Bernhard Paul - Ein Clown/Ein Leben: Kritik und Trailer zum Film

Erfolg? Ja, den hat Bernhard Paul. Der Gründer und Direktor des Circus Roncalli musste dafür aber hart arbeiten und sich gegen viele Widerstände durchsetzen. Das zeigt Harald Aues gelungenes Porträt "Ein Clown, ein Leben". Einerseits begleitete er Paul zu wichtigen Orten seiner Kindheit, lässt den wortgewaltigen Entertainer in sehr persönlichen Gesprächen aus seinem Leben erzählen, und findet andererseits natürlich viel Platz für die Manege und Zippo, das Clown-Alter-Ego Pauls.

Der "Wille zum idealen Zirkus" hat ihn angetrieben: Vor 45 Jahren hat Bernhard Paul seine Karriere gestartet und besonders in den Anfangstagen viel Gegenwind verspürt. Es sei kein Zirkus, sondern ein Jahrmarkt, den er betreibe, lautete ein Vorwurf. Aber der Circus-Roncalli-Chef sollte mit seiner Vision recht behalten, gehört er heute doch zu den erfolgreichsten seiner Zunft. Mit "Ein Clown, ein Leben" hat ihm Harald Aue ein filmisches Porträt gewidmet. Ab Freitag im Kino.

Bernhard Paul - Ein Clown/Ein Leben: Kurzinhalt zum Film

Es ist eine ungemütliche Situation, dieser "Club 2" im Jahr 1976: Der junge Bernhard Paul, schon mit markanter Lockenpracht und Schnauzbart, sitzt hier unter anderem der Zirkusunternehmerin Elfi Althoff-Jacobi gegenüber, die ihrem Kollegen mit offensichtlicher Geringschätzung begegnet. "Man kann nicht von heut' auf morgen Zirkus machen", schleudert sie ihm entgegen. "Ich wurde im Zirkus geboren! Das Wort Zirkus ist für mich heilig."

Beinahe stoisch erträgt Paul die harsche Kritik, macht sich Notizen, bittet seine Kontrahentin mit leicht schelmischen Ausdruck sogar um finanzielle Unterstützung ob seiner Schwierigkeiten. Ja, die Anfangstage waren nicht gerade einfach - selbst wenn man, wie diese Dokumentation, den Konflikt zwischen Paul und seinem kurzzeitigen Partner André Heller ausspart. Warum sich letztlich alles zum Guten gewandelt hat, davon gibt dieser Film einen Eindruck. Es ließe sich vielleicht mit einem Wort zusammenfassen: Leidenschaft.

Mit dieser ist Bernhard Paul von Anfang an ausgestattet, wie mehrere alte Film- und Interviewausschnitte bezeugen. "Die Leute haben ein Recht darauf, dass sie wieder richtig lachen können", sagt er etwa. Und im Hier und Jetzt fügt er, rückblickend auf viele Schwierigkeiten, hinzu: "Das war wie ein Atomreaktor. Das hat mir die Kraft gegeben: Jetzt zeig' ich es ihnen!" Gesagt, getan: Nicht nur als Zirkusmacher, sondern auch als Clown Zippo fährt er bis heute große Erfolge ein.

Bernhard Paul - Ein Clown/Ein Leben: Die Kritik

"Ein Clown, ein Leben" zeigt aber nicht nur das Geschehen in der Manege, sondern begleitet Paul zu wichtigen Orten seiner Kindheit und Jugend. Der Bruder wurde oft bevorzugt, mit dem jungen Bernhard wiederum war die Mutter stets sehr streng, das Verhältnis war zumindest distanziert. "Ich hatte ein Selbstbewusstsein wie eine Feldmaus", erzählt Paul - etwas, was man vom charismatischen Direktor und Entertainer eigentlich gar nicht glauben mag.

Gleichzeitig gewährt Harald Aue einen Einblick in die Abläufe des Circus Roncalli und holt auch allen voran andere Clowns vor die Kamera. Besonders hervorzuheben ist Fulgenci Mestres, der als Weißclown im klassischen Trio begeistert. Er erzählt an verschiedenen Orten von geschichtlichen Querverbindungen der Clownkunst, geht dabei auf mittelalterliche Figuren ebenso ein wie den antiken Gegensatz von apollinischem und dionysischem Gedanken.

Auch die Sammelleidenschaft von Paul ist ein Thema, wobei die ruhigen Kamerafahrten durch sein überbordendes Lager in Köln wahrlich Lust machen auf das geplante Museum. Ohnehin strömt "Ein Clown, ein Leben" eine Ruhe aus, die man ob des Sujets diesem Film vielleicht gar nicht zugetraut hätte. Harald Aue ist ein überaus persönliches Porträt gelungen, das nicht nur den erfolgreichen Manager und liebevollen Clown Bernhard Paul vorstellt, sondern dem Zirkus selbst ein Denkmal setzt. Und wenn dann auch noch Ernst Molden und der Nino aus Wien den eigens komponierten Soundtrack beisteuern, ist die Stimmung zwischen Humor, Melancholie und Ernst perfekt getroffen.

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(APA/Red)

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