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Austropop-Größen im Gasometer

Die Präsentation der DVD-Edition "Weltberühmt in Ös­terreich" - 50 Jahre Austropop Deluxe Vol. 2" lock­te sowohl altgediente Austropopper als auch "Neue Österreicher" in den Wiener Gasometer.

Im Ambiente des kreisförmigen angelegten und mit Palmen ausstaffierten Lokals “Echo Park” trafen sich die musikalischen Generationen, um die finalen Folgen von Rudi Dolezals Langzeitprojekt in der DVD-Edition zu würdigen. “Damit ist die Serie abgeschlossen”, versprach Dolezal.

Gekommen war von den “großen Alten” wie Supermax Kurt Hauenstein oder Waterloo Hansi Kreuzmayr auch Wolfgang Ambros, der sich erst einmal gemeinsam mit Dolezal im “Walk of Stars” verewigen durfte. Dolezal möchte jedenfalls, dass “das Sujet ‘Weltberühmt in Österreich’ weiter belebt wird”. Angedacht werden unter anderem weitere Einzelproduktionen, die zwar nicht an die Serie anschließen, aber das Sujet mit Leben füllen sollen.

Begonnen hatte alles mit den ersten sechs Folgen, die im ORF vor zwei Jahren liefen. Doch das war in den Augen des sendungsbewussten Rudi Dolezal noch nicht ausreichend genug, und so wurden vier weitere Folgen produziert, von denen die letzte heuer im Mai ausgestrahlt wurde. “Die erste DVD-Box, die mit sechsfach Gold und Romy-Auszeichnung ein schöner Erfolg war, hat mir gezeigt, dass trotz 1.500 Minuten es in den sechs Folgen samt Bonusmaterial nicht möglich war, alle Aspekte abzudecken.” Daher gibt es mit “Weltberühmt in Österreich” – 50 Jahre Austropop Deluxe Vol. 2″ nun die vier Fernseh-Folgen in längeren Fassungen und somit weitere 500 Minuten rund um den Austropop.

Die ergänzenden Teile beinhalten einerseits eine ausführliche Behandlung der Bundesländer, einen Exkurs über die Rauschkultur, eine Folge “Wem gehört die Rockmusik” über die Plattenfirma-Strukturen und die abschließende Folge “Der Austropop hat keine Chance – also nutzen wir sie!”. Für Dolezal hat die Austropop-Szene auch sehr wohl eine Chance: “Die Christina Stürmer ist nur die Spitze des Eisberges von vielen jungen Bands, die ein ähnliches Potenzial hätten, und die ‘Oiden’ wie Wolfgang Ambros machen immer noch gute Sachen, die halt leider Gottes weniger im Radio gespielt werden als früher.” Die Ausgangssituation hat sich natürlich geändert: “Ein junger Ambros hätte es heute sehr schwer, eine Plattenfirma zu finden. Es wäre aber die Frage, ob er überhaupt noch eine bräuchte. So einfach wie früher läuft das Business nicht mehr, dass man einen Song hat, eine Plattenfirma, die ihn veröffentlicht, und eine Radiostation, die ihn spielt.”

Wolfgang Ambros selbst sieht gegenwärtig bessere Möglichkeiten für Musik, “wer gut genug ist, hat es um vieles leichter”, meint er. ” Wenn eine Band heute mit dem nötigen Druck promoted wird, dauert es Stunden, bis sie weltbekannt ist. Ich brauchte Jahre, um mich zu etablieren”, blickt er zurück. Doch Vorteile hatte es auch, in den Siebzigern durchzustarten: “Andererseits hab ich tun können, was ich wollte, und konnte mir auch den einen oder anderen Flop leisten, ohne dass die Karriere zu Ende gewesen wäre.”

“Die Konkurrenz ist größer, aber der Einstieg leichter”, fasst Diana Lueger von der Band Zweitfrau die aktuelle Lage zusammen. Und gräbt man als junge Band noch in der Vergangenheit der heimischen Pop-Kultur? “Der Einzige, der mir spontan als Einfluss einfällt, ist Falco”, gibt Lueger zu, denn “Künstler orientieren sich immer an der Gegenwart.”

Damit die Gegenwart für den heimischen Pop auch eine schöne wird, fehlt aber für Rudi Dolezal noch ein wenig. Mehr Unterstützung für die Nischen fordert er, auch für radikale und schräge Künstler: “Der Markt reguliert sich nicht selbst, der Markt selber ist Scheiße. Man muss Leuten eine Möglichkeit geben.” Daher ist kein Lamentieren angesagt: “Es ist falsch, dass die österreichische Popkultur tot ist, es ist falsch, das wir weniger Talente haben. Wir haben mehr davon denn je”, ist sich Dolezal sicher.

Christina Stürmer über Austropop

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