Ballon - Kritik und Trailer zum Film

Ende der 1970er-Jahre in der DDR: Günter Wetzel und Peter Strelzyk sind unzufrieden. Am liebsten würden sie in den Westen rübermachen. Und so reift ein ungewöhnlicher Plan. Mit einem Heißluftballon wollen die Männer mit ihren Frauen und Kindern über die Grenze nach Westdeutschland fliegen.

Wie groß muss die Verzweiflung sein, dass man sein Leben für die Freiheit riskiert? 1979 wagten zwei Familien genau das. Mit einem Heißluftballon versuchten sie, aus der DDR nach Bayern zu fliehen, was ihnen letztendlich gelang. Sogar Hollywood war begeistert und drehte “Mit dem Wind nach Westen”. Nun kommt die Geschichte mit Michael Bully Herbig erneut auf die Leinwand. Ab Donnerstag im Kino.

Ballon: Kurzinhalt zum Film

Bisher war Herbig vor allem der Spezialist fürs Komische, etwa mit der Comedyshow “Bullyparade” oder Komödien wie “Der Schuh des Manitu” und “(T)Raumschiff Surprise”. Bully-typische Scherze und Wortspiele sucht man in seinem neuen Werk aber vergebens. “Ballon” ist ein stimmiger, wohlüberlegter Film, mit viel Liebe zum Detail und vielen emotionalen Momenten. Vor allem aber ist er ein hochspannender Thriller, auch wenn eigentlich längst bekannt ist, dass die mutige Flucht glückte.

Man fiebert mit, wenn die Familien heimlich ihre Vorbereitungen treffen, alles unter den Augen ihres Nachbarn Baumann, der bei der Staatssicherheit ist. Hört er die Nähmaschine, die jede Nacht rattert, um die vielen Stoffbahnen des Ballons zusammenzunähen? Nervenaufreibend auch der Moment, wenn die Familien schweigsam in ihrer einsamen Gondel über dem finsteren Wald schweben, durch die Gasflamme des Heißluftballons weithin sichtbar. Eigentlich klar, dass sie entdeckt werden. Schließlich sind ihnen Heerscharen von Polizisten schon dicht auf den Fersen.

Herbig war schon als Jugendlicher fasziniert von den Umständen. “Ich war damals noch sehr jung, hab mir aber gedacht: Wenn Hollywood mit US-Schauspielern eine Geschichte verfilmt, die in Deutschland passiert, dann muss das etwas ganz Aufregendes und Spektakuläres sein”, sagte der Filmemacher. “Einen riesigen Ballon zu nähen, sich zu acht in eine windige Gondel mit ein paar Seilen drumherum zu zwängen und damit auf 2.000 Meter Höhe aufzusteigen, ist extrem waghalsig.”

Günter Wetzel waren die Gefahren damals gar nicht so bewusst. “Da hat man gar nicht viel nachgedacht. Man war nur damit beschäftigt, dass alles funktioniert”, sagte er der dpa in München. In der Tat waren es dramatische Momente für die beiden Ehepaare und die vier Kinder. Nach einem gescheiterten ersten Versuch hatten sie fieberhaft einen zweiten Ballon gebaut und stiegen nun endlich auf. Doch die Ballonseide fing Feuer und musste gelöscht werden. Und die DDR-Grenzbeamten leuchteten den Himmel mit Suchscheinwerfern aus. “Die haben uns schon gesehen. Dann war plötzlich die Flamme aus und es ging nur noch abwärts.”

Abwärts, das war ein Feld nahe Naila in Franken. Wetzel fand mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Nähe der Stadt Hof eine neue Heimat und wurde Kfz-Meister. Strelzyks lebten in Unterfranken, zogen aber wenige Jahre nach dem Mauerfall in ihr altes Haus in Pößneck in Thüringen zurück, wo Peter Strelzyk 2017 mit 74 starb. Der 63-jährige Wetzel staunt über ihren damaligen Mut. “Ich bin froh, dass wir uns damals entschieden haben, aber mit dem Wissen von heute würde ich es nicht mehr machen, weil es zu gefährlich war”, gibt er zu. “Wir waren schon der Meinung, dass nichts passieren kann.”

Der Ballon – Die Kritik

Die Vorbereitungen für den Film dauerten viele Jahre, auch weil Herbig dem Filmgiganten Disney die Rechte abtrotzen musste. Das Werk steigt nun erst in der Phase ein, als die Flucht immer konkreter wird. Das Drehbuch entstand in enger Abstimmung mit den Familien Wetzel und Strelzyk. Aufwendig auch die Ausstattung: Die beiden Ballons wurden nicht am Computer geschaffen, sondern tatsächlich nachgebaut. Der echte Fluchtballon stand nicht zur Verfügung. Er wurde restauriert und soll im Museum der Bayerische Geschichte in Regensburg ausgestellt werden, das voraussichtlich im Mai 2019 öffnen soll.

Großen Anteil an der Qualität des Films hat das Ensemble, das die Figuren sehr authentisch spielt, allen voran Jonas Holdenrieder als 15-jähriger Frank, der gerade frisch verliebt ist und lieber da bleiben würde. Vieles bleibt unausgesprochen und ist doch greifbar: die Angst, die zunehmende Frustration, die alltäglichen Gängeleien und die harte Arbeit, bloß nicht aufzufallen. Am Ende droht alles aufzufliegen und den Familien bleibt keine andere Wahl: Sie müssen rübermachen.

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(APA)

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