Bei seiner 13. Tournee ging Loitzl der Knopf auf

Vor diesem Winter hat der frisch gebackene Vierschanzen-Tournee-Sieger Wolfgang Loitzl im erfolgsverwöhnten österreichischen Skisprung-Team als verlässlicher Platzierungs-Springer mit Podestplatz-Potenzial gegolten.

Der bis zum Jahreswechsel im Weltcup sieglose Steirer, der in einer Woche 29 Jahre alt wird, hatte vier WM-Goldmedaillen mit der ÖSV-Mannschaft erobert und bis zu seinem Premierensieg in Garmisch-Partenkirchen insgesamt neun Stockerlplätze im Weltcup geholt.

“Für den Tournee-Sieg würde ich schon noch ein Jahr auf meinen ersten Einzelerfolg warten”, hatte der zweifache Vater vor der Traditionsveranstaltung gemeint. Geschafft hat er nun binnen einer Woche beides. Seine bereits 13. Tournee entwickelte sich für den Bad Mitterndorfer mit seinen ersten drei Weltcuperfolgen zum unerwarteten Triumphzug. Der Schweizer Simon Ammann mit vier Siegen und Teamkollege Gregor Schlierenzauer mit deren zwei hatten vor Beginn der Traditionsserie als die Topfavoriten gegolten.

In der laufenden Saison etablierte sich Loitzl mit gewohnter Konstanz und Regelmäßigkeit auch in der absoluten Weltspitze und reiste mit drei zweiten Plätzen im Gepäck zur Tournee an. Edelstilist Loitzl, der für seinen perfekten Flug im ersten Durchgang in Bischofshofen auf 142,5 Meter gleich fünf Mal die Höchstnote 20 erhielt, ist mit vier WM-Team-Goldmedaillen und einer Bronzenen der erfolgreichste Österreicher bei Nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Aufgrund des bisher ausgebliebenen Einzelerfolges haftete ihm allerdings schon der Ruf des ewigen Talents an.

Doch mit der gewohnten Beständigkeit, bloß auf einem deutlich höheren Niveau, wie ÖSV-Cheftrainer Pointner sagt, kam er im WM-Winter endgültig im Kreis der absoluten Topathleten an. “Das Können war ja immer da, das ist vor allem eine mentale Geschichte. Neu ist bei ihm der absolute Siegeswille und die Fokussierung auf das Wesentliche”, meinte Pointner zum späten Aufstieg des Team-“Oldies”, den er in der Vergangenheit einige Male wegen seiner fehlenden Bereitschaft, alles zu geben, kritisiert hatte.

Familienvater Loitzl sticht in der fast durchwegs um mehr als fünf Jahre jüngeren österreichischen Mannschaft mit seiner besonnenen, ausgeglichenen Art hervor. “Er ist unser Ruhepol”, sagt Pointner über den Team-Senior. Seine Frau Marika erlebt die Auftritte des leidenschaftlichen Harley-Davidson-Fahrers nur aus der Ferne und fiebert mit den Söhnen Benjamin und Nikolas stets vor dem TV-Gerät mit. Für das Tournee-Finale brachen die Loitzls mit der Tradition, Marika war beim Gesamttriumph in Bischofshofen vor Ort.

Wie viele der ÖSV-Adler durchlief der Steirer die Talentschmiede im Schigymnasium Stams. Mit dem Junioren-Weltmeistertitel im Jahr 1998 rückte er erstmals so richtig ins Rampenlicht. Im Weltcup dauerte es bis zur Saison 2000/01 bis sich die ersten drei Podestplätze einstellten. Sein erster WM-Mannschaftstitel datiert aus dem Jahr 2001. Den ersten Stockerlplätzen folgte allerdings eine sechseinhalbjährige Durststrecke. “Ich habe mir immer gedacht, er müsste neugieriger sein. Den Nimbus hat er bei mir, trotz vieler Mannschaftserfolge, nie verloren”, beschreibt ÖSV-Sportdirektor Toni Innauer den neuen Seriensieger. “Heuer hat er hingegen gezeigt, er will den Sieg. Er fühlte sich einfach berufen”.

Nach der Nichtnominierung für die Olympischen Spiele 2006, bei denen seine Teamkollegen Mannschaftsgold holten, hätte Loitzl beinahe das Handtuch geworfen. Der Steirer machte aber weiter, und es sollte sich auszahlen. Die lange podestplatzlose Zeit endete in der Vorsaison in Trondheim und Val di Fiemme jeweils mit Platz drei. Im laufenden Winter sollte es gleich im ersten Saisonbewerb in Kuusamo mit Rang zwei klappen. Vor der Tournee folgten ausschließlich Top-Ten-Platzierungen inklusive zwei weiterer zweiter Plätze in Engelberg.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis dürfte der Skimarken-Wechsel vor Saisonbeginn, der bereits fünfte in seiner Karriere, sein. Der geschah nicht ganz freiwillig, da ihn der bisherige Ausrüster nicht mehr hatte haben wollen. Der Umstieg zu Atomic scheint nach langem Tüfteln im Sommer nun den gewünschten Erfolg zu bringen. Außerdem profitierte Loitzl offenbar mehr als sonst von der seit drei Jahren praktizierten Saisonvorbereitung abseits von Schlierenzauer, Morgenstern und Co. in der zweiten ÖSV-Trainingsgruppe unter dem Tauplitzer Klaus Huber.

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