Auch Kickl ist Teil des Problems

©APA/HERBERT NEUBAUER
Gastkommentar von Johannes Huber. Kein Wunder, dass bei den Corona-Impfungen nicht viel weitergeht. Politiker, die unten durch sind, glauben, sich wichtig machen zu müssen.

Der Aufforderung von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne), Tennisstar Dominic Thiem solle sich impfen lassen, ist nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv. Es handelt sich um den nächsten Beitrag eines Politikers, der dazu angetan ist, dass sich zögerliche Menschen noch weniger wahrscheinlich impfen lassen werden und sich Impfgegner in ihrer Haltung bestätigt sehen.

Das Problem ist seit Monaten bekannt: In Österreich glauben Regierungsmitglieder, aber auch Oppositionsvertreter, den Menschen tagein, tagaus erklären zu müssen, was gut für ihre Gesundheit ist. Sich gegen Corona impfen lassen ist es, keine Frage. Wenn das aber ein Journalist behauptet, wird das kaum jemanden überzeugen. Tut es ein Politiker, werden es nicht mehr sein. Doch Leute wie Altkanzler Sebastian Kurz oder eben Mückstein haben kein Einsehen. Es ist ein Jammer. Mückstein mag Mediziner sein, jetzt ist aber auch er praktizierender Politiker. Das könnte er allmählich einsehen. Genauso wie SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, die Thiem zu einem persönlichen Impfgespräch eingeladen hat.

Vernünftig wäre es, das Impfen ausschließlich Ärztinnen und Ärzten bzw. Leuten zu überlassen, die nicht politisch tätig sind, denen die meisten Menschen vertrauen und sich gerne auch anvertrauen. Solche Leute sollten auch eine Informationskampagne führen. Aber doch nicht Politiker! Ihre Vertrauenswerte sind zum Teil unterirdisch.

Schlimmer ist nur noch, dass Regierungsmitglieder und Oppositionsvertreter zudem öffentlich übers Impfen streiten; und zwar durchaus parteipolitisch motiviert. Am Nationalfeiertag machte Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) die Freiheitlichen dafür verantwortlich, dass Österreich eine bescheidene Impfquote hat im internationalen Vergleich: Wo sie stark seien, sei die Quote „entsprechend niedrig“.

Das ist nicht die ganze Wahrheit. In Ybbsitz (NÖ), der Heimatgemeinte des ÖVP-Abgeordneten Andreas Hanger, sind noch immer keine 50 Prozent vollständig immunisiert. Freiheitliche spielen dort nur eine untergeordnete Rolle. Bei der letzten Gemeinderatswahl kam die Volkspartei beinahe auf eine Zweidrittelmehrheit, bei der Nationalratswahl auf 57,5 Prozent. Fasst man die 20 österreichischen Gemeinden mit der niedrigsten Impfquote zusammen, erreichte die ÖVP bei der Nationalratswahl ebendort fast 50 Prozent. Umgekehrt haben hier auch Freiheitliche überdurchschnittlich stark abgeschnitten (23,2 Prozent), aber eben nicht nur sie. Schallenberg geht es offenbar schlicht darum, davon abzulenken.

FPÖ-Chef Herbert Kickl empört sich wiederum, dass es überhaupt Impfappelle gibt. Das Motiv ist durchschaubar: Er will diejenigen bedienen, denen das zuwider ist. Wobei er das umso intensiver machen muss, als er mit der MFG-Liste eine ernstzunehmende Konkurrentin bekommen hat. Kickl geht es nicht um die Sache. Und überhaupt: Es lässt tief blicken, dass er glaubt, sich gar als Wunderheiler betätigen zu müssen. Er empfiehlt, das Wurmmittel (!) Ivermectin gegen Corona einzusetzen. Herbert Kickl ist laut APA/OGM-Index der Politiker, dem in Österreich wirklich fast niemand vertraut. Aus gutem Grund: Laut „Kleiner Zeitung“ warnte die US-Arzneimittelbehörde FDA schon im Sommer, das Mittel einzunehmen: „Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Ernsthaft, ihr alle. Hört damit auf.“ Es würden sich die Vorfälle häufen, bei denen Menschen in Spitälern behandelt werden müssen, nachdem sie große, eigentlich für Tiere gedachte Dosen zu sich genommen haben.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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