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Auf gesicherten Pfaden

Gesund und gestärkt erwachsen werden - Grenzen fordern und fördern
Gesund und gestärkt erwachsen werden - Grenzen fordern und fördern ©fizkes - stock.adobe.com
Wenn Kinder mit sinnvollen und übersichtlichen Regelungen aufwachsen, lernen sie sich und andere zu achten und zu respektieren. Fit & Gesund sprach mit dem Leiter der ifs-Familienberatung, Michael Thaler, über den Sinn von Grenzen.

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Im Supermarkt an der Kassa – ein verweigerter Schokoriegel, ein schreiendes Kind, eine verzweifelte Mutter, viele Augen auf das Gespann gerichtet – am Ende ein Schokoriegel, der bezahlt wird, ein beruhigtes Kind und eine Mutter mit resignierender Gestik. Wer kennt, ja wer hat nicht schon einmal so eine Szene beobachtet, erlebt? Ein Szene, die von Forderung und Überforderung zeugt.

Wenn Sie sich das geschilderte Bild vor Augen führen, was sticht Ihnen dabei ins Auge?

Michael Thaler: Die Mutter setzt sich selbst unter Druck, möchte vor zusehenden Personen nicht negativ bewertet bzw. als schlechte und überforderte Mutter gesehen werden, möchte dass ihr Kind sich beruhigt, um nicht noch länger „negativ“ aufzufallen. Daher gibt sie nach, ihr Kind bekommt den gewünschten Riegel und die Situation beruhigt sich. Vermutlich wird es im Anschluss nach dem Verlassen vom Supermarkt nochmals ein Gespräch zwischen Mutter und Kind geben, in dem die Mutter idealer Weise die Grenzüberschreitung bespricht.

Welchen Sinn haben Grenzen?

Grenzen zu setzen, bedeutet vor allem den Unterschied zwischen Ich und Du, zwischen Vertrautem und nicht Vertrautem, zwischen Können und Noch-nicht-Können, zwischen Nähe und Distanz zu erkennen. Kinder suchen Grenzen, Eltern erfahren und setzen Grenzen. So können diese gemeinsam geachtet werden. Grenzen bieten den Kindern dabei Schutz vor Gefahren und geben gleichzeitig Sicherheit. Wenn Kinder mit sinnvollen und übersichtlichen Regelungen aufwachsen, lernen sie sich und andere in ihrer eigenen Persönlichkeit zu achten und zu respektieren. Im Unterschied dazu führt Grenzenlosigkeit zu Unsicherheit bei allen Beteiligten, denn im Umgang mit anderen Menschen benötigen wir Orientierung: Wo möchte ich in meiner Persönlichkeit, in meinem Tun geachtet werden, wo mein Gegenüber?

Es gibt auch Meinungen, dass Grenzziehung bei der Erziehung der Ausübung von Autorität gleichkomme.

Der Begriff Autorität ist allgemein sehr umstritten und die Autoritätsverständnisse gehen weit auseinander. Jede Erziehung ist meiner Meinung nach auf Autorität angewiesen, muss aber nicht von autoritärem Verhalten geprägt sein, wo eine „Sieg-Niederlage-Logik“ vorherrscht. Haim Omer, Begründer der Neuen Autorität, versteht Autorität als elterliche Pflicht zur Erziehung und Pflicht zum Schutz und Förderung des Kindes. Ich finde dies eine treffende Definition.

Wie setze ich nun als Mutter oder Vater Grenzen, wie grenze ich mich als Begleiter des Nachwuchses ab?

Eltern sollten sich zunächst überlegen, warum sie eine bestimmte Regel aufstellen und selber auch danach leben. Sie können bei verschiedenen Dingen ein gutes Vorbild sein (z. B. Mahlzeiten am Esstisch, Medienkonsum, Benutzung von Schutzwegen). Übrigens: Kinder bis zu fünf Jahren können sich maximal zehn Regeln merken. Grenzen müssen dabei klar definiert werden. Älteren Kindern kann man die Gründe dazu gut erklären. Grenzen setzen bedeutet in diesem Alter, vor allem sich gegenseitig in der Persönlichkeit zu achten und zu respektieren. Und da sind besonders die Eltern gefordert, ihre Kinder hier zu unterstützen. Hier spielt auch ein größerer Freiraum eine Rolle. Dabei bedeuten Freiheit und Selbstständigkeit aber nicht die Abwesenheit von Grenzen. Im Gegenteil: Grenzenlosigkeit können Kinder und Jugendliche als Gleichgültigkeit empfinden und zu enge Grenzen können wiederum entmutigen und Erfahrungen begrenzen. Und schlussendlich bedingt Grenzziehung auch, diese konsequent einzuhalten. Eltern werden von Kindern und Jugendlichen ständig in Geduld und Konsequenz geprüft. Wenn Eltern als Kumpel oder Freund handeln, kann es zu Unsicherheit, Distanzlosigkeit oder Aggression führen.

In diesem Zusammenhang spielt also das Neinsagen können und dürfen eine wesentliche Rolle.

Überschreitet ein Kind festgelegte Grenzen, sollten Eltern darauf reagieren. Ein eindeutiges „Nein“ oder eine Ermahnung genügt in vielen Fällen – beispielsweise wenn sich das Kind in Gefahr bringt oder seiner Gesundheit schadet, sein Verhalten zu Konflikten mit dem sozialen Umfeld führt. Aber ein „Nein“ darf auch sein, wenn Eltern ihre Belastungsgrenze erreicht haben.

Widmen wir uns nun noch der Bedeutung von Konsequenzen …

Grenzen festlegen und dann nicht einhalten, macht keinen Sinn. Konsequenz bedeutet Zuverlässigkeit und vermittelt dem Kind, ernst genommen zu werden. Dabei ist es wichtig, dass es sich um situationsbedingte Konsequenzen handelt. Ist etwa ausgemacht, dass das Kind bis 18 Uhr beim Freund bleiben darf und sich dann um eine Stunde verspätet, dann wird der Besuch am nächsten Tag kürzer ausfallen. Konsequenzen in der Erziehung stehen für natürliche, logische Folgen und haben nichts mit Strafe zu tun. Konsequent zu sein bedeutet auch, in derselben Situation versuchen immer gleich zu reagieren – nicht einmal gütlich, beim nächsten Mal mit „Explosion“. Verbote, Strafen oder Ignoranz haben in der Erziehung keinen Platz, auch jegliche Form von Gewalt ist tabu.

Dann werden unsere Kinder größer und die Zeit der Pubertät bricht an – Eltern stehen vor der nächsten Herausforderung.

Die Pubertät ist ein Durchgangsstadium – mit Anfang und Ende, für Heranwachsende wie für Eltern. Pubertät ist eine Phase des Wandels, der Veränderung und Entwicklung, aus der sich Krisen ergeben können. Pubertierende können Kritik an ihren Handlungen aushalten und annehmen, wenn die persönliche Würde respektiert wird – nach dem Grundsatz: „Ich mag dich. Doch was du getan hast, war nicht in Ordnung!“ Jugendliche wünschen den Dialog, um ihre Sichtweise darzulegen. Und dies ermöglicht eventuell eine neue Grenzfestlegung, die für alle Beteiligten passend ist. Und wenn Jugendliche während ihrer Kindheit schon einen respektvollen Umgang mit Regeln und Grenzen erlebt haben, ist es wahrscheinlich, dass dies in der Pubertät von Erfolg gekrönt ist!

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