Belgrad: Zehnter Todestag von 16 RTS-Mitarbeitern

In Belgrad ist in den frühen Morgenstunden der zehnte Todestag von 16 Mitarbeitern des staatlichen TV-Senders RTS gedacht worden. Familienangehörige beschuldigen das Regime von Milosevic.Weitere News: Amnesty: NATO für tote RTS-Mitarbeiter verantwortlich

Familienangehörige, Freunde und Berufskollegen haben
sich um 02.06 Uhr früh vor dem Sendergebäude versammelt, das am
heutigen Tag vor zehn Jahren während des Kosovo-Krieges durch die
NATO-Luftangriffe zerstört wurde.

Zehn Jahre später beschuldigen die Familienangehörigen der Opfer
vor allem den einstigen RTS-Direktor Dragoljub Milanovic, einen
einstigen Spitzenfunktionär der Sozialistischen Partei Serbiens von
Slobodan Milosevic sowie andere damalige Regimefunktionäre. Vor
Gericht kam nur Milanovic, der 2002 zu einer zehnjährigen Haftstrafe
verurteilt wurde. Der RTS-Chef hatte es gemäß dem Urteil im Frühjahr
1999 unterlassen, die Mitarbeiter des Senders an eine sicherere
Stelle zu versetzen. Dabei war bekannt, dass der RTS, der jahrelang
für Regimepropaganda bekannt war, zum “legitimen Ziel” der
NATO-Allianz erklärt worden war. Kurz vor dem Luftangriff waren, wie
sich später herausstellte, mehrere Redakteure des Senders in
Sicherheit gebracht worden.

Es sei schwer zu akzeptieren, dass jemand zu Propagandazwecken
geopfert worden sei, stellte der Kulturminister Nebojsa Bradic
anlässlich des Jahrestages bei einer Podiumsdiskussion des
Journalistenverbandes NUNS in Hinblick auf die Spekulationen fest,
dass das Regime von Milosevic den Tod der Sendermitarbeiter
absichtlich zugelassen habe, um ihn für Propagandazwecke gegen die
NATO nutzen zu können. Die Opferfamilien erhielten in den letzten
Jahren die Information, dass der jugoslawische Generalstab von dem
bevorstehenden NATO-Angriff auf das Sendergebäude gewusst habe,
konnten dies allerdings nicht auch vor Gericht nachweisen.

Der einst vom Milosevic-Regime kontrollierte Journalistenverband
UNS gedenkt am frühen Nachmittag dem Todestag. Die UNS hat an die
Internationale Journalistenföderation unterdessen appelliert, den 23.
April zu einem Erinnerungstag an alle in Kriegen umgekommene
Journalisten unter dem Motto “Media is no military target” werden zu
lassen.

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