Bergman Island - Kritik und Trailer zum Film

Beziehungsprobleme, soweit das Auge reicht: Mia Hansen-Løve lehnt sich nicht nur beim Titel ihres neuen Streifens am großen Ingmar Bergman an, sondern schickt ihre Protagonistinnen auf eine dialoglastige Reise durch das eigene Seelenheil. Vicky Krieps und Tim Roth als reales sowie Mia Wasikowska und Anders Danielsen Lie als fiktives Paar haben dabei viel zu klären.

Die Französin Mia Hansen-Løve hat mit "Bergman Island", der heuer in Cannes Weltpremiere feierte, ihren siebenten Spielfilm vorgelegt. Dabei schildert die 1981 in Paris geborene Regisseurin mit Wiener Vater eine Beziehungsgeschichte voller filmhistorischer Referenzen, die vor dem großen Ingmar Bergman den Hut zieht. Ab Freitag im Kino.

Bergman Island - Kurzinhalt zum Film

Ein Cineastenpaar - Tim Roth spielt einen prominenter Filmregisseur, Vicky Krieps eine Drehbuchautorin - kommt zu einem von der Bergmann-Stiftung geförderten Arbeitsaufenthalt auf die Insel Farö, wo, jedenfalls für Kinointeressierte, alles vom berühmten Regisseur Ingmar Bergman geprägt ist. Es gibt sogar "Bergman Safaris", die zu seinen Arbeits- und Wohnorten sowie zu den Schauplätzen seiner auf der Insel gedrehten Filme führen. In der ständigen Begegnung mit dem Vorbild versucht das Paar, neue Projekte voranzutreiben.

Arbeit und Privatleben werden dabei ebenso vermischt wie die eigene Arbeit mit den diffizilen und schonungslosen Werken des schwedischen Meisterregisseurs. Können Beziehungskonflikte sich schon normalerweise von den paradigmatischen "Szenen einer Ehe" nur selten befreien (der Film trage an Millionen Scheidungen Mitschuld, meint die Haushälterin) - in dieser Begegnung ist es nahezu unmöglich. Dass in dieser Paarkonstellation auch autobiografische Aspekte aus Hansen-Løves langer Beziehung mit dem Filmemacher Olivier Assayas mitschwingen könnten, verleiht dem Film für Feinspitze möglicherweise einen zusätzlichen Reiz.

Bergman Island - Die Kritik

Für Nicht-Bergman-Spezialisten gewinnt "Bergman Island" erst an Schwung, als ein Film-im-Film-Szenario beginnt: Das autobiografisch grundierte Projekt, an dem die Drehbuchautorin arbeitet, realisiert sich vor den Augen der Zuschauer, noch während sie darüber spricht. Mia Wasikowska und Anders Danielsen Lie spielen ein junges Paar, das sich vor längerer Zeit getrennt hat und einander bei einer Hochzeit von Freunden auf Farö wieder begegnet. Bald knistert es merklich: Sie will die Beziehung unbedingt wieder aufnehmen, er nicht. Die Sache endet dennoch im Bett. Und mit Tränen, ohne die es bei Bergman selten abgeht. Und natürlich spiegelt diese emotional aufgeladene Begegnung die schon etwas abgekühlte, abgeklärte Beziehung des älteren Paares.

Es geht um Kunst und Leben, um Beziehungskrisen und ihre Verarbeitung. "Bergman Island" ist also ein typischer Bergman-Film geworden, noch dazu am Originalschauplatz. Mission accomplished.

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(APA/Red)

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