"Armutsziele verfehlt": Hohes Armutsrisiko bei Arbeitslosigkeit

Wesentlicher Grund für die hohe Armutsgefährdung von Arbeitslosen sind die geringen Lohnersatzraten von gerade einmal 55 Prozent
Wesentlicher Grund für die hohe Armutsgefährdung von Arbeitslosen sind die geringen Lohnersatzraten von gerade einmal 55 Prozent ©APA (Sujet)
Wer arbeitslos wird, ist besonders armutsgefährdet - eine Entwicklung, die Experten mit großer Sorge beobachten. Problematisch wirken sich die niedrigen Lohnersatzraten bei Arbeitslosigkeit aus.
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Die WU-Professorin Karin Heitzmann hat sich den Zusammenhang zwischen Arbeitslosengeld und Armut angesehen und kommt zu einem ernüchternden Fazit: "Die Lage der arbeitsuchenden Personen verschlechtert sich deutlich. Die Bundesregierung verfehlt ihre Armutsziele." Arbeitslosigkeit sei mit einem hohen Armutsrisiko verbunden, das sich mit zunehmender Dauer drastisch verschärfe.

Mit Dauer der Arbeitslosigkeit erhöht sich die Armutsgefährdung drastisch

Heitzmann verweist dabei auf aktuelle Ergebnisse der Erhebungen von Statistik Austria zum EU-SILC 2021. Demnach betrug 2021 die Armutsgefährdungsquote für alle Personen im Erwerbsalter (18-64 Jahre) 13 Prozent. Die Betroffenheit von Arbeitslosen sei demgegenüber deutlich höher. Bei einer kurzen Phase der Arbeitslosigkeit (1-5 Monate) seien schon 17 Prozent armutsgefährdet.

Dauert die Arbeitslosigkeit zwischen 6 und 11 Monate an, erhöhe sich die Gefährdung weiter: bereits jeder dritte Arbeitslose ist dann auch armutsgefährdet. "Und ab einem Jahr Arbeitslosigkeit beziehen schon 57 Prozent in dieser Gruppe nur mehr ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. Die vorhandene Evidenz zeigt also, und das seit Jahren, dass mit der Dauer der Arbeitslosigkeit auch das Armutsrisiko weiter steigt", so die WU-Forscherin Heitzmann.

Hohe Armutsgefährdung Arbeitsloser wegen geringer Lohnersatzraten: Nur 55 Prozent

Der wesentliche Grund für die hohe Armutsgefährdung von Arbeitslosen seien die geringen Lohnersatzraten bei Arbeitslosigkeit. "Für viele Arbeitslose sind das Arbeitslosengeld bzw. die Notstandshilfe zu niedrig", betonte die WU-Professorin am Dienstag in einer Aussendung.

"Während in den OECD-Ländern im Schnitt 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens ausbezahlt werden, hat Österreich mit 55 Prozent Ersatzrate ein sehr niedriges Arbeitslosengeld", sagte hierzu bereits im Juni 2021 Irina Vana, Sozialwissenschafterin und Mit-Initiatorin des Volksbegehrens "Arbeitslosengeld rauf". Sie bezeichnete die aktuellen sozialen Zuwendungen für Arbeitslose als "unzureichend".

>>Hier können Sie aktuell das Volksbegehren "Arbeitslosengeld rauf!" unterstützen

(APA/Red)

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