Boku-Experten: Park-Schließungen nicht optimal

Die Bundesgärten in Wien wurden erst am Dienstag wieder geöffnet.
Die Bundesgärten in Wien wurden erst am Dienstag wieder geöffnet. ©APA/HERBERT P. OCZERET
Die Schließungen von Parks, Seen oder anderen Erholungsgebieten sind laut Experten der Wiener Universität Boku nicht optimal. Gerade Stadtbewohner sind auf die spärlichen Flächen angewiesen.

Für die Zeit nach der gegen Ende April zu erwartenden weiteren Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in Österreich empfehlen Wiener Forscher "vorausschauende Besucherlenkungskonzepte für konkrete Erholungsgebiete". Damit könnten Ansteckungsrisiken und Nutzungskonflikte verringert werden, heißt es in einer Aussendung der Universität für Bodenkultur (Boku).

Schließungen verlagern Problem

Für die Experten des Instituts für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung an der Boku waren manche Maßnahmen der vergangenen Wochen aus fachlicher Sicht nicht optimal: So habe das Schließen von Parkanlagen oder das Sperren von Parkplätzen zu einer Verlagerung des Nutzungsdrucks und damit zu einer höheren Besucherkonzentration in den noch geöffneten Freiräumen geführt.

Aus Sicht von Instituts-Leiterin Christiane Brandenburg ist in der aktuellen Situation jede Grün- und Freifläche im Wohnumfeld wichtig, besonders für Menschen, die kein Auto besitzen. Daher sollten neben Parkanlagen auch geeignete Brachflächen zugänglich gemacht werden und Personen, die über eigene Verkehrsmittel verfügen, "Erholungsgebiete weiter weg vom Wohnort aufsuchen können, um innerstädtische Freiräume zu entlasten".

Besuchermassen lenken

Für die Zeit nach der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen halten es die Experten für notwendig, Lenkungsmaßnahmen für die Erholungsnutzung im Freien vorzusehen, um einerseits kritische Konzentrationen von Erholungssuchenden zu vermeiden, andererseits aber möglichst viele Erholungs- und Sportaktivitäten zu ermöglichen. Als besonders heikle Zonen in den kommenden Monaten gelten Uferbereiche an Seen und Flüssen, aber auch alle anderen Grünflächen, die Abkühlungsmöglichkeiten in und von der Hitzeinsel der Stadt bieten. Denn vor allem für die städtische Bevölkerung würde die bevorstehende warme Jahreszeit eine gesundheitliche Belastung bedeuten.

Die Wissenschafter regen an, Schlüsselakteure der Erholungsnutzung rasch und umfassend für die Erarbeitung solcher Lenkungsmaßnahmen einzubinden. Dazu zählt er Verwaltungsbehörden, Sportvereine, alpine Vereine, Seniorenvereine ebenso wie Migrantenvereine, um über deren Kommunikationswege möglichst viele Erholungssuchende zu erreichen und sie zu einem verantwortungsbewussten Verhalten zu gewinnen.

Gute Kommunikation wichtig

Es werde sicher nicht möglich sein, alle Formen der Freiraumnutzung bis ins Detail durch Rechtsvorschriften zu regeln. Umso wichtiger seien gute Kommunikationsstrategien. Nachdem so bald keine Herdenimmunität der Bevölkerung erreicht werde, fordert Brandenburgs Kollege Andreas Muhar "eine indirekte Herdenimmunität durch verantwortungsbewusstes soziales Verhalten". Dazu brauche es das Verständnis einer breiten Mehrheit der Bevölkerung über die Wichtigkeit von sozialer Distanz gerade auch bei Aktivitäten im Freien, die gerne in Gruppen unternommen werden.

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(APA/red)

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