Aufzeichnungen aus der Unterwelt - Kritik und Trailer zum Film

Das Werk "Aufzeichnungen aus der Unterwelt" nimmt zwei Protagonisten in den Fokus, um die Wiener Unterwelt in den 60er Jahren zu porträtieren: Den 2019 verstorbenen Wienerliedsänger Kurt Girk und den legendären Alois Schmutzer. Beide mussten wegen des illegalen Kartenspiels "Stoß" nach einem umstrittenen Prozess einst jahrelang hinter Gitter. Vor der Kamera des Regieduos erzählen beide Protagonisten nun über diese Zeit und zeichnen dabei ein Sittengemälde des Nachkriegswiens.

"Unterwelt? Hat's nie gegeben", sagt Alois Schmutzer im Brustton der Überzeugung. Dabei galt er einst als Wiener Unterweltkönig. In ihrem neuen Film "Aufzeichnungen aus der Unterwelt" arbeiten Tizza Covi und Rainer Frimmel die Differenz von Fremd- und Eigenwahrnehmung, die Balance von Recht und Unrecht sowie den einfachen Gang über die schiefe Bahn heraus. Nach der Weltpremiere bei der Berlinale kommt das Werk nun am Freitag in die Kinos.

Aufzeichnungen aus der Unterwelt - Kurzinhalt zum Film

Zwei Protagonisten hat der fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gehaltene Film über die Wiener Unterwelt in den 60er Jahren: Den 2019 verstorbenen Wienerliedsänger Kurt Girk und den legendären Alois Schmutzer. Er soll schon als Kind in seiner Waldviertler Heimat beachtliche Kräfte gehabt haben. Sie und sein Gerechtigkeitsgefühl werden ihm zum Verhängnis. Die Wiener Polizei fürchtet ihn, obwohl er keine Waffen benutzt. Er braucht sie nicht, er benutzt seine Muskeln.

Nach dem Überfall auf einen Briefträger beschuldigt der Räuber Schmutzer und Girk der Mittäterschaft. Als über Schmutzer das völlig unerwartete Urteil von zehn Jahren Arrest gesprochen wird, bricht der sonst so starke Mann zusammen. Auch Girk, optisch genau das Gegenteil von Schmutzer - hager, ein Sir mit Stecktuch im Sakko - muss für mehrere Jahre ins Gefängnis. Im Film beteuern beide, nichts mit der Sache zu tun gehabt zu haben. Nebenbei erfahren die Zuschauer, dass im Landesgericht zu jener Zeit auch noch Naziverbrecher einsaßen. Etwa einer, der in Auschwitz Tausende Menschen umgebracht hatte. Sein Urteil: Neun Jahre.

Es war eine andere Zeit in Wien, brutaler als heute, sodass deutsche Bekannte der beiden einmal mutmaßten, dass es Wien offenbar um viel Geld gehen müsse. Dabei genügte oft schon eine freche Bemerkung beim verbotenen Stoß-Spiel im "Milieu", um eine Schlägerei mit blutigem Ausgang auszulösen. Doch auch die Polizei war damals nicht zimperlich und nahm sich alle Freiheiten gegenüber ihrer kriminellen Klientel heraus.

Aufzeichnungen aus der Unterwelt - Die Kritik

Die Protagonisten erzählen rauchend an spartanischen Tischen Episoden aus dieser latent eruptiven Zeit, unterbrochen von Fragen des Regisseurs während Schwarzblenden. Ergänzt durch Gespräche mit Zeitzeugen, Fernsehberichte über die damals auf der Straße ausgetragenen Schießereien, Blicke ins Fotoalbum. Man hätte sich mehr auflockernde Wienerliedauftritte dazwischen gewünscht, denn die Interviews wirken trotz spannender Episoden auf Dauer statisch.

Die Tonspur allein könnte auch ein Radiofeature abgeben. Wäre da nicht die Mimik und Gestik von Girk und Schmutzer, die der Streifen als ins kriminelle Milieu geschlitterte Charaktere zeichnet. Der "Loisl" hätte auf dem Land bleiben sollen, meint Schmutzers Schwester. Wien habe ihm nicht gut getan.

Mit ihrem ganz speziellen Blick ist Covi und Frimmel erneut ein gelungenes Filmprojekt geglückt, das sich einem nicht alltäglichen Thema widmet: Dem Porträt zweier alter Herren, ungefährlich geworden, sympathisch und lebensweise, die eine andere, die dunkle Seite Wiens kennengelernt, mit ihr zu leben und sie zu beherrschen gelernt haben.

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(APA/Red)

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