Aufregung um Kunsthalle: "Es wurde keine Anklage erhoben"

(VN) Schwarzach, Wien -  Einer Prüfung durch das Kontrollamt sieht Gerald Matt, gebürtiger Harder und Direktor der Kunsthalle Wien, optimistisch entgegen. Es wurde Anzeige gegen ihn erstattet, aber keine Anklage erhoben. Zu den Vorwürfen gegen ihn und die Kunsthalle nimmt der Direktor nun erstmals in einem Interview Stellung.
Herr Direktor Matt, die Gebarung der Kunsthalle Wien macht seit Wochen Schlagzeilen, vonseiten der Kunsthalle wurden Vorwürfe entkräftet, Wolfgang Zinggl, Abgeordneter der Grünen, hat neue erhoben, hat sich das Bild gewendet?

Gerald Matt: Nein. Wir haben die Prüfungsergebnisse einer unabhängigen Kanzlei, die ich vorher gar nicht kannte, vorliegen. Die Vorwürfe sind eindeutig unhaltbar. Wir haben uns korrekt verhalten.

Sie wurden angezeigt, deshalb hat bislang Präsident Thomas Häusle Stellung bezogen. Beginnen wir also bei einem Buchprojekt, das am Anfang der Negativ-Berichte stand, weil Bernhard Böhler, Direktor des Dommuseums, als Autor eines Textes nicht genannt wurde.

Gerald Matt: Unter 28 Autoren wurde einer vergessen, wir haben ihm ein Erratum angeboten, das er ablehnte, seine Schadenersatzforderung wäre höher gewesen als die Kosten eines Neudrucks.

Dann waren da die Staatsbürgerschaftsansuchen von ausländischen Sponsoren, für die Sie Empfehlungsschreiben verfassten. Nun gibt es eine Anzeige gegen Sie wegen angeblich unerlaubter Intervention.

Gerald Matt: Es stellt sich die Frage, ob es im öffentlichen Interesse ist, wenn internationale Investoren Mittel für Kunst und Kultur zur Verfügung stellen. Professor Peter Lewisch vom Institut für Strafrecht sieht unser Agieren nicht einmal in der Nähe einer strafbaren Handlung.

Es gibt bisher Anzeigen, aber keine Anklage. Andererseits haben auch Sie Anzeigen erstattet?

Gerald Matt: So ist es, es wurde gegen mich Anzeige erstattet, aber keine Anklage erhoben, ich habe Zinggl wegen Verleumdung angezeigt, zudem läuft unsere Anzeige gegen Unbekannt wegen des Datenklaus.

Es wurde auch bekannt, dass Sie den Kurator Thomas Mießgang entlassen haben.

Gerald Matt: Ob der Vorkommnisse hätte jedes Unternehmen diesen Schritt getan, mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Im Zuge einer parlamentarischen Anfrage wurde nun neuerdings thematisiert, um nicht zu sagen, Ihnen vorgeworfen, dass Sie für Nebentätigkeiten Honorare kassiert bzw. Mitarbeiter der Kunsthalle eingesetzt haben.

Gerald Matt: Meine Nebentätigkeit in wissenschaftlichen, kuratorischen und publizistischen Bereichen ist vertraglich exakt geregelt. Wenn Mitarbeiter eingesetzt wurden, dann ebenfalls im Rahmen vertraglicher Regelungen.

Der Grünen-Abgeordnete Zinggl hat bislang die meisten Vorwürfe gegen Sie bzw. die Kunsthalle erhoben. Haben Sie sich Gedanken über seine Motivation gemacht?

Gerald Matt: Ich möchte mich nicht in den Kopf des Abgeordneten hineinversetzen, ich fühle mich in meinem wohler. Es geht um andere Dinge. Wenn Zinggl Nebentätigkeiten kritisiert, dann muss er vor der eigenen Haustüre kehren, er ist Vorsitzender des Mumok, des Museums moderner Kunst, und duldet dort die Nebentätigkeit von Direktoren.

Wie sehen Sie die nahe Zukunft der Kunsthalle?

Gerald Matt: Der nächsten Kontrollamtsprüfung sehe ich optimistisch entgegen und das wesentliche Thema ist für mich der künstlerische Erfolg mit dem Programm der Kunsthalle.

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