BAWAG-Spitze fand an Flöttl-Bildern Gefallen

Am 22. Jänner 1999 begaben sich Helmut Elsner, Johann Zwettler, Peter Nakowitz, der damalige BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger und der Bankprüfer Robert Reiter nach Zürich, wo in einem unter der Landebahn des Flughafens gelegenen Lager Wolfgang Flöttls Kunstsammlung deponiert war.

Die BAWAG-Spitze ließ sich in einem Nebengebäude, das als Besichtigungsraum diente, acht bis zehn Gemälde zeigen. In der von Reiter testierten BAWAG-Bilanz wurde dann die Kunstsammlung „dem Bedarf der Verschleierungsbilanz angepasst“, wie es in der Anklageschrift wörtlich heißt.

Ex-BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz bezeichnete die Zürich-Reise als „letzten Akt der Inbesitznahme und der Überzeugung der Verantwortlichen, dass es die Bilder wirklich gibt“. Das angeblich größte Kunstlager hätte einen „schlichten Eindruck“ hinterlassen: „Es gab keine Tresortüren mit riesengroßen Rädern dran.“ Die Besichtigung beschrieb Nakowitz folgendermaßen: „Zwei weiß behandschuhte Herren sind jeweils mit einem Bild hereingekommen, haben es auf die Staffelei gestellt, und es ist betrachtet worden.“ Nakowitz, eigenen Angaben zufolge in der Malerei nicht sehr bewandert („Ich kann keinen Manet von einem Monet unterscheiden!“), war sehr ergriffen, als er Originale von Cezanne, Picasso, Monet und Renoir zu sehen bekam.

Damit erklärte er zumindest, weshalb er in einem Protokoll die „außergewöhnliche Qualität“ der Gemälde und die „professionellen Lagerbedingungen“ gelobt hatte: „Ich muss unter dem Eindruck eines Picasso und eines Van Gogh gestanden sein. Das sind Werke, die man als Normalsterblicher üblicherweise nicht sieht. Offensichtlich war ich ziemlich begeistert, so etwas im Original sehen zu können.“ Zur Bewertung der Bilder berief sich Nakowitz auf „Kunstbücher“, aus denen man „Zusammenstellungen“ entnommen habe. Der Bankprüfer habe außerdem die Werthaltigkeit von Zwettler vermittelt bekommen, der zuvor in einem Vieraugengespräch mit Flöttl dieses Thema besprochen hatte.

Elsner betonte, es sei bei der Reise primär darum gegangen, „uns als neuer Eigentümer der Bilder zu zeigen“. Zu ihrem Wert gab der Ex-BAWAG-Generaldirektor an, seiner damaligen Meinung und Überzeugung nach hätten die Werte „zweifelsfrei“ ausgereicht, um mit den Bildern und Liegenschaften Flöttls die erlittenen Verluste in der Bilanz abzudecken. Er sei in Folge dessen überzeugt, „richtig gehandelt zu haben“, sah Elsner ein weiteres Mal keinerlei Fehlverhalten bei sich und dem vormaligen BAWAG-Vorstand.

Ausführlich befragt wurde der Bankprüfer Reiter, der betonte, die Bilder nicht selbst bewertet, sondern sich dabei auf die so genannten, zwischen Wolfgang Flöttl und der BAWAG abgeschlossenen „Pariser Verträge“ gestützt zu haben. Er habe sich auf „Schätzungen der BAWAG“ verlassen.

„Ich muss überprüfen, ob die Verträge rechtswirksam abgeschlossen worden sind“, beschrieb Reiter seine Aufgaben. Er habe natürlich an die Echtheit der Kunstwerke geglaubt, „weil ich nicht davon ausgehen kann, dass Doktor Flöttl falsche Bilder kauft und verkauft.“ Er sei davon ausgegangen, es mit „redlichen Kaufleuten“ zu tun zu haben. Dass diese Bilder mit 154 Mio. Dollar bei Sotheby’s belastet waren, habe er nicht gewusst, sondern erst Jahre später erfahren, gab Reiter an.

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