Banküberfall wegen Schulden: Lange Haftstrafe ausgefasst

Acht Jahre Haft für den zweiten Banküberfall eines Spielsüchtigen
Acht Jahre Haft für den zweiten Banküberfall eines Spielsüchtigen ©Bilderbox
Spielsüchtig und die Kredithaie waren ihm schon auf den Fersen. Da griff ein 36-Jähriger zur einzigen Lösung, die ihm einfiel. Nach dem Bankraub muss er jetzt für lange Zeit hinter Gitter.

“Ich hab’ keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Die Leut’ sind mir so zuwe g’stieg’n”, sagter der Mann am Montag im Straflandesgericht. Deshalb hatte er am 21. März 2012 eine Filiale der “Oberbank” in Wien-Margareten überfallen hatte. Am heutigen Montag bekam er die Rechnung dafür präsentiert: acht Jahre.

Aus Sucht zum Kredithai gegangen

Der Spielsüchtige hatte bei “Kredithaien” einen Schuldenberg angehäuft. Am Tag des Überfalls war eine Rate fällig. Unmissverständlich waren ihm ernsthafte Konsequenzen angedroht worden, sollte er nicht zahlen.

“Ich hab die ganze Nacht zu wenig geschlafen. Ich hab kein Geld gehabt, nicht mal für Essen. Ich wollte, dass ich zu mehr Geld komm, dass mir nix passiert”, erläuterte er. Also holte er eine Gaspistole aus dem Keller und marschierte mit der Waffe und einem Zettel, auf dem “Überfall! Kein Alarmpaket!” geschrieben stand, in die nächstbeste Bank.

Die Staatsanwältin fragte daraufhin – für Beobachter ein wenig naiv – warum er denn keine Schuldnerberatung aufgesucht hatte. Der Verteidiger belehrte daraufhin die Anklägerin über die Denk- und Verhaltensweisen von Kreditverleihern, die über keine Bankkonzession verfügen und grundsätzlich auf Kunden spezialisiert sind, die von Banken nicht mehr als kreditwürdig eingestuft werden.

Kleine Beute, lange Strafe

Der Bankraub brachte dem 36-Jährigen 1.070 Euro ein. Das reichte, um die gerade fällige Rate von 900 Euro “abzustottern”. Mit dem Rest kaufte er sich Nahrungsmittel. Am nächsten Tag wurde er festgenommen: Ausgerechnet eine Angestellte einer anderen Bank, in der er Kunde war, hatte ihn auf einem in den Medien veröffentlichten Fahndungsfoto wiedererkannt.

Nach der Verhaftung stellte sich heraus, dass der Mann eigentlich bereits rückfällig geworden war: Denn 2006 hatte er schon ein Mal sechs Jahre für einen Banküberfall ausgefasst und war nach drei Jahren entlassen worden. Er fand einen Job als Kellner in einem Kaffeehaus, ehe ihn seine Spielsucht wieder einholte. Drei Wochen vor dem neuerlichen Bankraub hatte er an seinem Arbeitsplatz knapp 7.000 Euro unterschlagen, um damit ebenfalls offene Verbindlichkeiten abzudecken. (APA/Red)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Wien - 5. Bezirk
  • Banküberfall wegen Schulden: Lange Haftstrafe ausgefasst
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen