Benedetta - Kritik und Trailer zum Film

"Benedetta" erzählt von der jungen gleichnamigen Novizin in einem Kloster. Dort kommt sie einer hübschen Novizin näher, als die Kirche das erlaubt. Paul Verhoeven macht aus diesem Stoff kein ernstes Drama, sondern hat Spaß an Überhöhungen und Übertreibungen. In Russland wurde der Film verboten.

Paul Verhoeven, 83-jähriger Altmeister des gehobenen Sexfilms ("Basic Instinct", "Showgirls" etc.), hat heuer die Filmfestspiele in Cannes mit einer jungen Nonne aufgemischt. "Benedetta" ist ein Mädchen, das hinter Klostermauern gesteckt wird und dort zur schönen jungen Frau wird, der Keuschheit wenig gilt, die ihre Sexualität gar als Waffe einsetzt. Die Explizität der Bilder ist ebenso kalkuliert wie die erzeugte Erregung. Am Freitag startet der Film in Österreichs Kinos.

Benedetta - Kurzinhalt zum Film

"Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy" heißt das dem Film zugrunde liegende, 1986 erschienene Buch, in dem die US-Historikerin Judith C. Brown anhand der wiedergefundenen Inquisitionsprozessakten das Schicksal der italienischen Nonne Benedetta Carlini (1590-1661) schilderte. Die Äbtissin und Mystikerin wurde wegen ihrer Visionen angeklagt, schließlich wegen eines angeblichen sexuellen Verhältnisses zu einer Mitschwester verurteilt und starb nach 35-jähriger Haft im Gefängnis. Bei der filmischen Umsetzung dieses tragischen Falls lässt der Regisseur seiner Fantasie freien Lauf.

Benedetta - Die Kritik

Bei Verhoeven heißt das freilich: Keine Andeutungen machen, die sich erst im Kopf des Zuschauers zu möglichen Bildern fügen, sondern alles und so deutlich wie möglich zeigen. Eine schöne Nonne, die angeblich Wundmale Christi empfängt? Die Belgierin Virginie Efira muss als Braut Christi häufig zeigen, wie Gott sie schuf. Lesbische Liebe? Efira und die junge Daphné Patakia zeigen detailliert vor, was man sich darunter vorzustellen hat. Als Gipfel der mit Blasphemievorwürfen kokettierenden Altherrenfantasien, die man in Zeiten von #MeToo wie den Teufel selbst längst gebannt geglaubt hatte, setzt der Regisseur auf die vermeintlich ultimativ provokative Verbindung von Sexualität und katholischer Kirche - indem eine zum Dildo umgeschnitzte Madonnenstatue Schwester Benedetta zu ungeahnten fleischlichen Freuden verhilft.

Dass Charlotte Rampling als Äbtissin, die gemeinsam mit dem zu jeder Folter bereiten Nuntius (Lambert Wilson) die Pest ins Kloster bringt, mit geradezu furchterregender Ruhe unbeschadet diesen hoch spekulativen, ständig zwischen lustvoller Übertreibung und peinlicher Selbstparodie schwankenden Film durchschreitet, ist ihr hoch anzurechnen. Paul Verhoeven hat indes wohl erreicht, was er wollte: Fünf Jahre nach seinem Vergewaltigungsthriller "Elle" mit Isabelle Huppert hat er wieder für hitzige Diskussionen gesorgt.

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(APA/Red)

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