Bühne "für Zuagraaste und Hiesige": Das Vindobona öffnet wieder

Aus dieser Baustelle wird bald das neue Vindobona.
Aus dieser Baustelle wird bald das neue Vindobona. ©APA/Martin Fichter
Nach knapp drei Jahren Spielpause wird die Wiener Kabarett-Institution als Comedy-Zentrum neu eröffnet. Ausgerechnet der Konkurrent, Simpl-Chef Schmidleitner, hatte die Bühne aus der Konkursmasse gekauft und will vorwiegend Migranten ansprechen.

Ein Kabarett mit “echten Chinesen, Jugos, Kurden, Negern, Philippinos, Türken, Wienern und Zigeunern” – das soll das neue Vindobona sein, wenn es am 10. Oktober nach drei Jahren Spielpause unter dem programmatischen Titel “Vindobona. Das Kabarett für Hiesige und Zuagraaste” wieder öffnet. Nachdem der Betreiber der Konkurrenzbühne Simpl, Albert Schmidleitner, das Haus aus der Konkursmasse erworben hatte, gehen die Umbauarbeiten nun in die Endphase.

Man wolle ein neues Comedy-Zentrum für den Schmelztiegel Brigittenau etablieren, wo jeder Dritte nicht in Wien geboren worden sei, umriss Schmidleitner am Donnerstag bei der Präsentation die Pläne. Unter Zuagraasten verstehe man dabei sowohl den Tiroler Studenten wie den Schauspieler aus Simbabwe. Dabei wolle man zunächst Ortsansässigen eine Bühne bieten, bevor Kabarettisten aus anderen Städten engagiert würden.

Sachen zum Lachen

“Es gibt sehr viele Ausländer in Wien, und wir wollen das Problem anpacken und diesen Ausländern etwas zum Lachen geben – nicht nur HC Strache, über den sie auch sehr lachen können”, pflichtete Simpl-Kabarettist Michael Niavarani dem Konzept bei. Das Vindobona solle eine Bühne werden, auf der man nicht politisch korrekt sein dürfe.

Migranten hätten derzeit quasi keinerlei Forum in der Öffentlichkeit und den Medien, bedauerte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Dieses Forum werde mit dem neuen Vindobona nun geschaffen, wobei es gelte, die Gemeinsamkeit in aller Unterschiedlichkeit zu finden.

Freie Sicht garantiert

So startet man am 8. Oktober mit einem großen Fest in die neue Ära. Die erste Vorführung der neuen Bühne gibt es dann am 10. Oktober mit Johannes Glücks Grätzl-Soap “Jägerstraße. Mit echten Chinesen, Jugos, Kurden, Negern, Philippinos, Türken, Wienern und Zigeunern.”

Diese wird – wenn die Umbauarbeiten pünktlich fertiggestellt werden – in einem Zuschauerraum spielen, der 280 Sitzplätze fasst, die allesamt an Tischen positioniert sind, um Bewirtung zu ermöglichen. Ein Balkon wurde wieder herausgerissen, um freie Sicht zu bieten. Die Kosten für die Fertigstellung hätten knapp 1,5 Millionen Euro betragen, wobei dieses Geld ausschließlich vom Simpl gezahlt werde, unterstrich Schmidleitner. Allerdings laufen die Gespräche mit der Stadt über eine Anschubfinanzierung zum Beginn der Spielzeit. Die Stadt hatte bereits in den vom vorherigen Besitzer betriebenen Umbau 1,35 Millionen Euro investiert.

Traditionsreiches Haus

Kulturbetrieb am Wallensteinplatz hat jedenfalls schon eine lange Tradition. Seit 1919 existierte im Haus ein Kino unter dem Namen Vindobona, das mit kurzen Unterbrechungen bis 1976 geöffnet war. Zwischen 1978 und 1988 bespielte Erwin Piplits’ Theatertruppe “PupoDrom” (seit 1980 “Serapionstheater”) das Haus, das im Oktober 1988 schließlich als Kleinkunstbühne wieder unter dem Namen Vindobona eröffnete.

Nach erfolgreichen Jahren startete der damalige Betreiber 2005 Umbauarbeiten, bei denen eine zweite Bühne entstehen und der Gastrobereich ausgebaut werden sollte. Allerdings scheiterte er an den Umbaukosten, worauf im Dezember 2006 endgültig der Vorhang für das alte Vindobona fiel. Im August 2008 kaufte Schmidleitner schließlich das Kabarett aus der Konkursmasse. Bei den folgenden Adaptierungsmaßnahmen wurde das Vorhaben einer zweiten Bühne aufgegeben und der Raum zur Küche umfunktioniert.

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