Bregenzer Festspiele: "Jacob's Room" von Subotnick uraufgeführt

Bregenz -  Der amerikanische Komponist Morton Subotnick (77), ein Pionier elektronischer Musik, hat am gestrigen Donnerstagabend bei den Bregenzer Festspielen einen persönlichen Triumph erlebt.
"Jacob\'s Room" von Subotnick
Seine Kammeroper “Jacob’s Room” wurde im Rahmen der zeitgenössischen Programmschiene “Kunst aus der Zeit” (KAZ) auf der Werkstattbühne mit Erfolg uraufgeführt. Subotnick und alle Mitwirkenden wurden von Festspielpräsident Günter Rhomberg und dem übrigen Premierenpublikum mit großem Beifall gefeiert.

Mit seinem Musiktheater für vier Vokal-Solisten, vier Violoncelli, Keyboard und Elektronik rundet Subotnick das diesjährige Festspielmotto “In der Fremde”, insbesondere die Holocaust-Thematik der Hausoper “Die Passagierin” von Mieczyslaw Weinberg, ab. “Jacob’s Room” beschreibt eine Reise durch die von schweren Erinnerungen geplagte Psyche eines Überlebenden. Die kompositorischen Anfänge der Kammeroper liegen in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts, das Werk wurde jedoch bisher nie realisiert. Basierend auf der Novelle “Jacob’s Room” von Virginia Woolf, auf Platons “Phaedrus” und anderen Texten entwickelt Subotnick ein komplexes Kammerspiel um Träume und verdrängte Erinnerungen an traumatische Kindheitserlebnisse beim gewaltsamen Verlust der Eltern. Letztlich spielt sich alles in Jacobs Kopf ab.

Musikalische Leitung (Ari Benjamin Meyers), Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme (Mirella Weingarten), Live-Video (Lillevan) und die Lichtregie (Jean-Mario Bessière) imaginieren durch eineinhalb Stunden eine packende und berührende Reise in die Tiefen einer wunden Seele. Phänomenal, wie die vier englisch (mit deutschen Übertiteln) singenden Solisten Ruth Rosenfeld (Guide), Katharina von Bülow (Mutter), Florian Just (Jacob) und Tom Sol (Großvater) auf der in alle Richtungen schwenk- und kippbaren Bühnenfläche agieren und die von Subotnick komponierten Nuancen menschlicher Stimme – vom Belcanto bis zu tierähnlichen Grunzlauten – ausloten. Die elektronischen Klänge symbolisieren daneben die verdrängten Traumata.

Dank des Engagements und der Hartnäckigkeit von Laura Berman, der künstlerischen Leiterin von KAZ, wurde die Oper nun als Auftragswerk von den Bregenzer Festspielen koproduziert mit soniq performing arts (Berlin) und Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste (Dresden), mit Unterstützung der American Academy (Berlin) und finanziert aus Mitteln des Berliner Hauptstadtkulturfonds. Nach zwei Aufführungen in Bregenz (5. und 7.8.) wird “Jacob’s Room” seine deutsche Erstaufführung am 1. Oktober in Dresden (Hellerau) erleben. Weitere Vorstellungen sind am 16. und 17. Oktober in Berlin (Radialsystem) sowie vom 17. bis 19. Februar 2011 in Wien beim Festival Out of Control/Netzzeit vorgesehen.

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