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Bluttat in Gerasdorf: Youtube-Botschaften und Gerüchte über Fahndung

Am Tatort nach der Bluttat in Gerasdorf
Am Tatort nach der Bluttat in Gerasdorf ©APA/HERBERT P. OCZERET
Die Gerüchteküche brodelt: Die Bluttat in Gerasdorf, bei der "Ansor aus Wien" getötet wurde, zieht weitere Kreise, unter anderem geht es um ein posthum veröffentlichtes Videovermächtnis des Opfers.
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Der Fall des gebürtigen Tschetschenen Martin B. alias "Ansor aus Wien", der am 4. Juli in Gerasdorf unweit von Wien erschossen wurde, beschäftigt weiter die Gemüter der tschetschenischen Diaspora: Abgesehen von einer Drohbotschaft eines angeblichen Tatverdächtigen-Bruders und einem posthum veröffentlichten Youtube-Video B.s kursierten zuletzt auch Gerüchte über eine Fahndung nach einer weiteren Person.

Beschuldigungen und Beschimpfungen auf YouTube

Anhänger und Gegner des tschetschenischen Regionalpräsidenten Ramsan Kadyrow haben ihre Beschuldigungen und Beschimpfungen in den letzten Tagen im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in Gerasdorf zunehmend öffentlich gemacht. Insbesondere wurden Botschaften, die aller Wahrscheinlichkeit nach zuvor über interne Netzwerken verbreitet worden waren, in den letzten Tagen auch auf Youtube publiziert.

"Botschaft des Bruders von Ansors Mörder"

Aufsehen erregte dabei ein am Donnerstag veröffentlichtes Youtube-Video, das mit "Botschaft des Bruders von Ansors Mörder" betitelt ist. Ein sonore tschetschenische Männerstimme spricht dabei unter anderem Drohungen gegen Personen aus, die den mutmaßlichen Gerasdorfer Schützen Sar-Ali A. beschimpft haben sollen.

In der Community geht man davon aus, dass das es sich beim Sprecher um Baj-Ali, einen älteren Bruder von Sar-Ali handelt. Unterstrichen wurde dieser Drohcharakter im Video durch eine Diashow mit Fotos, die Baj-Ali nicht nur als bewaffneten Kämpfer, sondern auch mit lokalen tschetschenischen Größen zeigen.

Nach Bluttat in Gerasdorf: Videovermächtnis

Brisant ist auch ein mit 12. Juni 2020 datiertes Videovermächtnis mit dem Getöteten, das wahrscheinlich Angehörige oder Vertraute von Martin B. am Samstag auf Youtube stellten. Laut einer veröffentlichten russischen Übersetzung erklärte "Ansor aus Wien" dabei die Hintergründe einer kompromittierenden Situation, in der er sich kurz zuvor (am 11. oder 12. Juni, Anm.) habe filmen lassen.

Er habe dies getan, um hiesige Kadyrow-Agenten sowie Tathelfer bei der Ermordung Umar Israilovs aus dem Jahr 2009 zu outen. Unter anderem nennt er den Spitznamen eines Tschetschenen, der laut der APA vorliegenden Ermittlungsakten seinerzeit als Beschuldigter im Fall Israilov geführt wurde und dem mutmaßlichen Todesschützen bei Flucht nach Russland geholfen haben soll. Das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung habe er über die aktuellen Vorgänge informiert, erzählte B..

"Warum ich das erzähle? Der Tod ist in den Händen von Allah", sagte er. Das Ziel dieser Videobotschaft sei, dass seinen Kindern nicht Schlechtes über ihn erzählt werde, erklärte B. vier Wochen vor seinem Tod.

Österreichische Ermittlungen nach Bluttat in Gerasdorf: Dritte Person?

Die Rede in Youtube-Videos war zuletzt war aber auch von den österreichischen Ermittlungen. Der in Schweden lebende Videoblogger Tumso Abdurachmanow berichtete etwa von der Fahndung nach einem weiteren gebürtigen Tschetschenen, den Ermittler in Österreich im Zusammenhang mit dem Gerasdorfer Tötungsdelikt suchen.

Ursprünglich kursierte in der tschetschenischen Community die Ansicht, dass es sich bei Salman M. um die zweite festgenommene Person handelt. Doch nun erachtet man M. als dritten Mann. "Salman wurde nicht festgenommen, er ist auf der Flucht und die österreichische Polizei fahndet nach ihm", erklärte Abdurachmanow am Sonntagabend auf APA-Nachfrage. Ein gut informierter Tschetschene aus der österreichischen Diaspora bestätigte gegenüber der APA diese Darstellung, wollte aber nicht namentlich genannt werden.

(APA/red)

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