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"As goht scho" hilft dem Körper nicht

©Screenshot Video
Primaria Ruth Krumpholz betonte die Wichtigkeit einer Schmerztherapie nach Eingriffen.


„Die wenigsten Patienten fürchten sich vor der Operation. Mehr macht ihnen die Narkose und der Gedanke, sie könnten nicht mehr aufwachen, zu schaffen.“ Diese Aussagen, die einer Untersuchung der Österreichischen Schmerzgesellschaft entstammen, überraschten sogar Primaria Ruth Krumpolz, die seit zehn Jahren die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Landeskrankenhaus Bludenz leitet. Ebenso erstaunte sie der hohe Anteil an Personen, die nach einem Eingriff an Schmerzen laborieren. Laut Studie sind es bei österreichweit rund 1,5 Millionen Operationen immerhin 20 bis 40 Prozent der Patienten. Krumpolz selbst legt größten Wert auf eine adäquate Schmerztherapie. „Es ist eine ethisch-moralische Verpflichtung“, betonte sie beim MedKonkret-Vortrag. Darüber hinaus lassen sich Patienten schneller mobilisieren, die Komplikationsrate sinkt, der Spitalsaufenthalt kann verkürzt und chronische Schmerzsyndrome lassen sich meiden.

Recht auf Schmerzbehandlung

All das sind für die Chefärztin des LKH Bludenz mehr als gute Gründe, postoperativ in der Schmerzbekämpfung tätig zu werden. Besonders chronische Schmerzen sind bekanntermaßen sehr schwierig zu behandeln. Betroffene reagieren sogar auf Berührungen überempfindlich. Das größte Risiko, sich ein Schmerzsyndrom einzufangen, tragen laut Ruth Krumpholz übrigens junge und ängstliche Frauen. „Also Menschen, die mitten im Leben stehen“, ergänzte sie. Umso wichtiger sei eine angepasste Schmerztherapie. „Es gibt auch ein Recht auf Schmerzbehandlung“, betonte Krumpholz, räumte gleichzeitig jedoch ein, dass eine absolute Schmerzfreiheit nach einer Operation eine Illusion sei. „Die Schmerzen sollten aber wenigstens erträglich sein“, lautet ihre Devise. Dabei hört die Medizinerin oft von Patienten: „As goht scho.“ Die Vorarlberger seien diesbezüglich besonders zäh, meinte die gebürtige Kärntnerin. Durchbeißen bringe allerdings nichts, weil dem Körper so die nötige Erholung versagt bleibt.

Stufenschema

In der Schmerztherapie kommt ein Stufenschema zur Anwendung, das sich unter anderem an der Art des Eingriffs orientiert. Am Anfang stehen leichte Schmerzmittel, die dafür regelmäßig gegeben werden. In einem zweiten Schritt kommen Opiate zum Einsatz. Ihre Verabreichung erfolgt nach Bedarf. Für sehr starke Schmerzen stehen technische Hilfsmittel wie Schmerzkatheter oder Schmerzpumpen zur Verfügung. Bei einer Schmerzpumpe kann sich der Patient selbst kleine Mengen eines Schmerzmittels verabreichen. Eine programmierte Sperrzeit verhindert die Überdosierung. Schmerzkatheter enthalten ein Lokalanästhetikum, das nur den jeweiligen Körperteil betäubt. Ihr Vorteil ist, dass sie die Darmtätigkeit besser anregen. „Die Möglichkeiten werden bereits im Vorfeld einer Operation besprochen“, erklärte Krumpholz. Die kontinuierliche Überwachung der eingeleiteten Schmerztherapie erfolgt durch den Schmerzdienst, den Anästhesisten übernehmen.

Optimale Erholung sichern

Auf manuelle Unterstützung wird in der postoperativen Phase ebenfalls großer Wert gelegt. Dazu gehören Bewegung, Atemtherapie, Entspannung, Hypnose, Massagen, Lagerung sowie Kälte- und Wärmeanwendungen. „Unsere Physiotherapeuten sind von Anfang an dabei“, erläuterte Ruth Krumpholz. Das gilt auch für Patienten auf der Intensivstation. Auch dort ist eine gezielte Schmertherapie obligat, auch dort bringt sie Vorteile. „Die Patienten kommen schneller von der Beatmungsmaschine weg, und es gibt weniger Muskelschwächen“, nannte die engagierte Ärztin zwei Beispiele. Ebenso wird auf Zeiten der Wachheit geachtet, da die psychischen Veränderungen geringer sind. „Für Intensivpatienten ist es wichtig, dass Ansprache durch ihre Angehörigen bekommen, um besser in den Alltag zurückzufinden“, merkte Krumpholz an.

Insgesamt geht es immer darum, dem Patienten nach einer Operation eine optimale Erholung zu gewährleisten. „Dazu braucht es das ganze Team, aber auch den Patienten“, betonte die Anästhesistin. Zu guter Letzt folgte als persönliches Anliegen noch die Empfehlung, vorzusorgen für den Fall, dass man selbst keine Entscheidungen mehr treffen kann. „Man sollte sich noch im Gesunden darüber Gedanken machen“, legte Ruth Krumpolz den zahlreichen MedKonkret-Besuchern ans Herz. VN-MM
Infozeile: Der Vortrag kann ab Montag unter gesundheit.vol.at nachgesehen werden

Fragen aus dem Publikum

Nach einem Unfall werden immer Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt. Was ist, wenn ich eine Patientenverfügung habe und keine Reanimation will?
Krumpholz Der Notarzt entscheidet vor Ort und kann natürlich nicht wissen, ob eine Patientenverfügung vorliegt. Jeder wird versorgt und soll eine Chance auf Überleben haben. Stellt sich heraus, dass eine Patientenverfügung vorliegt, wird man sich die Sache nach der Einlieferung des Patienten ins Krankenhaus anschauen, wo die Situation in aller Ruhe im Team und vor allem gemeinsam mit den Angehörigen noch einmal beurteilt und entschieden werden kann. Ich denke, das ist der menschlichere Weg.

Ich habe gelesen, dass Narkosen lebensverkürzend sein sollen. Stimmt das?
Krumpholz Das kann ich mit Fug und Recht verneinen. Allerdings können Narkosen das Immunsystem schwächen und speziell bei älteren Menschen vorübergehend Verwirrtheit und Konzentrationsstörungen hervorrufen.

Reagiert jeder Körper anders auf eine Narkose?
Krumpholz Ja, beim einen braucht es mehr, beim anderen weniger Schmerzmittel. Wir haben heutzutage das Glück, über Schmerz- und Narkosemittel zu verfügen, die nur kurz nachwirken. Auch die Überwachungssysteme erleichtern uns die medizinische Arbeit.

Was geschieht bei einer Teilnarkose?
Krumpholz Bei einer Teilnarkose erhält der Patient auch ein Schlafmittel in niedriger Dosierung, das heißt, er schläft nur. Man muss aber auch bedenken, dass man sich nicht bewegen kann. Dieses Gefühl ist für manche beängstigend.

Wie lange gilt eine Patientenverfügung?
Krumpholz Eine verbindliche Patientenverfügung gilt fünf Jahre. Ob verbindlich oder beachtlich: Der Inhalt spielt eine Rolle. Es ist wichtig, genau zu beschreiben, was man möchte und was man nicht mehr möchte. Je exakter, desto besser lässt sich eine Entscheidung treffen.

Wie setzt man eine Patientenverfügung richtig auf?
Krumpholz Am besten geht das gemeinsam mit einer Person des Vertrauens, wie beispielsweise dem Hausarzt. Als Laie tut man sich allein schwer damit.

Wird bei blutverdünnten Patienten grundsätzlich kein Periduralkatheter gesetzt?
Krumpholz Für eine solche Maßnahme muss der Blutverdünner mindestens drei bis fünf Tage vorher abgesetzt werden. Ob das möglich ist, entscheidet der Internist.

Wie lang wird ein solcher Katheter verwendet?
Krumpholz In der Regel sind es zwei bis fünf Tage.

(Red.)

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