Arztgespräch überzeugt Impfgegner kaum

Der harte Kern der Impfgegner lässt sich auch von Ärzten nicht umstimmen.
Der harte Kern der Impfgegner lässt sich auch von Ärzten nicht umstimmen. ©dpa
Ein verpflichtendes Impf-Aufklärungsgespräch unter 573 ungeimpften Sozial- und Pflegekräften konnte nur knapp 30 Personen umstimmen. Über 540 Beteiligte hielten an ihrer Meinung fest, wie das LBI in Wien ermittelte.
30 Prozent der Pflegekräfte ungeimpft

Verpflichtende Aufklärungsgespräche zur Steigerung der Impfquote gegen Covid-19 dürften nicht den erhofften Erfolg bringen. Das zeigt ein Projekt des Ludwig Boltzmann Institut (LBI) in Wien. In mehreren Sozial- und Pflegeeinrichtungen mit insgesamt über 80 Prozent Impfrate wurden 573 ungeimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Dienstzeit zu Informationsgesprächen geladen. Das laut LBI "ernüchternde Ergebnis": Nur fünf Prozent ließen sich unmittelbar darauf impfen.

Verpflichtendes Arztgespräch sollte Skeptiker umstimmen

In Absprache mit Geschäftsführung, Betriebsrat und den zuständigen betrieblichen Gesundheitsstellen wurden zunächst Schreiben an die ungeimpften Kolleginnen und Kollegen versendet, in denen auf die Ängste und Sorgen eingegangen wurde, aber auch auf den eigenen Schutz sowie den der betreuten Personen. Zudem wurde verpflichtend dazu aufgefordert, sich im Rahmen der Dienstzeit über die Impfung zu informieren. Zu diesem Zweck wurde eine eigene Aufklärungsstraße in einem großen Impfzentrum eingerichtet, wo Ärztinnen und Ärzte speziell dafür vorbereitet wurden.

Kaum Impfbereitschaft nach Aufklärung

"Im Sinne von Autonomie und Gesundheitskompetenz wurde für ungeimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses niederschwellige und barrierefreie Aufklärungsangebot im Rahmen der Dienstzeit geschaffen, welches sogar die Möglichkeit von ausführlicher Aufklärung in allen Muttersprachen durch Videodolmetschen bot", erläuterte die wissenschaftliche Direktorin des LBI, Maria Kletecka-Pulke, am Freitag in einer Aussendung. "Die Erwartung einer höheren Impfbereitschaft wurde leider nicht erfüllt", hielt sie fest.

6.000 Mitarbeiter aus Sozial- und Pflegeeinrichtungen

Die an dem Projekt beteiligten Sozial- und Pflegeeinrichtungen beschäftigen in etwa 6.000 Personen, wovon im Oktober mehr als 80 Prozent geimpft waren, wurde betont. Auch wenn dieser Anteil im bundesweiten Vergleich sehr hoch ist, bedeute dies immer noch, dass es in diesen Einrichtungen viele ungeimpfte Mitarbeiter gibt, die direkt mit vulnerablen Personen in Kontakt sind, merkte Elisabeth Klager vom LBI an.

Motive der Impfgegner sollen ermittelt werden

"Unser Ziel ist es weiterhin, Menschen unabhängig von der kommenden Impflicht so zu erreichen, dass sie sich aufgrund von Wissen und Einsicht freiwillig für die Impfung entscheiden. Im Idealfall bewirken wir bei bisher Ungeimpften durch gezielte Maßnahmen, dass sie sich trotz Impflicht mit einem guten Gefühl impfen lassen. Dazu wollen wir in einem Folgeprojekt nun detailliert die Motive und Hintergründe erheben", kündigte CO-Investigator Thomas Wochele-Thoma an. Das Projekt wurde vom Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) gestartet, das an der Medizinischen Universität Wien angedockt ist.

(APA7red)

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