Besucherminus im Salzburger Museum der Moderne

Starke internationale Wahrnehmung, weniger Besucher: Das erste volle Jahr von Sabine Breitwieser als Leiterin des Salzburger Museums der Moderne brachte Licht und Schatten. Rund 110.000 Besucher zählten die beiden Häuser 2014 - ein Minus von 19.000 Besuchern gegenüber 2013. Und auch heuer legt Breitwieser den Fokus auf Künstlerinnen wie Charlotte Salomon oder Andrea Fraser.


Trotz der deutlichen Einbußen zeigt sich Breitwieser “stolz auf die Besucherzahlen im ersten Jahr der Neupositionierung”, wie sie heute Vormittag bei der Jahrespressekonferenz betonte. “Das erste Jahresdrittel hat uns stark getroffen, dann haben sich die Zahlen eingependelt”, so Breitwieser. Vor allem die Jonathan-Meese-Ausstellung blieb stark hinter den Erwartungen zurück. Die international positiv wahrgenommene Retrospektive zu Simone Forti hingegen sei auch ein Publikumserfolg gewesen, so Breitwieser.

Das diesjährige Ausstellungsprogramm beginnt mit “Expressionismen aus der Sammlung” (ab 7. März) im Rupertinum, die neue Kuratorin Beatrice von Bormann will dabei die verschiedenen Strömungen innerhalb des Expressionismus präsentieren. Gezeigt werden Werke von Oskar Kokoschka oder Emil Nolde bis hin zu Markus Lüpertz und Georg Baselitz. Im Museum am Mönchsberg startet am 21. März eine Werkschau der US-Künstlerin Andrea Fraser. Die heuer 50-Jährige hat sich bereits in jungen Jahren einen Namen gemacht, sie setzt sich in ihren Installationen und Performances immer wieder mit dem Kunstbetrieb auseinander.

Auch Charlotte Salomon steht für Breitwiesers Fokus auf starke weibliche Künstlerpersönlichkeiten: Im Vorjahr präsentierten die Salzburger Festspiele eine neue Oper von Marc-Andra Dalbavie über die in Auschwitz getötete Berliner Künstlerin, nun zeigt das Rupertinum ab 11. Juli in Kooperation mit dem Jüdischen Historischen Museum Amsterdam eine Auswahl von rund 300 Blättern. Im November folgt am Mönchsberg eine große Werkschau der einflussreichen US-Künstlerin Carolee Schneemann, deren “kinetische Malerei” ebenso gezeigt wird wie ihre Experimentalfilme.

Die große Sommerausstellung am Mönchsberg (ab 25. Juli) ist dem New Yorker Technik-Kunst-Verbund “Experiments in Art and Technology” gewidmet. 1966 gründeten die Künstler Robert Rauschenberg und Robert Whitman gemeinsam mit dem Techniker Billy Klüver das E.A.T., um Gegenwartskunst mit neuesten Technologien zu verbinden. Im Rahmen der Ausstellung werden nicht nur Videos und Installationen aus dem Archivmaterial gezeigt, sondern auch zentrale Performances wiederaufgeführt.

Ein wichtiges Anliegen ist Breitwieser auch die Kooperation mit lokalen Institutionen. Ein Ergebnis stellt die Schau “Ungebautes Salzburg” dar, die ab 28. März legendäre unrealisierte Entwürfe aus der Stadt-Geschichte zeigt – von Dom-Plänen aus dem Jahr 1606 über Hans Poelzigs Festspielhaus-Projekt in Hellbrunn bis zu Gerhard Garstenauers “Museum im Berg” in den 1970er-Jahren. Partner ist die Initiative Architektur, deren Leiter Roman Höllbacher als Gastkurator fungiert.

Ergänzt wird der Ausstellungsreigen von einer Fotoschau zum Otto-Breicha-Preis und zwei Sammlungsausstellungen aus den Beständen der Generali Foundation. Auf der Suche nach einem Depot für diese Sammlung ist man indes noch nicht fündig geworden worden. “Wir wollen nicht nur die Generali Foundation, sondern auch die Kunstsammlung des Landes in das neue Depot integrieren”, so Kultur-Landesrat Heinrich Schellhorn (Grüne). Ziel ist Ende 2016.

2015 wird der Umbau des Rupertinums weiter betrieben. Das Konzept sieht im 1. Stock einen reinen Ausstellungsraum vor, im 2. Stock ist eine Studienbibliothek geplant. Im 3. Stock soll ein neues Atelier für Kunstvermittlung entstehen. 200.000 Euro steuert das Land Salzburg bei. “Ich will ein Publikum der Zukunft erreichen”, so Breitwieser. Die Kunstvermittlungs-Sparte erzielte 2014 mit 11.600 jungen Besuchern ein deutliches Plus. Das Gesamtbudget des Museums der Moderne beträgt 2015 rund 5,89 Mio. Euro. Die Subventionen seitens des Landes sind von 3,88 Mio. auf nunmehr 4,08 Mio. Euro gestiegen.

Zum Besucherrückgang stellte das Salzburger Museum der Moderne am Nachmittag noch klar, dass dieser vor allem zu jenem Zeitpunkt erfolgt sei, als noch nicht die neue Leiterin Sabine Breitwieser für die Programmierung zuständig war, obwohl sie die Führung des Hauses schon übernommen hatte, nämlich in den ersten Monaten des Jahres 2014. Breitwiesers erste Programmierung war erst ab März 2014. Vor allem die Ausstellung von Jonathan Meese zuvor sei aber deutlich hinter den Erwartungen geblieben.

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