Billig-Fluglinie Level meldet Insolvenz an

200 Mitarbeiter in Wien sind von der Level-Insolvenz betroffen.
200 Mitarbeiter in Wien sind von der Level-Insolvenz betroffen. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Level Europe stelle mit sofortiger Wirkung ihren Geschäftsbetrieb ein und werde Insolvenz anmelden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. In Wien sind 200 Mitarbeiter betroffen.

Die International Airlines Group (IAG), Mutterkonzern von British Airways und Iberia, schickt die Wiener Tochterairline Level in die Pleite. Rund 240 Mitarbeiter, davon 200 in Wien, sind davon betroffen, weitere 40 in Amsterdam, hieß es zur APA.

Level von Corona-Krise hart getroffen

Die Airline führt die Pleite auf die Coronavirus-Pandemie zurück. "Level Europe wurde von der beispiellosen COVID-19 Krise hart getroffen", erklärte die Billigfluglinie in der Aussendung. Die Flugzeuge waren seit März 2020 nicht mehr abgehoben.

Wie viele Kunden von der Pleite betroffen sind, war zunächst nicht bekannt. Diese werden ihr Geld für bereits bezahlte Flüge wohl nicht wieder sehen. Kundengelder sind bei Airlinepleiten nämlich nicht abgesichert.

Kunden werden wohl nur kleinen Teil von Ticketpreis erhalten

Sobald der Insolvenzantrag gestellt ist, werde ein österreichisches Gericht einen Insolvenzverwalter bestimmen, teilte Level mit. Passagiere, die auf der Level-Webseite gebucht haben, bittet die Airline, sich an diesen zu wenden. Betroffene Kunden bekommen nach Abschluss des Insolvenzverfahrens im besten Fall eine Quote, also einen kleinen Teil des Ticketpreises zurück.

"Kunden, die ihre Flüge über andere Kanäle als die Webseite der Level Europe gebucht haben, werden gebeten, den entsprechenden Partner direkt zu kontaktieren, um den Status ihres Fluges zu erfragen", erklärte die Airline weiter.

Insolvenzantrag soll am Freitag erfolgen

Die Geschäftsführung der insolventen Fluglinie plant, den Insolvenzantrag morgen, Freitag, zu stellen. Das geht aus einem Schreiben an die betroffenen Mitarbeiter hervor.

"Wir hatten gehofft, dass Level Europe den Sturm überstehen könnte, aber die Realität der Situation ist zu verheerend, um standzuhalten", schrieb Geschäftsführer Frank Glander seinen Kollegen.

Fluglinie musste wegen Corona-Krise am Boden bleiben

Level war 2018, nach der Niki-Pleite, in Wien gestartet und lieferte sich in den vergangenen zwei Jahren einen Preiskampf mit anderen Billigfluglinien in Wien.

Level hatte im März den Flugbetrieb aufgrund des Coronavirus-Krise eingestellt und nur noch vereinzelt für das Außenministerium Rückholflüge für gestrandete Österreicher durchgeführt.

Seither ist es ruhig um die Fluglinie geworden. Im Gegensatz zu AUA, Laudamotion und Wizz Air kündigte Level bisher keine Comeback-Pläne an. Auf der Webseite sind seit gestern, Mittwoch, keine Flüge mehr buchbar.

Level ist eine Marke des IAG-Konzerns, zu dem neben British Airways und Iberia auch Vueling gehört. Ursprünglich wollte IAG die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen. Der Airlinekonzern zog aber in letzter Minute gegen den mittlerweile verstorbenen Ex-Rennfahrer Niki Lauda den Kürzeren, der die Niki-Nachfolgeairline Laudamotion kurze Zeit später an Ryanair weiterverkaufte.

Preiskampf: Expansion in Wien im Sommer 2019 gestoppt

IAG-Chef Willie Walsh hielt trotz der geplatzten Niki-Übernahme an den Plänen für Wien fest. Der Start erfolgte im Sommer 2018 mit zunächst vier Flugzeugen. Das Ziel, in zwei Jahren auf 14 bis 15 Flieger zu wachsen, fiel aber dem Preiskampf mit Wizz Air, Laudamotion, Eurowings und AUA zum Opfer.

Im Sommer 2019 stoppte Level mit damals sechs Flugzeugen seine Expansion in Wien. Bereits zuvor hatte die Fluggesellschaft, die in Wien anfangs unter dem Namen Anisec Luftfahrt GmbH firmierte, seine Expansion und Teile der Flotte nach Amsterdam verlagert.

Der Preiskampf in Wien hatte in den vergangenen zwei Jahren für günstige Tickets gesorgt und dem Flughafen Wien ein starkes Passagierwachstum beschert, die Airlines, die um die Marktanteile kämpften, häuften aber hohe Verluste in teils dreistelliger Millionenhöhe an. Der Level-Konkurrent Wizz Air sprach 2019 von einem "Blutbad".

(APA/Red)

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