Angriff auf Kramatorsk sorgt für Entsetzen: "Verabscheuungswürdig"

Ostukraine: Mindestens 39 Tote bei Angriff auf Bahnhof von Kramatorsk.
Ostukraine: Mindestens 39 Tote bei Angriff auf Bahnhof von Kramatorsk. ©APA/AFP
Der Raketenangriff auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk hat international Entsetzen ausgelöst. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen nannte ihn "verabscheuungswürdig".
Angriff auf Bahnhof Kramatorsk

Ähnlich äußerten sich auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Bundespräsident Alexander van der Bellen.

Ukraine-Krieg: Entsetzen nach Angriff auf Bahnhof von Kramatorsk

"Ich bin entsetzt über den Verlust von Menschenleben und werde Präsident Wolodymyr Selenskyj persönlich mein Beileid aussprechen", schrieb von der Leyen am Freitag auf Twitter. Kurz zuvor war die deutsche Politikerin zu einem Solidaritätsbesuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew angekommen.

Bundeskanzler Nehammer will nach Kiew reisen

"Der russische Raketenangriff auf Zivilisten am Bahnhof in #Kramatorsk ist ein weiterer abscheulicher Akt, den ich auf das Schärfste verurteile", schrieb Nehammer auf Twitter. "Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer. Die dafür Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden." Für die nächsten Tage hat auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) einen Besuch in Kiew angekündigt.

Angriff auf flüchtende Frauen und Kinder "barbarisch"

Bundespräsident Alexander van der Bellen verurteilte den Angriff als "barbarischen Akt". "Der Raketenangriff auf den Bahnhof der Stadt #Kramatorsk in der #Ukraine, auf Frauen und Kinder, auf flüchtende Zivilisten, ist ein barbarischer Akt. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Das Töten muss aufhören!", schrieb der Bundespräsident auf Twitter.

Auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) Vizekanzlers verurteilte den Angriff scharf. "Am Bahnhof in #Kramatorsk haben in den vergangenen Tagen Menschen darauf gewartet, den russischen Angriffen im Donbass zu entkommen. Nun wurden sie von einem zutiefst menschenverachtenden Angriff getroffen. Wir verurteilen diesen verbrecherischen Krieg aufs Schärfste und fordern Russlands Führung auf, das Morden unverzüglich zu beenden", schrieb Kogler auf Twitter.

Mindestens 39 Menschen bei Angriff auf Bahnhof getötet

Bei einem Raketenangriff auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk sind nach Angaben des ukrainischen Regionalgouverneurs Pawlo Kyrylenko mindestens 50 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch fünf Kinder, teilte Kyrylenko am Freitag mit. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt. Etwa 4000 Menschen hätten sich am Bahnhof aufgehalten, sagte Bürgermeister Olexander Hontscharenko. Der Kreml wies hingegen eine Verantwortung russischer Truppen für den Angriff zurück.

4.000 Menschen am Bahnhof wollten aus Ostukraine flüchten

Etwa 4.000 Menschen hätten sich am Bahnhof aufgehalten, sagte Bürgermeister Olexander Hontscharenko. Die ukrainischen Behörden hatten angesichts einer erwarteten russischen Offensive die Bevölkerung der Gebiete Donezk und Luhansk zur Flucht aufgerufen. Kramatorsk wird von ukrainischen Truppen kontrolliert, gilt aber als Ziel der Russen.

Videos vom Vortag vermitteln ein Bild davon, wie chaotisch die Lage gewesen sein mag. Viele Menschen, die Koffer und Taschen bei sich hatten, wollten aus Angst vor Angriffen die Stadt verlassen. Dann schlugen vermutlich zwei Raketen ein. Im Nachrichtendienst Telegram kursiert ein Video, das den Abschuss aus der Nähe von Schachtarsk zeigen soll. Die Stadt liegt in der von prorussischen Separatisten kontrollierten Region des Gebiets Donezk.

Russland will Kramatorsk nicht angegriffen haben

Russland wies die Vorwürfe hingegen strikt zurück. Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach von einer "Provokation". "Unsere Streitkräfte nutzen diesen Raketentyp nicht", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge. Im Blick hatte er den mutmaßlich verwendeten Typ Totschka-U. Militärexperten und Investigativreporter bezweifeln diese Darstellung. Die Totschka-U gilt als weniger zielgenau als die Iskander, die Russland häufig eingesetzt hat.

Kremlsprecher Peskow sagte: "Es gab keine Kampfeinsätze in Kramatorsk, und es waren heute auch keine geplant." Die moskautreuen Separatisten, die Anspruch auf das gesamte Verwaltungsgebiet Donezk erheben, gaben ukrainischen Kräften die Schuld. Sie behaupten immer wieder, ukrainische "Nationalisten" würden die Zivilbevölkerung als Schutzschilde nutzen und deren Evakuierung verhindern. Beweise dafür legen sie nicht vor.

(APA/Red)

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