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Ausweichen ins Internet: Zahl der Spielsüchtigen wird während Corona-Krise nicht abnehmen

Die Zahl der Spielsüchtigen wird trotz Ausgangsbeschränkungen nicht abnehmen.
Die Zahl der Spielsüchtigen wird trotz Ausgangsbeschränkungen nicht abnehmen. ©pixabay.com (Sujet)
Auch Spielsüchtige sind von den derzeitigen Ausgangsbeschränkungen betroffen. Die Zahl an Süchtigen wird jedoch nicht abnehmen, stattdessen werden die Betroffenen ins Internet ausweichen.

Die Ausgangsbeschränkungen betreffen auch Spielsüchtige. Doch geschlossene Wettbüros und Casinos halten Menschen nicht vom Weiterspielen ab. So weichen sie nicht nur auf das Internet aus, sondern auch auf andere Formen des Glücksspiels - etwa Lotto oder Rubbellose, erläutert der Verein "Spielerhilfe" im APA-Gespräch.

"Sucht ist meist Verdrängung"

Dass nun mehr Menschen spielsüchtig werden als zu Nicht-Corona-Zeiten, glaubt der Experte des Vereins allerdings nicht. "Süchte entwickeln sich täglich, egal ob unter Quarantäne oder nicht." Hinter einer Sucht stecke immer ein Konflikt, der nicht gelöst wird, weshalb es die sprichwörtliche Flucht in die Sucht gebe. "Sucht ist meist Verdrängung", so der ehrenamtliche Berater, der nicht namentlich genannt werden will. Aus Langeweile allein entstehe meist keine Spielsucht. Diese würde vielmehr durch existenzielle Krisen oder Konflikte ausgelöst.

Allerdings würden Konflikte nun in einer Zeit, in der man mehr Zeit mit der Familie verbringt, oft erst aufbrechen. Da sei es auch ein Aspekt, sich zurückzuziehen und in die Welt des Spiels zu vertiefen. Der Verein "Spielerhilfe" richtet sich an Menschen, die Hilfe suchen und vermittelt Kontakte zu anderen Stellen wie der Schuldnerberatung oder Psychologen. Auch in der Aufklärung sei man aktiv, vor allem gehe es darum, auf den mangelnden Spielerschutz in Österreich aufmerksam zu machen.

Zahl der Spielsüchtigen: Coronavirus wird keinen Rückgang bringen

An einen Rückgang von Spielsüchtigen in Corona-Zeiten glaubt auch Roland Mader, Leiter der Station für Alkohol-, Medikamenten- und Spielsucht am Anton Proksch Institut, nicht. Zwar gebe es derzeit so gut wie keine Sportwetten mehr, da die meisten Sportveranstaltungen abgesagt wurden, bei manchen könne es jetzt jedoch zu einer "Suchtverschiebung" kommen. "Das Online-Glücksspiel wird jetzt bestimmt zunehmen", so der Experte. Schließlich hätten sich die Orte, wo gespielt wird, auch nach dem Verbot des Kleinen Glücksspiels nur verlagert. Damals habe man am Institut zwar kurzfristig einen Patienteneinbruch erlebt, da vielen Menschen die Spiel-Möglichkeit genommen wurde, dann wurden aber rasch "andere Wege" gefunden. "Illegales Glücksspiel wird auch in diesen Zeiten weiterhin stattfinden", ist Mader überzeugt.

Unterschiede bei Glücksspielsucht und Internetsucht

Einen wesentlichen Unterschied gibt es laut ihm zwischen der Glücksspielsucht und in der Internetsucht: Während es sich beim Online-Gaming um eine Flucht aus der realen Welt in eine scheinbar bessere handle, geht es beim Glücksspiel um Geld und damit Macht. "Da geht es stärker um Selbstwertsteigerung und den Kick", so der Experte. Während Rollenspieler oft die ganze Nacht vor dem Computer sitzen, spiele ein Glücksspieler, solange er Geld habe. Da sei die Ereignisfrequenz wesentlich höher. "Da geht es um das intensive Gefühl", so Mader. Eine Gefahr sieht er auf Nachfrage bei der nunmehrigen wachsenden Arbeitslosigkeit. "Gespielt wird nämlich hauptsächlich bei denen, die wenig Geld haben. Sie spielen auch höhere Einsätze als jene, die Geld zur Verfügung haben." Wenn Menschen jetzt in finanzielle Sorgen kommen, sei das Glücksspiel sehr verlockend. Generell hält er fest: "Das Glück findet man online nicht. Positive Gefühle gibt es nur in der realen Welt."

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(APA/Red)

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