Berittene Polizei: Eingewöhnungsphase für Pferd und Reiter

Pferd und Reiter lernen sich in der Ausbildung besser kennen.
Pferd und Reiter lernen sich in der Ausbildung besser kennen. ©APA/HANS KLAUS TECHT
Vier Beamte befinden sich bereits auf dem Gelände der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt und versehen ihren Dienst. Derzeit befinden sich Reiter und Pferde noch in der Eingewöhnungsphase.
Testphase in Wiener Neustadt
Zweite Bewerbungsphase
Zu Besuch bei den Pferden

Nur rund zehn Prozent der 90 Bewerber sind Männer, der Rest Frauen. 48 haben den Computertest geschafft und werden derzeit psychologisch unter die Lupe genommen, bevor am 20. August das Vorreiten auf dem Programm steht, erklärte Projektleiter Hannes Steiner bei einem Besuch des von der Exekutive angemieteten Teilbereichs der Militärakademie. Die glücklichen zehn, die alle Hürden nehmen, werden jene fünf Frauen und zwei Männer verstärken, die der Abteilung bereits zugeteilt sind.

Diese Stammbesatzung kümmert sich derzeit um jene vier Pferde, die schon verpflichtet wurden – “Dorian”, “Captain Morgan”, “Ludwig” und “A-Rock”. Neben körperlichen Eigenschaften war bei deren Auswahl vor allem die Charaktereigenschaft Gelassenheit gefragt. “Coolness ist wichtig”, weiß die Beamtin Astrid Maurer. Und dafür werden die Tiere noch zusätzlich ausgebildet. Die zukünftigen zwölf Polizeipferde sollen auf alle Reize, die später während des Dienstes alltäglich sind, ruhig reagieren.

Typischer Tagesablauf eines Polizeipferdes

Ein typischer Tagesablauf beginnt um 6.00 Uhr mit Heu und Kraftfutter sowie dem Beseitigen des angefallenen Mists in der Box. Danach geht es auf die schattige Koppel, um entweder dort zu trainieren, im Gelände oder in der Halle zu reiten. Während der Mittagspause gibt es neuerlich Futter, um wieder gestärkt mit dem Nachmittagsprogramm weiterzumachen. Dabei werden die Pferde am Halfter geführt und in Gelassenheit trainiert, etwa über knisternde Planen zu schreiten. Schließlich stehen noch einmal Grasen, Fell- und Hofpflege an sowie zwei weitere Portionen Heu, einmal um etwa 18.00 Uhr sowie als “Mitternachtssnack” um 21.00 Uhr, erläuterte die 39-Jährige Maurer.

Sie hat ihr Herz bereits vor 33 Jahren völlig diesem Sport verschrieben. Maurers zwei Privatpferde sind im Waldviertel in einer Pension untergebracht. “Wenn ich frei habe, werden sie besucht. Pferd, Pferd, Pferd – für etwas anderes ist nicht viel Zeit.” Hat sie auch einen Liebling unter den Polizeipferden? “‘Captain Morgan'”, kommt es wie aus der Pistole geschossen. “Ich würde nicht sagen, es war Liebe auf den ersten Blick, aber die Sympathie war gleich da.”

Patrick Urreg wiederum scheint an “Ludwig” einen Narren gefressen zu haben. “Das ist unser Deutscher aus Berlin – er ist komplett brav und toll zu reiten. ” Doch Pferd und Reiter müssten sich erst gegenseitig kennenlernen und Vertrauen aufbauen. “Das geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert Monate.”

So wird die berittene Polizei in Wien eingesetzt

Die Zeit arbeitet auch für die Idee einer berittenen Polizei, glaubt Projektleiter Hannes Steiner, der seine Kindheit und Jugend auf einem burgenländischen Gestüt verbracht hat. Die zunächst skeptische Öffentlichkeit würde seiner Ansicht nach der Sache mittlerweile etwas geneigter gegenüberstehen. Schließlich würden 20 EU-Staaten auf Pferde-Einheiten setzen. Hier gebe es einen regen Erfahrungsaustausch, aus dem Österreich seine eigenen Lehren gezogen habe. Man setze auf das Münchner Modell und werde die Pferde nicht bei Demos einsetzen. Angedacht seien Patrouillen auf der Donauinsel, in großen Parks, bei Fußballspielen, bei der Suche nach Vermissten oder Staatsbesuchen. Vorerst konzentriere man sich auf Wien, doch seien weitere berittene Polizisten später in Salzburg oder Graz durchaus denkbar, sagte Steiner.

(APA/Red)

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