"Bin politischer Flüchtling": Kneissl will trotz Ukraine-Situation bei Rosneft bleiben

Karin Kneissls Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin - hier beim Tanz auf ihrer Hochzeit - machte sie vielerorts zur Persona non grata
Karin Kneissls Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin - hier beim Tanz auf ihrer Hochzeit - machte sie vielerorts zur Persona non grata ©REUTERS
Österreichs Ex-Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) will trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine ihren Aufsichtsratsposten beim staatlichen russischen Öl-Konzern Rosneft nicht aufgeben.
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Das bestätigte sie in einem am Montag gesendeten Interview mit dem deutschen TV-Sender RTL. Diesem zufolge versteht sich Kneissl als "politischer Flüchtling". Sie habe Österreich "aufgrund der vielen Anfeindungen und des De-Facto-Arbeitsverbots" verlassen müssen, so Kneissl auf RTL.

Wegen Nähe zu Putin wollte niemand mehr Kneissl beschäftigen

"Ich musste flüchten, ich bin nicht freiwillig weg", erklärte die 57-Jährige im RTL-Interview ihren Umzug in ein Dorf in der südfranzösischen Provence. "Ich hätte nie gedacht, dass ich alles, was ich mir aufgebaut habe, aufgeben muss." Wegen ihrer Nähe zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin wolle aber "niemand mehr die frühere Wissenschafterin beschäftigen", hieß es in der Sendung.

Schlagzeilen: Russland-Präsident Putin bei Kneissls Hochzeit

Im Jahr 2018 hatte Kneissl für Schlagzeilen gesorgt, weil sie Putin zu ihrer Hochzeit in die Steiermark eingeladen und nach einem Tanz sogar einen tiefen Knicks vor ihm gemacht hatte. Sie bereue dies nicht, stellte Kneissl gegenüber RTL fest.

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500.000-Dollar-Job bei Rosneft will Kneissl behalten: "Mein Leben ist schon vernichtet"

Sie denke auch nicht daran ihren - laut RTL unter Berufung auf Medienberichte mit 500.000 Dollar dotierten - Job bei Rosneft aufzugeben. Sie werde "in diese Richtung" jedoch "total unter Druck gesetzt", klagte Kneissl. Ihr Leben sei aber schon "vernichtet". Daher will sie sich laut dem Sender auch nicht von Putin distanzieren. RTL formulierte: "Denn viel mehr als seine Gunst ist ihr, wie sie sagt, nicht geblieben."

Ex-Außenministerin relativiert Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine

In dem TV-Gespräch relativierte Kneissl indirekt die Schrecken, die mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine einhergehen. "Auch Drohnenangriffe im Irak, in Afghanistan führen zu Leid", erklärte sie. Und die vom Westen gegen Russland ergriffenen Maßnahmen sind nach Meinung der Ex-Außenministerin "schon gewaltige Sanktionen". "Es gibt keine Flugverbindungen mit Moskau aus dem europäischen oder nordamerikanischen Raum."

Dass Kneissl Rosneft nicht verlassen will, hatte Ende der vergangenen Woche auch "Die Presse" berichtet. Der Tageszeitung zufolge hat die Ex-Diplomatin aber eine andere Funktion verloren. Sie sei nicht mehr länger Erste Vizepräsidentin der "Strateg", der Gesellschaft für politisch-strategische Studien. Demnach hat Kneissl ihre Mitgliedschaft in dem vom Verteidigungsministerium geförderten wehrpolitischen Verein zurückgelegt. Ganz freiwillig sei der Rückzug nicht erfolgt, berichtete "Die Presse". Zudem habe Generalleutnant Christian Ségur-Cabanac lange seine schützende Hand über die ehemalige Außenministerin gehalten. "Dem Vernehmen nach bedurfte es der Überredungskunst einiger pensionierter Generäle, sich von Kneissl zu verabschieden."

(APA/Red)

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