Bregenzer Festspiele setzen 2015 auf "Turandot"

Neo-Intendantin Elisabeth Sobotka
Neo-Intendantin Elisabeth Sobotka
Nach der bisher erfolgreichsten Saison der Bregenzer Festspiele 2014 startet das Festival mit einer weiteren massentauglichen Oper auf der Seebühne in das erste Jahr der Intendanz von Elisabeth Sobotka. "Turandot" von Giacomo Puccini wird 2015 voraussichtlich 24 Mal gezeigt, zwei weitere Optionen bestehen. Als Hausoper ist Jacques Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" programmiert.


Die 70. Bregenzer Festspiele starten am 22. Juli. Bis 23. August gelangen insgesamt rund 80 Veranstaltungen zur Aufführung. Die unter David Pountney installierten Programmreihe “Kunst aus der Zeit” (KAZ) wird aufgegeben, dafür kommt das Musiktheater “Der Goldene Drache” von Peter Eötvös auf die Werkstattbühne.

“Die richtige Oper zur richtigen Zeit”, sagte der Geschäftsführer der Bregenzer Festspiele, Michael Diem, über die Wahl von “Turandot” (Premiere am 22. Juli) als Spiel auf dem See bei der Programm-Pressekonferenz des Festivals am Dienstag in Bregenz und erntete damit auch Zustimmung von Festspiel-Präsident Hans-Peter Metzler und der frisch gebackenen Intendantin. Letztere wird im Jänner 2015 von Graz nach Bregenz übersiedeln, scheint die Zügel der renommierten Kulturveranstaltung aber bereits fest in der Hand zu halten.

“Turandot ist ein Nachtstück”, gepaart mit den Massenszenen sei es wie geschaffen für das Spiel auf dem See, betonte Sobotka. Für die Regie wird der Schweizer Marco Arturo Marelli verantwortlich zeichnen, die Wiener Symphoniker dirigieren wird Paolo Carignani. Marelli, der Puccinis letzte Oper bereits drei Mal inszeniert hat, will in Bregenz vor allem die psychologische Ebene des Stückes in den Vordergrund stellen – darin enthalten auch die Leiden des Komponisten: jahrelang hatte Puccini an der Musik gefeilt, skizzierte immer neue Möglichkeiten des Liebesrausches zwischen der chinesischen Prinzessin Turandot und dem Prinzen Calaf. Erreichen will der Regisseur das etwa mit Einspielungen von Träumen der Prinzessin. Umso einfacher als er als erster Regisseur der Bregenzer Festspiele auch für die Bühnengestaltung zuständig sein wird. Für Sobotka war dies “nur naheliegend”, “die Stärke seiner Arbeit kommt sehr von der räumlichen Gestaltung”, erklärte die Festspiel-Intendantin.

Besonderes verspricht Sobotka auch für die Inszenierung der zunächst als sehr klassisch anmutenden Auswahl der Hausoper “Hoffmanns Erzählungen” von Jaques Offenbach (Premiere am 23. Juli). Das liege vor allem an Stefan Herheim, der für die Inszenierung der unvollendeten Oper des deutsch-französischen Komponisten gewonnen werden konnte. “Herheim ist ein sehr theatralischer Regisseur. Er greift gerne ins Volle”, eine Qualität, die sie sehr fasziniere, sagte Sobotka. Gemeinsam mit Johannes Debus, der die Hausoper dirigieren wird, arbeitet Herheim derzeit an einem Ende des Stückes. Glanz erhält die Hausoper auch durch ein erstes Sänger-Engagement: Der deutsche Bariton Michael Volle wird den Part der drei Bösewichte übernehmen. Erstmals wird die Hausoper fünf Mal gezeigt, in den vergangenen Jahren war dieser Programmpunkt des Festivals meist nur zwei Mal auf der Bühne zu sehen.

Auch weiterhin soll es in Bregenz Zeitgenössisches zu sehen und hören geben. Auf der Werkstattbühne gelangt etwa das im Frühling in Frankfurt uraufgeführte Musiktheater “Der Goldene Drache” von Peter Eötvös zu seiner Österreichischen Erstaufführung (Premiere am 19. August). Außerdem seien bereits zwei Aufträge vergeben worden, deren Aufführung allerdings erst 2016 zu erwarten sei, berichtete Sobotka. Näheres zu Komponisten und Geschichten wollte die Intendantin noch nicht bekannt geben.

Ein wesentliches Kennzeichen der neuen Intendanz bei den Bregenzer Festspielen ist in der kommenden Saison die Verknüpfung verschiedener Künstler und Formate. “Sehr viele Verbindungen entstehen natürlich”, erklärte Sobotka, die verschiedene Werke eines Komponisten aber auch Künstler an unterschiedlichen Spielorten und verschiedenen Programmreihen präsentieren wird. Als Beispiel nannte sie Puccini, der mit einem sakralen Werk auch im zweiten Orchesterkonzert zu hören sein wird.

Der Ausbildung und Förderung von Nachwuchstalenten und auch der Entstehung neuer Musiktheaterstücke gilt eines der Hauptinteressen der neuen Intendantin der Bregenzer Festspiele. Ausdruck findet diese Vorliebe in der kommenden Saison in einem Opernstudio und einem Opernatelier.

“Junge Sänger brauchen einen Raum, wo sie sich entwickeln können”, betonte Sobotka. Im Idealfall sei das ein hoch professioneller Raum, diesen könnten die Bregenzer Festspiele bieten. Unter Anleitung des erfahrenen Dirigenten Jörg Lichtenstein, der auch am Mozarteum Salzburg unterrichtet, werden im neu gegründeten Opernstudio sechs Sänger Wolfgang Amadeus Mozarts “Cosi fan tutte” erarbeiten und ab 17. August an insgesamt vier Abenden im Kornmarkttheater präsentieren. Bereits vor dem offiziellen Beginn der Bregenzer Festspiele wird die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender zwei Tage lang mit den Sängern an deren Rollen arbeiten. Der zweite Tag ist für Besucher geöffnet und gibt damit Einblick in die Probenarbeit.

Mit dem Opernatelier will die neue Intendantin die Entstehung und die Ideenfindung eines Musiktheaterstücks über einen längeren Zeitraum hinweg erlebbar machen. Das Opernatelier wird deshalb auch außerhalb der Festspielsaison stattfinden. Für Sobotka ist dies ein Programmpunkt, mit dem sie sich einen Wunsch erfüllt. “Ich werde in Bregenz mehr Freiheit haben, um über das Innerste, was Oper ausmacht, nachdenken zu können”, sagte Sobotka.

Die Schauspielschiene der Bregenzer Festspiele, die 2013 aus Kostengründen abgeschafft wurde, wird auch im kommenden Sommer nicht wieder aufgelegt. Derzeit sei auch für die weitere Zukunft nichts fixiert, sagte Pressesprecher Axel Renner auf APA-Nachfrage. Eine Möglichkeit, die Programmreihe wieder aufzunehmen, bestehe aber weiterhin.

Die steigenden Kosten sind für die Bregenzer Festspiele nach wie vor ein Problem. “Die Schere zwischen Kosten und Einnahmen macht uns nachhaltig Sorgen”, betonte Festspiel-Präsident Metzler trotz des bereits guten Vorverkaufs (40 Prozent der Tickets sind gebucht). Nach wie vor bemühe er sich um eine Erhöhung der seit 1997 nicht mehr valorisierten Subventionen des Bundes. Man sei in sehr konstruktiven Gesprächen mit dem Kultur- und dem Finanzministerium. In der Kuratoriumssitzung Anfang 2015 erhofft sich Metzler Ergebnisse seiner Bemühungen. Ganz fest an eine Erhöhung der Subventionen glaubt Sobotka. “Die Hoffnung stirbt zuletzt”, sagte die Intendantin. Klar war aber auch für sie: “Wenn es weniger Geld ist, gibt es auch weniger Musi.”

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