verluste zu verzeichnen haben.

Welche politischen Maßnahmen würden Ihnen derzeit am meisten helfen?

Kraus: Neben der bereits erfolgten Möglichkeit der Kurzarbeit, für die wir Ulrike Lunacek sehr dankbar sind, gegebenenfalls eine Kompensation der ausgefallenen Umsatzerlöse. Wobei hier natürlich nicht nur die derzeitige Schließung, sondern auch der Wegfall des Tourismus für 2020 und gegebenenfalls für 2021 mitbedacht werden muss.

Prüfen Sie die Aussetzung von Mietzahlungen?

Kraus: Eine diesbezügliche Prüfung ist am Laufen, da das mumok natürlich alle gesetzlichen und rechtlichen Möglichkeiten zur Kosteneinsparung nutzen muss.

Können Sie abseits der finanziellen Verluste auch positive Aspekte der aktuellen Situation erkennen?

Kraus: Dieser Krise positive Aspekte abzugewinnen, ist eine Illusion. Um mit unseren BesucherInnen in Kontakt zu bleiben, haben wir auf unserer Website einen Blog eingerichtet. "Out of the Box" stellt den Interessierten täglich neue Beiträge bereit. Außerdem kommunizieren wir natürlich weiterhin über unsere Social-Media-Kanäle und halten so unsere Community up-to-date.

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CHRISTOPH THUN-HOHENSTEIN, GENERALDIREKTOR DES MUSEUMS FÜR ANGEWANDTE KUNST (MAK)

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im Zuge der erzwungenen Schließung Ihres Hauses bereits getroffen?

Thun-Hohenstein: Wir haben rasch umsetzbare Einsparungspotenziale geprüft. Angesichts der Schließung des Hauses haben wir vielen Bediensteten Home-Office ermöglicht. Auf der inhaltlichen Seite haben wir das Ausstellungsprogramm adaptiert und mehrere Projekte auf 2021 verschoben. Besonders wichtig ist auch der Abbau von Alturlaub und Zeitguthaben, insbesondere durch einen Betriebsurlaub von 30. März bis 14. April.

Haben Sie MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet?

Thun-Hohenstein: Ja. Wir werden den Großteil der MitarbeiterInnen für die Zeit ab 15. April bis 30. Juni zur Kurzarbeit anmelden. Wir erwarten uns dadurch substanzielle Einsparungen, die uns helfen sollten, die kommenden Monate finanziell zu bewältigen.

Stehen Entlassungen von MitarbeiterInnen im Raum?

Thun-Hohenstein: Nein. Kündigungen wollen wir auf jeden Fall vermeiden. Bis Ende des Sommers können wir die Arbeitsplätze garantieren.

Können Sie den Verlust einschätzen, der aus der Coronakrise für Ihr Haus entsteht?

Thun-Hohenstein: Wir haben umfassende Analysen angestellt und die Auswirkungen für verschiedene Szenarien der Weiterentwicklung der Krise durchgerechnet, bitten aber um Verständnis, dass wir derzeit keine konkreten Zahlen bekanntgeben.

Welche politischen Maßnahmen würden Ihnen derzeit am meisten helfen?

Thun-Hohenstein: Die Erstreckung der Kurzarbeitsmöglichkeit auf Bundesmuseen war eine entscheidende Weichenstellung. Zusätzliche Maßnahmen wie der Ersatz des Erlösentgangs nach Einsparungen werden zu prüfen sein. Wichtig wäre ferner, dass beantragte Investitionsmittel bald zur Verfügung gestellt werden, damit die Zeit bis zum Herbst für die Umsetzung dieser Vorhaben genützt werden kann.

Prüfen Sie die Aussetzung von Mietzahlungen?

Thun-Hohenstein: Diese Möglichkeit prüfen wir, haben aber noch keine Schritte unternommen.

Können Sie abseits der finanziellen Verluste auch positive Aspekte der aktuellen Situation erkennen?

Thun-Hohenstein: Das Krisenmanagement hat im MAK bisher dank des enormen Einsatzes aller Beteiligten großartig funktioniert. Der im MAK bestehende "spirit" der Kooperation und Solidarität ist gerade in dieser schweren Krise beeindruckend. Aus Krisen kann man immer lernen. So verdeutlicht diese Krise Fehlentwicklungen der globalisierten Wirtschaft wie unnötig lange Transportwege um den halben Erdball, die sich nur wegen der Externalisierung von Umweltkosten rechnen, die es zu korrigieren gilt. Das MAK wird sich mit den Möglichkeiten von Design, Architektur und bildender Kunst verstärkt einbringen, um die Abkehr vom Massenkonsum und die Weiterentwicklung unserer Zivilisation zu einer nachhaltigen, resilienten Qualitätsgesellschaft mitvoranzutreiben.

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JOHANNA RACHINGER, GENERALDIREKTORIN ÖSTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK (ÖNB):

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im Zuge der erzwungenen Schließung Ihres Hauses bereits getroffen?

Rachinger: Die Österreichische Nationalbibliothek muss aufgrund der Corona-Pandemie substanzielle Erlöseinbußen in Kauf nehmen. Die negativen Auswirkungen insbesondere auf den Tourismus und die Veranstaltungstätigkeit werden wohl weit in das kommende Jahr hineinreichen. Die ÖNB hat daher ein Maßnahmenprogramm definiert, um den Erlösentgang soweit wie möglich aus eigener Kraft durch Kostenreduktionen zu kompensieren. Konkret wurden Dienstleistungen durch Dritte gestrichen, die Budgets für den Buch- und Sammlungserwerb reduziert und Investitionen gekürzt oder verschoben.

Haben Sie MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet?

Rachinger: Ein Antrag auf Kurzarbeit ist in Ausarbeitung. Es sind voraussichtlich rund 250 MitarbeiterInnen betroffen.

Wie hoch sind die Einsparungen, die Sie daraus in den kommenden drei Monaten erwarten?

Rachinger: Das lässt sich noch nicht seriös berechnen, weil es von Dauer und Umfang der Schließung der Publikumsflächen und der Einschränkungen des Dienstbetriebs abhängt.

Stehen Entlassungen von MitarbeiterInnen im Raum?

Rachinger: Nein.

Können Sie den Verlust einschätzen, der aus der Coronakrise für Ihr Haus entsteht?

Rachinger: Nein, derzeit nicht.

Welche politischen Maßnahmen würden Ihnen derzeit am meisten helfen?

Rachinger: Die Zulassung der ÖNB zu der Corona-Kurzarbeit war eine für uns sehr wichtige politische Maßnahme.

Prüfen Sie die Aussetzung von Mietzahlungen?

Rachinger: Das ist eine Maßnahme, die wir prüfen und in weiterer Folge mit der Burghauptmannschaft als Vertreterin der Republik besprechen werden.

Können Sie abseits der finanziellen Verluste auch positive Aspekte der aktuellen Situation erkennen?

Rachinger: Es war positiv zu sehen, dass sich die Führungskräfte und MitarbeiterInnen der ÖNB als sehr krisenfest erwiesen haben. Die notwendigen Maßnahmen wurden in kürzester Zeit konzipiert und umgesetzt.

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CHRISTIAN KÖBERL, GENERALDIREKTOR DES NATURHISTORISCHEN MUSEUMS (NHM)

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im Zuge der erzwungenen Schließung Ihres Hauses bereits getroffen?

Köberl: Das Museum musste für Besucher geschlossen werden, und auch der interne Betrieb wurde auf eine Art Notbetrieb umgestellt, das heißt, es sind nur wenige, systemerhaltende Leute vor Ort.

Haben Sie MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet?

Köberl: Nein, vorläufig nicht.

Stehen Entlassungen von MitarbeiterInnen im Raum?

Köberl: Nein.

Können Sie den Verlust einschätzen, der aus der Coronakrise für Ihr Haus entsteht?

Köberl: Durch den Verlust von Eintritten, Vermietungen, Pachteinnahmen, Shoperlösen usw. sind bis Ende Juni Ausfälle in der Höhe von etwa 2 Mio. Euro zu erwarten. Aber das ist natürlich nur eine grobe Schätzung.

Welche politischen Maßnahmen würden Ihnen derzeit am meisten helfen?

Köberl: Einerseits eine Erklärung, dass der Bund als Eigentümer nachträglich über die Basisabgeltung alle Ausfälle kompensiert, denn Mitarbeiter unter Einkommensverlust in Kurzarbeit zu schicken, aber trotzdem eine Basisabgeltung zu erhalten (die aber nicht ausreicht) ist ein gewisser Widerspruch. Und anderseits ist es für das NHM als Institution eine große Herausforderung, dass durch die Politik mitten in Zeiten der Krise eine komplett neue Geschäftsführung, welche das Haus nicht intern kennt, eingesetzt wird.

Prüfen Sie die Aussetzung von Mietzahlungen?

Köberl: Die Tatsache, dass der Bund dem Bund Geld gibt, damit man dem Bund für das Gebäude, in dem die Sammlungen des Bundes sind, Miete zahlt, hat schon immer einer gewissen Absurdität nicht entbehrt. Momentan könnte man durchaus zumindest für den Prozentanteil des Gebäudes, der geschlossen werden musste, keine Miete bezahlen. Wir werden dies prüfen, wenn es nötig wird.

Können Sie abseits der finanziellen Verluste auch positive Aspekte der aktuellen Situation erkennen?

Köberl: Wir wüssten keinen positiven Aspekt. Alle Projekte und Initiativen erfordern entweder die Anwesenheit in den Sammlungen, Labors etc., oder eine direkte Kommunikation. Alles andere ist deutlich schwieriger und führt zu Verzögerungen.

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PETER AUFREITER, GENERALDIREKTOR TECHNISCHES MUSEUM

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im Zuge der erzwungenen Schließung Ihres Hauses bereits getroffen?

Aufreiter: Da sich die Situation in den letzten Wochen immer wieder sehr schnell verändert hat, mussten wir unsere Maßnahmen immer wieder kurzfristig anpassen. Gleichzeitig sind wir in dieser schwierigen Situation immens dankbar für den unermüdlichen Einsatz, den Zusammenhalt und das Verständnis unserer ca. 220 MitarbeiterInnen. Um Kosten zu sparen, sind wir mit dem Betriebsrat bezüglich Kurzarbeit in Gesprächen, geplant wäre, den Museumsbetrieb ab 1. April auf "Notbetrieb" zu reduzieren.

Haben Sie MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet?

Aufreiter: Dank des Einsatzes von Staatssekretärin Ulrike Lunacek ist das Modell der Corona-Kurzarbeit jetzt auch für Bundesmuseen nutzbar, was für uns eine absolut notwendige und wichtige Hilfestellung um Kündigungen zu vermeiden ist. Wir werden das Angebot natürlich in Anspruch nehmen. Geplant wäre, dass ca. 60 Prozent der MitarbeiterInnen ab 1. April in Kurzarbeit geht. Mit den daraus resultierenden Einsparungen, können wir innerhalb der nächsten drei Monate zumindest die Hälfte der entgangenen Einnahmen kompensieren.

Stehen Entlassungen von MitarbeiterInnen im Raum?

Aufreiter: Nein.

Können Sie den Verlust einschätzen, der aus der Coronakrise für Ihr Haus entsteht?

Aufreiter: Da die Dauer der Schließung ungewiss ist, ebenso sehr wie die mittel- und langfristigen Auswirkungen, können solche Einschätzungen derzeit nicht seriös getätigt werden. Sobald unser Antrag auf Kurzarbeit bewilligt ist, verändert das die Sachlage auch wieder stark. Während der Schließung haben wir nicht nur einen Komplettausfall bei den Ticketerlösen und Einkünften aus dem Museumsshop, sondern fallen auch um die Einnahmen der Vermietung als Eventlocation um - ein weiteres wichtiges Standbein der Eigenfinanzierung.

Welche politischen Maßnahmen würden Ihnen derzeit am meisten helfen?

Aufreiter: Für die Zeit nach Corona würden wir uns wünschen, dass alle Projekte die auch vorher in Planung waren, entsprechend fortgeführt werden können. Dafür gilt es, zeitgerecht alle Maßnahmen zu treffen und alle noch offenen Fragen zu klären, damit wir uns ab Tag 1 der Wiedereröffnung wieder voll auf unsere Besucherinnen und Besucher konzentrieren können.

Prüfen Sie die Aussetzung von Mietzahlungen?

Aufreiter: Bisher gibt es dazu noch keine konkreten Überlegungen. Bezüglich erforderlicher und sinnvoller Maßnahmen werden wir uns auch weiterhin mit den anderen Bundesmuseen und der ÖNB eng abstimmen.

Können Sie abseits der finanziellen Verluste auch positive Aspekte der aktuellen Situation erkennen?

Aufreiter: Von positiven Aspekten ist natürlich in so einer Situation schwerlich zu sprechen, aber aus rein wissenschaftlicher Sicht ist diese außergewöhnliche Zeit für unsere Sammlungstätigkeiten durchaus spannend. Da geht es etwa um die Frage, welche Effekte es auf unsere Mediennutzung oder unseren Energieverbrauch hat, welche Veränderung in Umwelt daraus entstehen oder welche Folgen sich in der Mobilität beobachten lassen. Außerdem liegt nun unser Fokus noch verstärkter auf der Weiterentwicklung unseres Onlineangebots. Damit wollen wir auch in Österreich lebende Personen im derzeit ungewöhnlichen Alltag begleiten: PädagogInnen, die auf der Suche nach Unterrichtsmaterialien sind, Eltern, die ihren Nachwuchs sinnvoll beschäftigt wissen wollen, Kinder, deren Wissensdurst trotz schulfrei keine Pause kennt. Tatsächlich verzeichnen wir derzeit um 47 Prozent mehr Webseitenzugriffe als im Vorjahreszeitraum und eine Steigerung von 55 Prozent bei neuen NutzerInnen. Alleine die Experimentieranleitungen, die wir für spielerisches Lernen zuhause als Gratisdownload anbieten, wurden bereits beinahe 19.000 Mal aufgerufen.

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(APA/Red)

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