Andreas Bourani im Interview: Über die "Ode an das Leben"

Singer-Songwriter Andreas Bourani im Interview.
Singer-Songwriter Andreas Bourani im Interview. ©Mathias Bothor
Andreas Bourani macht derzeit von sich reden. Seine hymnische Single "Auf Uns" kam Ende April heraus, erreichte Top-Platzierungen in den deutschen Charts und wird als der kommende große Hit der Fußball-WM gesehen. Wir sprachen mit dem sympathischen Musiker über sein neues Album Hey", die Social Media-Flut, Conchita Wurst und den ESCS-Trubel sowie den Glauben an Optimismus.

Wie gefällt es dir bei uns in Wien?

Sehr gut, ich bin extra früher angereist, um mir die Stadt anzusehen. Bin herumgeschlendert, ich lasse mich gerne treiben in neuen Städten. Ich hab mich zwar verlaufen, aber das war auch schön – und ein Taxifahrer hat mich am Ende gerettet.

Du bist derzeit mit deinem zweiten Album ‚Hey’ am Start und hast dir mit der 1. Singleauskopplung “Auf Uns” gleich die deutschen Charts erobert – was ist das für ein Gefühl?

Ich rechne nie mit Erfolg, das kann man vorher einfach nie wissen. Man kann als Künstler nur schauen, was einen gerade bewegt, und darüber ein Lied schreiben. Man bietet das dann den Leuten an – „Hier, das sind meine Ideen, das hat mich in letzter Zeit bewegt.” Dann ist es den Menschen überlassen, was sie damit machen. Und ich hatte Glück, dass der Song auch so viele andere Menschen bewegt hat.

Der Album-Titel „Hey” ist sehr kompakt – was steckt dahinter?

Ich fand „Hey” absolut zeitgemäß. Man ruft „Hey”, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und wir leben in einer Zeit, in der fast jeder in sozialen Netzwerken unterwegs ist. Dort sucht man ständig nach Aufmerksamkeit, auf Instgram, Facebook, Twitter, … Es gibt Apps zur „Selbstoptimierung”, die dir sagen, wie du dich ernähren sollst, wie du Sport treiben sollst, … Und das erzeugt viel Druck in unserer Zeit, der überbewertet ist. Alles wird immer schnelllebiger und wir vergessen, diese Technik einfach als Werkzeug zu sehen. Und mir ist aufgefallen, dass fast jede Nachricht, die ich auf so sozialen Netzwerken bekomme, mit „Hey” anfängt. Dann habe ich angefangen, einen Song darüber zu schreiben, dass man sich von diesem Druck befreien soll – und die Dinge manchmal besser gut lässt. Dass man sich die Glauben behält, dass sich die Dinge auch so zum Guten wenden.

Wie schaffst du es selbst, diese „soziale Flut” einzudämmen? Gerade als Künstler nützt man Social Media meist stark.

Ich nutze es gerne, um Kontakt mit Fans zu halten, aber ich lasse mich davon nicht unter Druck setzen. An einen Künstler erinnert man sich, weil „der hat ja dieses und jenes Lied geschrieben” – man erinnert sich nicht an ihn, weil er Tausende Facebook-Freunde hat. Am Ende bleibt die Musik.

Andreas Bourani zu Fußball und Conchita Wurst

“Auf Uns” wird in Medien schon als der kommende Hit der Fußball-WM gesehen – war es dein Ziel, „Stadion-Musik” zu schreiben?

Ja schon. Ich bin selbst ein großer Fan von U2, The Police, Coldplay … und ich bin mit deutschsprachigen Künstlern wie Grönemeyer, Nena, Udo Lindenberg groß geworden. Diese Einflüsse hört man auch bei mir. Aber ich hatte nicht geplant, in Richtung WM-Hymne zu gehen. Aber dass viele glauben, dass es gut zur WM passt, liegt wohl daran, dass es eine Ode an die Freundschaft und das Leben ist. Das Lied hat viel positive Energie, die sich gut auf den Sport übertragen lässt.

Kickst du selbst gerne?

Ich habe zwei Linke Füße, war in der Schule immer der Letzte, der in die Fußballmannschaft gewählt wurde. Ich bin mehr der Handballer.

„Hey” ist dein 2. Album – was ist neu daran?

Die Platte ist viel abwechslungsreicher geworden. Es war für mich auch eine emotional abwechslungsreiche Zeit, und das hört man auch, ich hab mich bei den Texten viel mehr geöffnet. Es ist dadurch ein sehr schönes Pop-Album geworden, hymnisch und mit nachdenklichen Lyrics. Mein Anspruch ist es, die Vielfalt des Lebens in die Musik reinzubringen. Und ich glaube, das ist mir gelungen.

Du bist beim ‚ESC’ in der Jury Deutschlands gesessen, wie empfindest du den Sieg von Conchita Wurst?

Ich finde es super, dass sie gewonnen hat. Es ist ein Signal für ganz Europa gewesen, denn ihre Sexualität war ja ein Hauptgrund für ihren Sieg. Homophobie war in den letzten Jahren ein starkes Thema in den Medien. Ich fand es auch überraschend, dass aus Österreich so ein Beitrag kam – Glückwunsch nochmal an dieser Stelle! Und ich bin auch bei ihrem Konzert am Ballhausplatz vorbeigelaufen, hab gesehen, wie viele Menschen dort gejubelt haben. Sie ist gerade so eine richtige Symbolfigur für Toleranz. Und das finde ich echt stark!

Red./(ABE)

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