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Anklage: Karadzic Architekt des Genozids

Die Anklage des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag hat dem früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic (64) vorgeworfen, der Architekt von Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen und Völkermord im Bosnien-Krieg (1992-95) gewesen zu sein. Weitere News Kriegsverbrechertribunal mahlt langsam: Eine Zeugin erzähltKaradzic-Prozess reißt alte Wunden in Bosnien auf

Karadzic sei derjenige gewesen, der die Verbrechen geplant und eine entsprechende Politik aufgebaut habe und er sei auch Befehlshaber der Kräfte gewesen, die die Verbrechen begangen hätten, stellte der Ankläger Alan Tieger zum Auftakt des zweiten Tages des Karadzic-Prozesses am Dienstag fest. Karadzic boykottierte die Verhandlung neuerlich.

Der Angeklagte war bereits zum Beginn des Prozesses am gestrigen Montag nicht im Gerichtssaal in Den Haag erschienen. Er hatte seinen Boykott vergangene Woche damit begründet, dass er zu wenig Zeit für die Vorbereitung der Verteidigung erhalten habe. Der Tribunalssenat kündigte am Dienstag an, einen Pflichtverteidiger zu bestellen, sollte Karadzic zur nächsten Verhandlung am kommenden Montag erneut nicht vor dem Tribunal erscheinen.

Der Richtersenat könnte nach Angaben des Senatsvorsitzenden die Abwesenheit Karadzic’ als Entscheidung deuten, auf das Recht, im Gerichtssaal anwesend zu sein, verzichtet zu haben. Karadzic müsse die Folgen akzeptieren, welche sich aus seinem Vorgehen ergeben, unterstrich O-Gon Kwon.

US-Ankläger Tieger verlas die Anklage in Abwesenheit Karadzic’ und kündigte an, sich bei der Beweisführung auf vier Kapitel konzentrieren zu wollen: Die 44-monatige Belagerung und Beschießung von Sarajevo, ethnische Säuberung in 19 bosnischen Gemeinden, der Völkermord in sieben Gemeinden, Srebrenica eingeschlossen, aber auch die Verantwortung von Karadzic für die Geiselnahme von Soldaten der UNO-Truppen in Bosnien (UNPROFOR) im Sommer 1995.

Karadzic sei der “Oberste Kommandant” der Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina gewesen, ein Mann, “der die Kräfte des Nationalismus, des Hasses und der Angst entfachte, um seine Vision eines ethnisch geteilten Bosnien zu verwirklichen”, sagte Tieger nach Angaben der deutschen Presseagentur (dpa). Die ethnischen Säuberungen während des Bosnienkrieges seien nicht dessen Folge, sondern das von Karadzic und seinen Komplizen in der bosnisch-serbischen Führung angestrebte Ziel der bewaffneten Gewalt gewesen. Um einen rein serbischen Staat in Bosnien-Herzegowina zu schaffen, “wurden hunderttausende bosnische Muslime und Kroaten mit Massenmorden, Vergewaltigungen, Zerstörungen ihrer Häuser und Drohungen in die Flucht getrieben”, betonte der Ankläger.

Die Anklage wird sich gemäß Tieger auf eine Fülle von Dokumente aus jener Zeit, schriftliche Äußerungen von Karadzic, Video- und Tonaufnahmen, aber auch die Beweise stützten, die bereits in anderen Verfahren – unter anderem in jenen gegen Ex-Präsident Serbiens Slobodan Milosevic, den ehemaligen bosnisch-serbischen Parlamentspräsidenten Momcilo Krajisnik, der im Frühjahr zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, und der am heutigen Dienstag freigelassenen ehemaligen Präsidentin der Republika Srpska, Biljana Plavsic – vorgeführt wurden. Plavsic war nach Verbüßung von sechs Jahren ihrer elfjährigen Haftstrafe von den schwedischen Behörden freigelassen worden und traf am Nachmittag in Belgrad ein.

 

Sollte der Angeklagte auch Anfang nächster Woche, wenn die Ankläger die Verlesung der Anklage beenden sollen, nicht vor dem UNO-Tribunal erscheinen, werde der Senat über die Bestellung eines Pflichtverteidigers für Karadzic entscheiden, kündigte der Senatsvorsitzende, Richter O-Gon Kwon, zu Beginn des zweiten Verhandlungstages an.

Der Richtersenat könnte nach Angaben des Senatsvorsitzenden die Abwesenheit Karadzic’ als Entscheidung deuten, auf das Recht, im Gerichtssaal anwesend zu sein, verzichtet zu haben. Karadzic müsse die Folgen akzeptieren, welche sich aus seinem Vorgehen ergeben, unterstrich O-Gon Kwon. Karadzic hatte seine Boykotthaltung mit mangelnder Zeit argumentiert, seine Verteidigung vorzubereiten.

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