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Bones and All - Kritik und Trailer zum Film

Nach dem gefeierten Film "Call Me by Your Name" hat Regisseur Luca Guadagnino in "Bones and All" wieder mit Timothée Chalamet zusammengearbeitet. "Bones and All" erzählt von zwei jungen Kannibalen, die auf der Suche nach ihrer Identität sind und sich ineinander verlieben. Der Film gewann bei den Filmfestspielen in Venedig den Silbernen Löwen für die beste Regie. Es handelt sich um eine Art zartes Horrordrama voller Blut und Tod, aber auch Liebe und leisen Tönen.

Der neue Film von Luca Guadagnino ist ein Coming-of-Age-Roadmovie mit viel Aderlass. Aber unter dem grotesken Giallo verbirgt sich eine zarte Geschichte über die im wahrsten Sinne des Wortes alles verzehrende Liebe. Man stelle sich vor, Bonnie und Clyde wären Menschenfresser gewesen. "Bones and All" ist ab Freitag in den heimischen Kinos zu sehen.

Bones and All - Kurzinhalt zum Film

In vielerlei Hinsicht fühlt sich "Bones and All", eine Verfilmung des Jugendromans der US-Autorin Camille DeAngelis, wie die Symbiose der letzten beiden Filme von Luca Guadagnino an: Da ist die melancholische Romanze von "Call Me By Your Name" (2017) vermischt mit dem blutgetränkten Giallo-Horror seines "Suspiria"-Remakes (2018).

Wir befinden uns diesmal in einer amerikanischen Kleinstadt in den 1980er Jahren. Die schüchterne Maren (Taylor Russell) will eindeutig aus ihrem Schneckenhaus hervorkriechen, aber ihr Vater (André Holland) sperrt sie in ihrem Zimmer ein. Er hat seine Gründe. Eines Nachts schleicht seine Tochter zu einer Pyjamaparty, die zuerst einen erotischen Unterton hat, eine lebhafte Sinnlichkeit, die Luca Guadagnino wie immer hervorragend darstellt, obwohl sich die jugendlichen Hormone bald heißhungriger als normal anfühlen. Maren lutscht am frisch lackierten Finger ihrer Freundin - und schluckt ihn.

Es ist ein Zwang, den sie nicht versteht, obwohl er seit ihrer Kindheit ein Teil von ihr ist. Als ihr Vater sie verlässt, weil er es einfach nicht mehr erträgt, macht sich die 18-Jährige auf eine Odyssee durch den Mittleren Westen, um ihre Mutter (Chloë Sevigny) zu finden, und zu erfahren, wer sie ist. Ein bizarrer Herumtreiber namens Sully (Mark Rylance, großartig wie immer) gibt ihr den ein oder anderen Ratschlag, aber der Anblick des alten Mannes, als er blutverschmiert an einer toten Frau knabbert, reicht aus, um Maren davon zu überzeugen, dass er möglicherweise kein idealer Lehrer ist.

Der nächste Kannibale, den sie trifft, ist weitaus sympathischer. Obwohl Lee (Timothée Chalamet) einige unappetitliche Angewohnheiten hat, ist er ein lässiger, sensibler Kerl und wie sie selbst auch ein Außenseiter. Also stehlen sie einen blauen Pick-up, eine der vielen Primärfarben, die Guadagnino gerne verwendet, und entdecken die Welt und sich selbst, Mahlzeit für Mahlzeit. Während die Liebe entlang der offenen Straße erblüht und auch Marens Schuldgefühle, erinnert ihre Beziehung an die von Bonnie und Clyde oder Thelma und Louise vermischt mit einem Teeniemelodram. Ihre Reise führt sie durch ein Amerika aus Schlachthöfen, von Unkraut überwucherten Parkplätzen und Jahrmärkten und schließlich weit genug an die Ränder der Gesellschaft, um Momente echter Freiheit zu erleben.

Bones and All - Die Kritik

Der italienische Regisseur bringt seinen sinnlichen Blick erstmals in die Vereinigten Staaten und fängt mit Hilfe von Kameramann Arseni Khachaturan die heruntergekommene Schönheit kleiner Städte ein. Aber er vergöttert auch seine beiden fleischhungrigen Liebenden. Da ist seine Muse Timothée Chalamet in zerrissenen Jeans mit verträumten Augen. Der zarte Schauspieler ist heutzutage so ziemlich jedermanns Liebling, aber es ist Taylor Russell ("Waves") als junge Frau, die zwischen Kopf, Herz und Magen hin- und hergerissen ist, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Der Kannibalismus ist sowohl metaphorisch als auch wörtlich zu verstehen. Wir sehen, wie die Figuren blutverschmiert an Eingeweiden herumkauen. Michael Stuhlbarg, der einen fleischfressenden Hinterwäldler spielt, sieht so gruselig aus, könnte genauso aus der Kannibalenfamilie des 1974er-Klassikers "Blutgericht in Texas" entstammen. "Bones and All", erklärt er den Titel des Films, bedeutet, alles bis auf die Knochen zu essen und zu einer höheren Ebene des Kannibalismus aufzusteigen. Es ist natürlich eine Metapher, die nicht immer leicht zu verdauen ist. Es geht darum, dass es einen verzehren kann, wenn wir bedingungslos lieben. Und das ist eine gefährliche, aber schöne Sache.

(APA/Red)

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