Anstellung von pflegenden Angehörigen: Pilotprojekt startet in OÖ

Das Pilotprojekt in Oberösterreich startet mit August bzw. September.
Das Pilotprojekt in Oberösterreich startet mit August bzw. September. ©APA/HELMUT FOHRINGER
In Oberösterreich werden mit August bzw. September 30 pflegende Angehörige angstellt. Es handelt sich um ein Pilotprojekt.
Wien will pflegende Angehörige anstellen

Das Pilotprojekt zur Anstellung pflegender Angehöriger startet in Oberösterreich mit August bzw. September. 30 Angehörige beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher (bis zum Ende des zehnten Schuljahres) in den Pflegestufen 5 bis 7 erhalten eine Basisausbildung, ab 1. September ein Jahr lang ein befristetes Angestelltenverhältnis und damit die sozialversicherungsrechtliche Absicherung, berichtete Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ) in einer Presseaussendung am Montag.

Pilotprojekt als Ergänzung zu bestehenden Angeboten

Das Pilotprojekt verstehe sich als Ergänzung zu den bestehenden Angeboten und lasse sich in weiteren Schritten auch auf andere Zielgruppen ausweiten. Mit dem Projekt sollen negative Folgen der vor allem von Frauen erbrachten unentgeltlichen Pflegearbeit - wie Altersarmut oder Abhängigkeit vom Ehepartner - hintangehalten werden. "Mit dem Pilotprojekt zur Anstellung betreuender Angehöriger setzen wir einen weiteren wichtigen Meilenstein in Sachen Pflege", sagte Gerstorfer.

Im Rahmen dieses Anstellungsverhältnisses werden Betreuungsleistungen von 25 bis 30 Wochenstunden auf Basis eines individuell erstellten Betreuungsplanes erbracht. Fachkräfte leiten und begleiten die betreuenden Angehörigen, die - parallel zur Anstellung - die Ausbildung zur Alltagsbegleitung absolvieren müssen.

Sie werden nach dem Kollektivvertrag Sozialwirtschaft in der Verwendungsgruppe 4 entlohnt, das bedeutet je nach anzurechnender Vorerfahrung ein Bruttogehalt ab 1.965,70 Euro. Als finanzieller Beitrag zur Betreuung werden 50 Prozent des Pflegegeldes eingehoben. Das vorerst 13 Monate laufende Projekt mit veranschlagten Gesamtkosten von rund 857.000 Euro wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Modell im Burgenland bereits seit Herbst 2019

Oberösterreich orientierte sich am Modell des Burgenlandes, wo seit Herbst 2019 pflegende Angehörige angestellt werden. Für Wien hatte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) ankündigt, etwas Ähnliches schaffen zu wollen.

OÖ. ÖVP verlangt Adaptierungen bei Pilotprojekt

Die oö. ÖVP hatte drei Adaptierungen verlangt, um das Modell mitzutragen. Es handelt sich dabei um klare Aufnahmekriterien, die Klärung offener arbeitsrechtlicher Fragen und eine Evaluierung, bei der die Folgewirkungen ausgelotet und neue Betreuungsformen angedacht werden. Gerstorfer müsse die "noch ausständigen Startbedingungen für das Anstellungsmodell im Behindertenbereich klären", betonte Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer in einer Presseaussendung. Bezüglich einer Anwendung des Modells in der Altenbetreuung blieb die oö. ÖVP skeptisch.

Die FPÖ unterstütze grundsätzlich Maßnahmen zur besseren Unterstützung von pflegenden Angehörigen, so Klubobmann Herwig Mahr in einer Presseaussendung. Ein Projekt könne allerdings nur ein kleiner Mosaikstein sein. "Wir werden die Entwicklung mit Argusaugen mitverfolgen und uns dabei kein Blatt vor den Mund nehmen. Wir erwarten uns eine rechtzeitige und ehrliche Evaluierung, um die besten Lösungen für die Pflege daheim erarbeiten zu können."

(APA/Red)

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