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Bernhard Fleischmann hat "Angst"

Mit Lo-Fi-Electronicsounds ist Bernhard Fleisch­mann bekanntge- worden. Auf der neuen CD "Angst is not a Weltanschauung" überrascht er nun mit einer deutlichen Hinwendung zum Songwriting.

Und auch erstmals mit einem Gesangsauftritt: Auf gleich zwei Nummern singt er selbst – was nicht geplant war und einen traurigen Hintergrund hat, wie er sagt.

In den beiden Songs nimmt er Abschied von einem gestorbenen Freund: “Ich wollte die beiden Texte schnell niederschreiben”, so Fleischmann. “Und dann habe ich gewusst: Das sind Texte, die kann ich nur selber singen.” Mehr als die Aufnahme selbst sei es ihm dann schwer gefallen, die Stücke anzuhören – “und dabei noch einmal jene Gedanken zu haben, die ich beim Textschreiben hatte”. Überhaupt klingt die ganze Platte emotionaler, als man es vom in diversen Elektronikmusik-Konstellationen (u.a. beim “duo505”) tätigen Fleischmann gewöhnt ist – Paradestück dafür ist die düstere Ballade “In Trains”.

Die Groovebox, jenes elektronische Instrument, das bisher den Sound geprägt hat, ist so gut wie verschwunden – und wird es auch bleiben: “Die habe ich schon so lange dabei gehabt, dass ich im Laufe der Zeit schon alle Sounds verwendet habe.” Ob es weiter in Richtung Songwriting geht, sei jedoch “schwer zu sagen”, denn ebenso tendiert Fleischmann (zuletzt in der Musik für ein Theaterstück) in Richtung eines harscheren, brachialeren Sounds. “Ein bisschen weg vom Wohlklang” könnte da das Motto sein, so Fleischmann.

Die Veränderungen im Musikbusiness, wo die CD-Verkäufe seit Jahren zurückgehen, führen den viel live spielenden Fleischmann “nicht an existenzielle Grenzen. Aber bitter ist es schon, wenn man hört, wie selbst in den kleinen Nischen die Verkaufszahlen zurückgehen. Wo man meinen könnte, dass die Leute sich für Musik interessieren und auch bereit sind, ein bisschen Geld auszugeben.” Kein Verständnis bringt der Musiker jenen entgegen, die in Internetforen auf ihrem “Recht für Gratismusik” beharren: “Wie stellen sich die Leute vor, wie man sich als Musiker davon ernähren kann?” Andererseits stelle er fest, dass sich die Verbreitung von Musikdateien im Internet für ihn selbst auch positiv ausgewirkt hat – viele seiner Konzertbesucher würden ihn “sonst vielleicht nicht kennen”.

Kriterien für seine Musik seien Wärme im Klang und Einfachheit der Melodien – es soll nicht “zu gekünstelt wirken, sondern einfach und direkt sein”, so Fleischmann. “Ich mache Musik, weil ich das Glück habe, dass mir zugehört wird.” Dass das Umfeld dafür in Österreich nicht immer wahnsinnig gut geeignet ist, hat Fleischmann kürzlich selbst erlebt: Er habe vor eineinhalb Monaten, wie viele andere Künstler, eine Rückzahlungsforderung vom Künstlersozialversicherungsfonds bekommen. Für die Periode von 2001 bis 2007 soll er insgesamt fast 7.000 Euro zurückzahlen, da “ich in allen Jahren die Anspruchsvoraussetzung nicht erfüllt habe. In den ersten vier Jahren habe ich zu wenig verdient, in den anderen dann zu viel.”

Diese Rückzahlungsforderungen, die für Proteste unter den betroffenen Künstlern gesorgt haben, seien noch dazu bürokratisch “absurd”: Man müsse etwa belegen, dass ein Stipendium des SKE-Fonds der Austro Mechana – eine dezidiert für Komponistenförderung geschaffene Einrichtung – “wirklich für künstlerische Tätigkeiten gedacht war”, so Fleischmann. Zwar seien alle seine Anfragen und Einsprüche im persönlichen Umgang sehr freundlich aufgenommen worden, aber die Entscheidungsfindung sei nicht nachvollziehbar.

Aber Fleischmann will nicht jammern. “Ich komme aus einem familiären Umfeld, das mir am Anfang die Angst vor dem Nichts genommen hat”, so Fleischmann über den Beginn seines musikalischen Weges. “Ich habe das locker wagen können, weil ich gewusst habe: So schnell lande ich nicht auf der Straße.” Auch sein Label in Deutschland – Morr Music – biete ihm viel Sicherheit. Mit dem neuen Album geht er auf Österreich- und im Frühjahr 2009 voraussichtlich auch auf Italien-Tournee. Er könne seit zehn Jahren “immer ein bisschen besser von Musik leben – und was gibt es Schöneres?”

B. Fleischmann in Session:

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