Bibliotheken im Zwiespalt gegenüber Google-Buchsuche

Die Google-Buchsuche soll mehr und mehr zu einer Online-Bibliothek mit umfassend eingescannter Literatur werden. Allerdings werden Kritik und Skepsis immer lauter.

Bibliothekenverbände stehen der
Google-Buchsuche zwiespältig gegenüber. In den USA haben drei der größten
Bibliothekenvertreter eine Reihe von Bedenken gegenüber einer möglichen
Beilegung von Verfahren gegen die Google-Buchsuche geäußert. Die American
Library Association, die Association of College and Research Libraries
sowie die Association of Research Libraries befürchten, dass dem
Internetkonzern mit der Beilegung eine Machtkonzentration zufallen würde.
Vor allem in puncto Preise und Privatsphäre zeigen sich die
Bibliothekenverbände besorgt, wie Cnet berichtet. Gleichzeitig sprechen
sich die Bibliotheken aber auch positiv gegenüber der Grundidee der
Buchsuche, also dem öffentlichen Bereitstellen von Büchern, aus.

Auch in Deutschland nähern sich die Bibliotheken dem Thema von zwei
Seiten. “Grundsätzlich sind auch wir ganz entschieden dagegen, dass
geschützte Werke ohne Absprache mit dem Urheber einfach ins Netz gestellt
werden”; sagt Gabriele Beger, Vorsitzende des deutschen
Bibliotheksverbands (DBV) http://www.dbv.de, im Gespräch mit pressetext.
Der Verband sei jedoch auch dafür, dass jene Autoren, die nichts gegen
eine Online-Verbreitung haben, die Möglichkeit dazu erhalten. “Allerdings
muss mit den Urhebern gesprochen und diese angemessen vergütet werden”,
ergänzt Beger. In vielen Fällen sei es auch sinnvoller, direkt mit dem
Urheber anstatt mit den Verlagen darüber zu verhandeln. “Das orientiert
sich natürlich an der jeweiligen Rechtevergabe. Hat ein Autor alle Rechte
an einen Verlag abgetreten, so kann dieser natürlich nicht ausgelassen
werden. Wir sind grundsätzlich dafür, dass der Urheber stärker ins
Zentrum rückt”, sagt Beger gegenüber pressetext. Hier sei auch der
Gesetzgeber gefragt.

Die im Raum stehende Einigung in den USA würde Google erlauben, einen
Teil seiner gescannten Bücherinhalte online zu verbreiten. Das beträfe
neben den ohnehin frei zugänglichen Werken und jenen, dessen Rechte
Google über Kooperationen mit Verlagen erworben hat, auch Bücher, die
immer noch unter Copyright stehen, aber nicht mehr gedruckt werden. Für
die Bibliotheken ist die vorgeschlagene Beilegung des Gerichtsverfahrens
von großer Bedeutung. Denn Google würde demnach frei zugängliche
Computerterminals in den US-Bibliotheken aufstellen, wo Bücher online
gelesen werden können. Auch ein Abo-Service ist angedacht, der es
zahlenden Kunden – etwa großen Büchereien – erlauben würde, mehrere
Terminals aufzustellen. In Fällen, wo Leser oder Institutionen für den
Zugang zu Onlinewerken bezahlen, sollen die Geldmittel zwischen Google
und einer vorgeschlagenen unabhängigen Non-Profit-Organisation aufgeteilt
werden.

 

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