Auf Wiens Einkaufsstraßen "mäßig viel los" am Marienfeiertag

Am 8. Dezember war in Wiens Einkaufsstraßen "mäßig viel los".
Am 8. Dezember war in Wiens Einkaufsstraßen "mäßig viel los". ©APA
In Wien ist es auch am zweiten Einkaufstag nach dem harten Lockdown, der auf den Marienfeiertag gefallen ist - traditionell ein verkaufsstarker Tag für den Handel - recht ruhig zugegangen. "Es ist mäßig viel los. Eigentlich hätten wir uns mehr erwartet. Ich würde jetzt nicht sagen ruhig, ich würde sagen normal", so Margarete Gumprecht, Handelsobfrau in der Wiener Wirtschaftskammer, am frühen Nachmittag über die Lage in den Einkaufsstraßen und Shoppingcentern.

Die Kundinnen und Kunden würden sich diszipliniert verhalten und nicht länger als notwendig in den Geschäften verweilen: "Die Kunden wissen gezielt, was sie brauchen, sie sind sehr konkret. Sie haben sicher schon in der Zeit vorher recherchiert, was sie möchten." Menschen, die einen Einkaufsbummel machen würden, gebe es ihrer Wahrnehmung nach kaum bis nicht: "Diese Spontankäufe, die es früher gegeben hat, wird es heuer, glaube ich, definitiv nicht geben."

Coronakrise beeinflusst Kaufverhalten

Besonders gefragt seien aktuell Unterhaltungselektronik, der digitale Spielebereich, Fernseher, Handys, Computer, Drucker und Druckerpatronen, zählte Gumprecht auf. Außerdem werde viel für das eigene Zuhause gekauft - "um es sich zu Hause gemütlich zu machen". Dies sei definitiv ein Trend. Überdies wären auch - je nach Lage - Uhren und Juwelen gefragt, verwies die Spartenobfrau auf diesbezüglich erhaltene Rückmeldungen.

Grundsätzlich nehme sie, Gumprecht, aber wahr, dass die Menschen einerseits sparsamer seien, oder aber mit Bedacht wertvollere Geschenke und qualitativ hochwertige Waren kaufen würden. Ihre Prognose bis Weihnachten: "Wenn es so weitergeht, werden wir die durch den Lockdown verlorenen drei Wochen wahrscheinlich nicht aufholen."

Händler in Wiens Innenstadt hätten sich mehr erhofft

Auch am zweiten Einkaufstag nach dem mehrwöchigen Lockdown kann von einem Ansturm auf die Geschäfte keine Rede sein - zumindest in der Wiener Innenstadt. Zwar war die Kärntner Straße am frühen Nachmittag gut gefüllt und besonders in größeren Filialen sowie einzelnen Luxusboutiquen war viel los. In den Seitengassen herrschte aber zumeist gähnende Leere.

Nachdem der Kundenansturm schon gestern weniger stark ausfiel als im Vorfeld befürchtet, rechneten viele am heutigen Marienfeiertag mit mehr Umsatz. "Eigentlich hätten wir uns mehr erwartet", sagte Margarete Gumprecht, Handelsobfrau in der Wiener Wirtschaftskammer, am Dienstag zur APA.

Über regen Zulauf freuten sich beim APA-Lokalaugenschein jedenfalls die Maronibrater und Würstelstände, denn Cafés und Restaurants sind weiterhin geschlossen. Einige Lokale verkaufen ihr Essen aber "to go", viele Passanten flanieren mit Pappbechern gewappnet durch die Straßen. In fast jedem Schaufenster wird mit Rabatten um Kunden geworben.

Unterschiedliche Erfahrungsberichte

Für ein Schmuckgeschäft in der Wollzeile ist es vor allem gestern gut gelaufen, heute kamen erst wenige Kunden vorbei, sagten die Verkäuferinnen. Es gebe aber einen Onlineshop, der während des Lockdowns verbessert wurde und der gut ankommt. "Wir haben genug zu tun", sagten sie zur APA.

Enttäuscht ist die Besitzerin einer Boutique beim Stephansplatz, bei der bis zum frühen Nachmittag noch kein Kunde eingekauft hat. Ihr fehlen vor allem die Touristen. Die versprochenen Wirtschaftshilfen der Regierung hätten ihr nichts gebracht. "Ich habe keinen Fixkostenzuschuss bekommen, die Miete muss ich trotzdem zahlen." Auch eine Mitarbeiterin musste die Unternehmerin, die das Geschäft seit 18 Jahren betreibt, schon kündigen. Im Vormonat habe sie 2.500 Euro Umsatz gemacht - "dank der Stammkunden".

Besser lief es für ein alteingesessenes Schuhgeschäft hinterm Stephansdom. Besonders gestern hätten viele Menschen eingekauft, für den heutigen Feiertag hätte man sich allerdings mehr erhofft. Auch in diesem Schaufenster winken Rabatte: "Normalerweise machen wir den Sale erst später, aber heuer ist alles anders."

Auch Feiertag brachte keinen Run auf die SCS

Wie schon am Montag, dem ersten Einkaufstag nach dem mehrwöchigen Lockdown, ist auch am Marienfeiertag der große Ansturm auf das größte Einkaufszentrum Österreichs, die Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf bzw. Wiener Neudorf (Bezirk Mödling), ausgeblieben. Die Besucherfrequenz blieb moderat, zeigte ein APA-Lokalaugenschein am Dienstagvormittag.

Die Menschen waren wohl durch die SCS unterwegs, dichtes Gedränge herrschte jedoch nicht. Die meisten Geschäfte waren eher mäßig besucht, wenn nicht sogar ohne Kunden. Selbst in den Shops der großen Textilketten, wo sich normalerweise Schlangen an den Kassen bilden bzw. zwischen den Kleiderständern durchaus dichteres Aufeinandertreffen möglich ist, gab es vorerst freies Vorankommen.

Zielgerichtetes Einkaufen statt Shopping-Bummel

Der Eindruck der APA nach Gesprächen mit mehreren SCS-Besucherinnen und -Besuchern war - zum Bummeln sind die Leute nicht gekommen: Es wurden meist Weihnachtsgeschenke gekauft oder es gab konkrete Gründe, warum man sich in der Mall aufhielt. "Wir ziehen um und haben wegen Möbel geschaut", erzählte etwa ein Paar. Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zeigten die beiden nicht: "Ein bisschen Abstand halten und das passt schon."

Eine Frau mit mehreren Einkaufssackerln in der Hand erzählte: "Wir wollen rasch unsere Sachen erledigen und dann wieder nach Hause. Es geht eher um den Weihnachtsrummel und nicht um Corona."

Den Eindruck bestätigte auch Anton Cech, Head of Shopping Center, im APA-Gespräch: Der Trend gehe in Richtung gezielten Einkauf und kurze Verweildauer. "Die Kunden halten sich an unsere Maßnahmen. Sie verhalten sich sehr vernünftig. Es ist auch das Besucheraufkommen nicht so, dass wir gestürmt werden mit Massen. Das heißt im Vergleich zu einem normalen Weihnachtsgeschäft ist es schon deutlich unter der Normalfrequenz, was aber in Anbetracht der Pandemie durchaus positiv von uns zu beurteilen ist."

Polizei: Kaum Vorfälle, Nehammer dankt Bevölkerung

Der zweite Einkaufstag nach dem harten Lockdown ist am Marienfeiertag laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ohne besondere Vorfälle verlaufen. "Die Menschen in Österreich haben sich bisher in dieser herausfordernden Phase wirklich außergewöhnlich gut verhalten", sagte er in einem Statement zur APA. "Ich will wirklich ein großes Danke sagen - an alle die sich so vorbildlich an die Maßnahmen halten und das Motto 'schau auf dich, schau auf mich' damit mit Leben erfüllen."

Die Menschen würden Verantwortung füreinander beweisen und zeigen, "dass unsere Gesellschaft ein unglaublich starker Zusammenhalt auszeichnet", so der Innenminister am Dienstag. Die Landespolizeidirektionen hätten bisher zwar von mäßigen bis hohen Frequenzen in den Einkaufsstraßen berichtet, dennoch sei es bisher zu keinen besonderen Vorfällen gekommen. Die Disziplin der Menschen werde in allen Teilen Österreichs als sehr hoch beschrieben. Bisher sei es lediglich vereinzelt zu Verwaltungsübertretungen gekommen. "Das zeigt ein hohes Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen. Ein wirklich starkes Signal der Bevölkerung - dass wir gemeinsam gut durch die Vorweihnachtszeit kommen können", so Nehammer.

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(APA/Red.)

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