Belgischer Rad-Profi Frank Vandenbroucke ist tot

Frank Vandenbroucke ist tot
Frank Vandenbroucke ist tot ©APA (Archiv/epa)
Der internationale Profi-Radsport trauert um Frank Vandenbroucke. Das einstige Supertalent, das seit Jahren nur noch durch Doping- und Alkoholaffären sowie private Probleme für Schlagzeilen gesorgt hatte, wurde am Montagabend im Alter von 34 Jahren in einem Hotelzimmer im Badeort Saly im Senegal tot aufgefunden. Der Belgier soll einer Lungenembolie erlegen sein. Vandenbroucke hinterlässt zwei Töchter.
Ex-Radprofi Vandenbroucke ist tot

Fünfeinhalb Jahre nach dem frühen Tod von Italiens Idol Marco Pantani, der an einer Überdosis Kokain gestorben war, hat die internationale Radszene erneut einen tief gestürzten Helden verloren. “Eine Tragödie a la Pantani”, schrieb die italienische Zeitung “Gazzetta dello Sport” nach Bekanntwerden der Nachricht. “Das Enfant terrible ist nicht mehr”, titelte die belgische Tageszeitung “Le Soir” über den “James Dean seiner Generation” und Belgiens besten Radfahrer seit Eddy Merckx. Die Polizei in Senegal hatte belgischen Medien ufolge das Ableben Vandenbrouckes bestätigt, der in dem westafrikanischen Land seit Sonntag Urlaub gemacht hatte.

Seine Mutter Chantal Vanruymbeke hatte noch nach seiner Ankunft mit ihm gesprochen. “Er war ganz fröhlich. Er logierte im schönsten Hotel des Senegal. Ich schwebte wie auf Wolken, dass wir nach zehn harten Jahren unseren Sohn zurückgewonnen hatten. Und nun kommt das. Ich bin erschüttert”, sagte sie der Zeitung “Het Nieuwsblad” nach der Todesnachricht, die sie bereits am Montagabend erhalten hatte. Eine Obduktion werde durchgeführt, kündigte sie an. Vandenbrouckes Onkel Jean-Luc erklärte, sein Neffe habe Hochs und Tiefs gehabt. “Automatisch denkt man an Pantani”, meinte der Ex-Profi.

Der in Belgien als “VDB” bekannte Radprofi siegte 1996 als aufstrebender Jungstar bei der Österreich-Tour, gewann 1998 die Fernfahrt Paris-Nizza und feierte ein Jahr später als größten Erfolg den Sieg beim Frühjahrs-Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich. Im Spätsommer folgten zwei Etappensiege bei der Spanien-Rundfahrt. An diese Triumphe konnte er nie wieder anknüpfen. Noch 1999 suspendierte ihn das Cofidis-Team im Zuge der Doping-Affäre um den “Dr. Mabuse” genannten Arzt Bernard Sainz. 2002 durchsuchte die belgische Polizei sein Haus auf der Suche nach verbotenen Mitteln und fand EPO, Morphium und das muskelbildende Präparat Clenbuterol. 2007 sprach ihn ein Gericht in zweiter Instanz aber frei.

Vandenbroucke hatte außerdem Eheprobleme, litt unter Depressionen und hatte vor zwei Jahren versucht, sich mit einer Überdosis Medikamenten das Leben zu nehmen, da sich seine Frau von ihm trennen wollte. “Nach seinem Selbstmordversuch haben die Leute gesagt: ‘Er wird wie Pantani enden.’ Aber in letzter Zeit schien es ihm besser zu gehen”, meinte Alain Deloeil, sein ehemaliger Sportdirektor bei Cofidis, am Dienstag. Nachdem mehrere Comeback-Versuche gescheitert waren, war Vandenbroucke seit diesem Sommer ohne Vertrag, wollte aber für 2010 eine neue Mannschaft suchen. Vandenbroucke sei enttäuscht gewesen, dass dies bisher nicht geglückt sei, erklärte Patrick Lefevere, der Manager des Quick Step-Teams.

In Belgien wurde Vandenbrouckes Tod mit großer Bestürzung aufgenommen. “Ich kann es noch immer nicht glauben. Ich habe kürzlich mit ihm gesprochen, da sagte er, er sei frisch und munter”, erklärte der einstige Radprofi Lucien van Impe, der Vandenbroucke zwischenzeitlich als Sportlicher Leiter betreut hatte. “Er war ein sehr harter Brocken, aber mit einem enormen Talent. Ich kann jetzt keinen Fahrer mehr nennen, der die selben Qualitäten wie VDB hat. Er hätte viel mehr Siege feiern müssen, so viel ist sicher” erklärte van Impe. Vandenbroucke gewann in seiner Karriere mehr als 50 Rennen.

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