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Bauwerk ohne Namen und Gesicht

&copy ÖBB / Hotz, Hoffmann, Wimmer
&copy ÖBB / Hotz, Hoffmann, Wimmer
Für den Wiener Hauptbahnhof ist der Donnerstag ein entscheidender Tag. Die ÖBB wollen in einer Sonderaufsichtsratssitzung grünes Licht für das Projekt beim Südtiroler Platz geben.

Allein die Bahn wird der Bau rund 600 Mio. Euro kosten. Dabei gibt es noch einige offene Punkte: Der endgültige Name wird erst festgelegt, und selbst die elementare Frage, wie der Bahnhof letztendlich aussehen wird, ist noch nicht gänzlich beantwortet.

Einen Architektenwettbewerb für die Gestaltung des Bahnhofsbaus gab es nicht. Ausgeschrieben wurde lediglich ein städtebaulicher Bewerb, der in einen Masterplan für die Bebauung des umgebenden Eisenbahn-Areals mündete. Sieger waren das Duo Theo Hotz und Ernst Hoffmann sowie Praterstern-Planer Albert Wimmer – und die wurden dann auch gleich mit der Bahnhofsgestaltung betraut. Im Herbst 2004 präsentierten sie einen ersten Entwurf. Geplant ist ein von Hochhäusern umgebener Durchgangsbahnhof, der ab 2011 diagonal hinter dem heutigen Süd- und Ostbahnhof verlaufen wird.

Anders als in Berlin, wo mit Meinhard von Gerkans Hauptbahnhof kürzlich eine weithin sichtbare „Eisenbahnkathedrale“ aus Stahl und Glas verwirklicht wurde, übt man sich in Wien in Understatement. Auf den wenigen bisher bekannten Abbildungen wird das Gebäude von der umgebenden Investorenarchitektur in den Schatten gestellt. Markant ist bei dem künftig größten Personenbahnhof Österreichs nur das gezackte Dach über den Gleisen – doch selbst bei diesem Bauteil weiß man nicht, ob es in der präsentierten Form wirklich realisiert wird.

Bei den ÖBB verspricht man die baldige Präsentation von Detailplänen. Vorher will man allerdings auf den Flächenwidmungsbeschluss im Wiener Gemeinderat warten. Dort wurde bisher erst der Masterplan für das 57 Hektar große Areal abgesegnet. Grünes Licht gab es allerdings auch schon für erste Abrissarbeiten von Gebäuden beim Südtirolerplatz.

„Man kann schon sagen, dass das bedingt verwunderlich ist“, meinte Johannes Schnitzer von der Wiener Architektenkammer auf APA-Anfrage zum fehlenden Gestaltungswettbewerb. Normalerweise sei es in Wien gängige Praxis, derartige Großprojekte auszuschreiben. Allerdings sei sie rechtlich nicht zwingend vorgesehen, betonte er. Internationale Studien würden jedoch zeigen, dass ein Wettbewerb kurzfristig zwar etwas höhere Kosten verursache, langfristig jedoch am ökonomischsten sei und Geld spare.

Neben der äußeren Gestalt steht auch der endgültige Name des derzeit unter dem Arbeitstitel „Hauptbahnhof“ firmierenden Gebäudes noch nicht fest. Dieser soll zu Beginn des nächsten Jahres in einem Wettbewerb ermittelt werden. Derzeit stehen allerdings weder Monat noch genaue Modalität der Aktion fest. Lediglich sicher sei, dass man die Bevölkerung beteiligen wolle, so ein Sprecher von Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S). Alles sei „sehr komplex“ und ein „work in progress“.

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