Bosse rockte im Flex in Wien: "Ich will euch tanzen sehen"

Bosse -hier beim Bundesvision Song Contest - kam beim Wiener Publikum gut an.
Bosse -hier beim Bundesvision Song Contest - kam beim Wiener Publikum gut an. ©dpa (Sujet)
Axel Bosse bewies am Samstagabend im Wiener Flex eindrücklich, dass auch deutschsprachige Musik rocken kann. Mit Anekdoten zu seinen Songs hielt er das für seine Verhältnisse überschaubare Publikum in Stimmung und bot mit ganz alten und ganz neuen Werken einen guten Überblick über sein musikalisches Schaffen.

Nach dem ersten Song „Kraniche”, nach dem auch das aktuelle Album des Sängers benannt ist, muss Axel Bosse –typisch für einen Deutschen auf Wien-Besuch – erst einmal seine Kenntnisse des Wienerischen unter Beweis stellen. Er habe, berichtet er strahlend, zu Mittag ein 16er-Blech und eine Eitrige mit Buckel gehabt. Außerdem sehe das Publikum so nett aus, dass er mit jedem Einzelnen, auch den Vegetariern, sofort eine Käsekrainer essen würde. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits ziemlich verschwitzt, denn er wird im Laufe des Abends nicht nur immer wieder zum Tanzen auffordern, sondern hat bereits zu Beginn des Konzerts gezeigt, dass er unter Tanzen vollen Körpereinsatz versteht. Zögerlich stimmt bei „So oder so” auch das Publikum, das dafür, dass dem Song in Österreich bislang der Charteinstieg verwehrt blieb, erstaunlich textsicher ist, mit ein. In Deutschland erreichte „So oder so” nicht nur Platz 25 der Charts, sondern ist auch der Gewinnersong des Bundesvision Song Contests 2013.

Bosse rockte im Flex in Wien

Vor etwas mehr als 300 Zuschauern zu spielen ist für Bosse und seine sechsköpfige Band vermutlich ein intimes Konzert, das er aber sichtlich genießt. Er wolle „die Sonne auf die Bühne holen” kündigt er an, bevor er selbige verlässt, um mitten im Publikum zu stehen und weiter zu singen. Weiters auf der Setliste: „3 Millionen”, „Roboterbeine” und „Vier Leben”.

Kein Song ohne Geschichte

Wer Bosse als deutschsprachigen Schmusesänger abstempeln will, darf sich von den Texten nicht fehlleiten lassen. Tiefgründigkeit muss nicht sanft sein. Dieser Mann rockt selbst bei einem langsamen Song mehr als manch andere Band bei ihren wildesten Stücken. „Bitte tanzen Sie, liebe Leute aus Wien”, so seine höfliche Aufforderung an die Konzertbesucher vor „Istanbul”, einer Liebeserklärung an die Stadt, das Leben und die Liebe. Wie seine Songs entstanden sind, zu welcher Zeit und mit welchen Gedanken oder Flausen im Kopf, erzählt Bosse zwischendurch gerne und ausführlich. „Niemand vermisst uns” zum Beispiel war einer seiner ersten Songs, den er mittlerweile zwar pathetisch findet, sich aber wie er betont nicht dafür schämt. Mit 17 Jahren hat der mittlerweile 33-Jährige das Lied geschrieben, im Kopf hatte er dabei eine Frau, die um einiges älter war als er selbst.

Nicht alles kann live gespielt werden

Auch über sich selbst gibt Bosse zwischen den Stücken – es folgten „Sophie”, „Die schönste Zeit” und „Du federst” – gerne einiges Preis: Er berichtet über seine Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr, wirbt für wohltätige Projekte, für die er sich engagiert, und erzählt, dass er mit einem befreundeten Fußballer vor wichtigen Spielen gerne mal mehr als nur eine Zigarette geraucht habe. Sämtliche Mitglieder seiner Band würden „ein Kind nach dem anderen zeugen” und er freue sich, dass sein Vater seit er in Pension ist ihn auf der Tour begleite. Jede dieser Anekdoten macht deutlich: Er hat die Bodenhaftung nicht verloren. Und er ist sich auch nicht zu schade, einzugestehen, dass er nicht jeden Song live spielen kann. Aus dem Publikum wurde „Die Kunst der Verlierens” gewünscht. Ein Song, der laut Bosse noch nie live gespielt wurde. Und dabei bleibt es auch an diesem Abend in Wien.

Weiteres Konzert in Wien versprochen

Stattdessen endet das Konzert mit „Vive La Danse” und „Frankfurt Oder”. Als Zugabe werden „Tanz mit mir” und „Yipi” gespielt. Beim letzten Song greift Bosse selbst zur Gitarre, verabschiedet sich von Wien mit den Zeilen „Wird alles verschwinden, wird sich schon legen. Nur ich bleibe. Wie könnt’ ich auch gehen, wie könnt’ ich auch leben ohne uns beide? Ey, ehrlich – entspann’ dich mal!” und dem Versprechen, im kommenden Sommer wiederzukommen. Nicht nur auf diversen Festivals soll es Auftritte geben, sondern auch ein weiteres Wien-Konzert.
(SVA)

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