Bosnien: SDA von heftigen Machtkämpfen geschüttelt

In der führenden muslimischen Partei Bosniens tobt vor dem Parteitag Ende Mai ein heftiger Machtkampf, nachdem auch Bakir Izetbegovic, der Sohn des ersten langjährigen Parteichefs Alija Izetbegovic, seinen Anspruch auf die Führungsposition in der Partei der Demokratischen Aktion (SDA) gestellt hat.

Entweder werde er die volle Verantwortung für seine Aktivitäten übernehmen oder sich ganz zurückziehen, kündigte der langjährige SDA-Vize am Wochenende an.

Die Kandidatenliste für den SDA-Vorsitzendenposten ist noch nicht offiziell aufgestellt worden. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sich der bisherige SDA-Chef Sulejman Tihic, der die Partei seit dem Rücktritt von Alija Iztebegovic im Jahr 2000 führt, der Wiederwahl stellen wird. Als Anwärter auf das Amt des SDA-Vorsitzenden gilt auch der zweite SDA-Vizevorsitzende Adnan Terzic.

Tihic sah sich in den vergangenen Monaten mit parteiinterner Kritik konfrontiert, nachdem er mit den führenden Politikern der serbischen und der kroatischen Volksgruppe, Milorad Dodik (SNSD) und Dragan Covic (HDZ), im Oktober eine Einigung über die erneute Einleitung der Verfassungsreform erzielt hatte. Die drei Politiker einigten sich dabei auch über die Bildung von vier territorialen Einheiten, um den komplizierten Staat funktionsfähiger zu machen. Kurz danach stellte sich jedoch heraus, dass Tihic und Dodik nicht dieselbe Vorstellung von diesen Einheiten hatten. Laut Tihic würden sie über die Grenzen der beiden Landesteile – der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der Bosnisch-Serbischen Republik – reichen. Dodik hält dagegen die Bildung von neuen territorialen Einheiten nur in der Föderation für möglich.

In Beobachterkreisen in Sarajevo geht man davon aus, dass ein Sieg Izetbegovics wohl zu neuen Spannungen zwischen muslimischen, serbischen und kroatischen Politikern führen würde. Vom Machtkampf zwischen Tihic und Izetbegovic dürfte allem Anschein nach der frühere bosnische Premier Terzic (2002-2007) profitieren. So mancher Teilnehmer des Parteitags am 26. Mai könnte sich nach Ansicht von Beobachtern für ihn entscheiden, um eine SDA-Spaltung zu vermeiden. Terzic selbst fand für die aktuelle Lage in der Parteiführung klare Worte. Die Sitzung des SDA-Hauptausschusses am Samstag sei wie ein “ruhiges Meer mit Haien unter der Oberfläche” gewesen, schilderte der Politiker gegenüber einem lokalen Fernsehsender in Sarajevo.

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