Branimir Glavas in Bosnien festgenommen

In Kroatien ist er wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden: Der Abgeordnete Branimir Glavas wurde jetzt in Bosnien-Herzegowina festgenommen. Glavas wurde der Polizei in Sarajevo vorgeführt.

Ob und wie lange er in Haft bleiben werde, wisse er nicht, sagte Anwalt Nikica Grzic laut kroatischen Medienberichten. Glavas, der vorige Woche von einem kroatischen Gericht wegen Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden ist, wurde auf Grundlage eines Interpol-Haftbefehls festgenommen. Dennoch wird eine Auslieferung des Mandatars, dessen Immunität das kroatische Parlament am Montag aufgehoben hat, nicht erwartet.

Der 52-Jährige hat nämlich neben der kroatischen auch die bosnische Staatsbürgerschaft. Und in der Verfassung Bosnien-Herzegowinas ist festgeschrieben, dass bosnische Staatsbürger nicht ausgeliefert werden dürfen. Zudem haben Kroatien und Bosnien-Herzegowina kein Abkommen über eine wechselseitige Auslieferung von verurteilten Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Insofern könnte Glavas, der vor der Urteilsverkündung vergangenen Freitag nach Bosnien geflüchtet war, bald wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Nach Angaben der bosnischen Polizei wurde Glavas im mehrheitlich von Kroaten bewohnten Kupres in der Herzegowina festgenommen. Die Festnahme sei ohne Probleme erfolgt und die Polizei habe stets gewusst, wo er sich in Bosnien aufhalte. Anwalt Grzic erklärte, dass sein Mandant aufgrund der Gesetzeslage bis zu drei Monaten in Untersuchungshaft bleiben könne. Da Glavas aber gültige bosnische Dokumente habe, müsste dies Grund genug sein, ihn freizulassen – unabhängig vom kroatischen Haftbefehl, sagte Grzic.

In einem Interview für die in Sarajevo erscheinende Zeitung “Dnevni avaz” wiederholte Glavas seinen Standpunkt, dass er in Kroatien “Opfer eines politischen Prozesses” geworden sei, den man so letztmals “in dunkelsten kommunistischen Zeiten” erlebt habe. Bisher sei er in Kroatien bereits zweimal festgenommen worden, allein um ihn zu “erniedrigen”. “Ich wollte nicht ein drittes Mal zulassen, dass mich (der kroatische Premier Ivo) Sanader festnimmt”, so Glavas. Der kroatische Innenminister Tomislav Karamarko habe ihm “gedroht” und im Innenministerium seien Beweise gegen ihn fabriziert worden. Er habe niemals ein Verbrechen begangenen, vor allem kein Kriegsverbrechen, so Glavas. Er habe nichts dagegen, dass ihm in Bosnien der Prozess gemacht werde. Dies wäre zumindest ein “ehrlicher Prozess”.

Bosnien sei das Land seiner Eltern und hier fühle er sich nicht fremd. Kroatien habe er dennoch nur vorübergehend verlassen. “Kroatien ist meine Heimat. Kroatien habe ich aufgebaut und verteidigt”, sagte Glavas. Die Staatsbürgerschaft Bosnien-Herzegowinas hatte der im ostslawonischen Osijek geborene Politiker im November 2008 erhalten. Die rechtliche Grundlage bildete die Herkunft seiner Eltern aus einem Dorf im Westen der Herzegowina.

Glavas soll laut Belgrader Medienberichten die vergangenen Tage im Haus eines früheren Berufskollegen und engen Freundes des bosnisch-serbischen Ex-Militärchefs Ratko Mladic untergekommen sein. Demnach lebte er in einem Haus von Zeljko Siljeg in Ljubuski im Westen der Herzegowina. Mladic, vom Haager UNO-Tribunal gesuchter mutmaßlicher Kriegsverbrecher, und Siljeg, der im Laufe des Bosnien-Krieges (1992-1995) zum General des “Kroatischen Verteidigungsrats” (HVO) aufgestiegen war, hatten kurz vor Zerfall Ex-Jugoslawiens im damaligen Korps von Pristina im Kosovo gemeinsam gedient. Zu dieser Zeit schlossen sie laut Medien enge Freundschaft. Später avancierte Mladic gar zum Trauzeugen von Siljeg bei dessen Hochzeit. Im Bosnien-Krieg standen sie sich dann gegenüber.

Glavas war während des Kroatien-Krieges (1991-1995) militärischer Befehlshaber von Osijek. Medien bezeichneten ihn damals als “Herrn über Leben und Tod”. Als einer der engsten Mitarbeiter des verstorbenen kroatischen Präsidenten und Gründers der regierenden, national-konservativen HDZ, Franjo Tudjman, galt Glavas lange Zeit als “unantastbar”. 2005 wurde er aber nach internen Querelen aus der HDZ ausgeschlossen. Danach gründete Glavas eine eigene Partei, die “Kroatische Demokratische Vertretung von Slawonien-Baranja” (HDSSB), die bei den Parlamentswahlen Ende November 2007 auf Anhieb drei Mandate erreichte. Eines davon entfiel auf Glavas.

In dem eineinhalb Jahre dauernden Prozess wurden zwei Fälle verhandelt. Im Fall “Selotejp” (Klebeband) wurde Glavas zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht sah seine Verantwortung für die illegale Festnahme, Misshandlung und Ermordung von acht serbischen Zivilisten am Ufer der Drava (Drau) 1991 als erwiesen an. Im Fall “Garage” wurde Glavas als damaliger Chef des Sekretariats für die Volksverteidigung außerdem für die Misshandlung und Ermordung von zwei weiteren serbischen Zivilisten zu fünf Jahre in Haft verurteilt. Beide Schuldsprüche mündeten in das Strafmaß von zehn Jahren. Der Staatsanwalt hatte zwischen fünf und 20 Jahren Haft für die Angeklagten gefordert, die Verteidigung ihren Freispruch. Glavas ist bis dato der ranghöchste kroatische Politiker, der wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde.

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