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Autokino: Relikt aus Opas Jugend dank Corona zurück im Leben

Autokinos kommen zurück nach Österreich.
Autokinos kommen zurück nach Österreich. ©AFP (Sujet)
Das Autokino. Ein Rudiment, das aus der Zeit gefallen war wie Nierentische und Toast Hawaii. Ein antiquiertes Relikt aus der Zeit vor der Klimakrise, in der das Auto als Götze noch einen ganzen Lebensstil prägte. Und doch feiert dieses Kind der 1950er, dessen letzter Vertreter in Österreich eigentlich vor fünf Jahren endgültig den Betrieb aufgab, dank Corona derzeit einen zweiten Frühling.

Diente das Autokino hormongetriebenen Teenagern einst als einziger Rückzugsort, um der Moralwelt der puritanischen Erwachsenen und ihrer persönlichen Unschuld zu entkommen, bietet es nun Virenpanikern den beruhigenden Schutz der eigenen vier Wände auf Rädern ohne Kontakt zu möglicherweise infektiösen Fremden. Und so kam es, dass Mitte Mai, fünf Jahre nach der Insolvenz des vorherigen Betreibers, die autokinofreie Zeit in Österreich zu Ende ging und in Groß Enzersdorf bei Wien das einzige fixe Lichtspielareal seiner Art wieder zum Leben erwachte und rund 500 Wagen samt Insassen zum Filmschauen empfing.

Corona brachte Autokinos zurück nach Österreich

Damit kehrte eine rot-weiß-rote Legende zurück, hatte man in Groß Enzersdorf doch 1967 das erste heimische Autokino eröffnet - zehn Jahre, nachdem in Rom erstmals auf europäischem Boden eine derartige Einrichtung den Betrieb aufgenommen hatte. Auch wenn sich im dichter besiedelten Europa die Autokinos eine gewisse Fangemeinde eroberten, blieben sie doch stets primär ein US-Phänomen. Schließlich war es auch hier der Autopflegemittelhersteller Richard Hollingshead Jr. gewesen, der am 6. Juni 1933 das erste explizite Autokino der Welt in Camden nahe Philadelphia für knapp 350 Wagen einweihte. Zwar hatte es bereits in den 1910ern erste Gehversuche des rollenden Cinemas gegeben, Hollingshead Jr. ließ sich das Prinzip jedoch patentieren.

Und die Idee schlug ein. In den 50ern und 60ern war die Hochzeit der in den USA prosaisch Drive-in theater genannten Institution mit mehreren Tausend Kinos landesweit erreicht, von denen die Größten mehrere Tausend Wagen fassten. Doch selbst im Land der Highways und der nostalgischen Route 66 ging die Popularität des Mediums zurück - vom alten Kontinent und seinen auch im Speckgürtel der Großstädte ansteigenden Grundstückspreisen ganz zu schweigen. So gibt es etwa in Deutschland heute nur mehr ein Dutzend, in Österreich bis zum Mai kein einziges Autokino mehr.

Und dann kam Corona. Derzeit sprießen die Pop-up-Ausgaben der sicheren Variante des Kulturgenusses ohne Mundschutzpflicht und Abstandsregel geradezu aus dem Boden. Neben dem Fixplayer Groß Enzersdorf startet am Samstag (30. Mai) auf dem Gelände des Linzer Urfahraner Jahrmarktes eine Anlage für bis zu 220 Pkw. Auf einer knapp 150 Quadratmeter großen LED-Leinwand werden bis 30. August täglich zwei Filme gezeigt. Bereits früher dran war da die ebenfalls in Oberösterreich gelegene Marktgemeinde Gunskirchen, ist das dortige Autokino doch bereits seit 17. Mai in Betrieb.

Totgesagte leben länger

Innsbruck erhält am Freitag (29. Mai) sein erstes Autokino, wenn am Areal der Olympiaworld bis Ende August in Zusammenarbeit mit dem Metropolkino Leinwandpreziosen vor 250 Stellplätzen zu sehen sein werden. Und in Salzburg bespielt Dirigentin Elisabeth Fuchs gleich den Flughafen, wo ab Donnerstag (28. Mai) bis 30. August täglich ein Film oder auch ein Konzert zu sehen sein soll.

Geradezu als Autokinoeldorado entpuppt sich die Steiermark. In der Hauptstadt Graz läuft bereits seit dem 15. Mai am Dach des Einkaufszentrums Citypark das Diesel-Autokino, während das Drive-In Cinema Graz am Messegelände am Donnerstag (28. Mai) mit je vier Spieltagen pro Woche sein Angebot startet. Und ab Freitag (29. Mai) wird im Schwarzl Freizeitzentrum in Unterpremstätten das Raiffeisen Autokino am Schwarzlsee eröffnet. In Villach schließlich will ab Juni Organisator Fritz Hock für einen Monat ein Autokino für zumindest 60 Pkw zum Leben erwecken.

Totgesagte leben also länger - eine Phrase, die gerade im Untote liebenden Kino ganz besonders gilt. Mutmaßlich dürfte dem Wiederaufleben des Autokinos jedoch ein kurzes Revival beschieden sein, sollte der Albdruck von Covid-19 nachlassen. Andererseits: Wer weiß schon, wann wirklich der Impfstoff kommt? Und vielleicht schwingt sich Opas altes Autokino in Zeiten des Elektro- und Wasserstoffantriebes ja doch noch einmal zum coolen Lifestyleevent auf.

(APA/Red.)

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