Amazon mausert sich zum größten Konkurrenten der Post

Noch ist Amazon der größte Kunde der Post.
Noch ist Amazon der größte Kunde der Post. ©APA/HANS KLAUS TECHT
Die Post konnte im letzten Jahr - auch dank Amazon - weiter wachsen. Künftig dürfte der Online-Händler aber der schärfste Konkurrent der Post werden. Das Paketgeschäft dürfte in den nächsten Jahren weiter steigen.

Die Online-Handelsplattform Amazon ist der größte Kunde der österreichischen Post und wird durch den Aufbau der Eigenzustellung auch ihr größter Wettbewerber werden, sagt Post-Chef Georg Pölzl. "Die wachsen weiter und sie nehmen uns Anteile weg", sagte Pölzl am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten. "Trotzdem werden wir auch weiter wachsen, weil der Gesamtmarkt wächst." Er gehe von einem "hohen einstelligen bis zweistelligen" Wachstum des Marktes aus.

dpd als größter Wettbewerber der Post

"Noch ist unser größter Wettbewerber im gesamten Paketgeschäft dpd. Im B2C-Geschäft (Business to Customer, Anm.) ist es auch dpd - noch, aber Amazon wird dpd überholen", so Pölzl, "relativ schnell". Die Post entwickle sich weiterhin sowohl beim Umsatz als auch bei der Ertragskraft gut und Amazon werde weiter ein großer Kunde bleiben, betonte der Postchef. "Das ist ein beinharter Verhandler, aber natürlich ein Kunde, von dem man auch sehr viel lernen kann."

Derzeit habe die Post im gesamten Paketmarkt einen Marktanteil von 58 Prozent, dpd 20 Prozent, GLS 8 Prozent, dhl Paket 4 Prozent und Amazon 3 Prozent. Aber Pölzl glaubt den Eigenangaben von Amazon nicht: "Ich glaube, die stapeln tief." Beim B2C-Geschäft kommt die Post laut Pölzl auf einen Marktanteil von etwa 70 Prozent.

Paketgeschäft wird immer wichtiger

Durch organisches Wachstum im Paketgeschäft und Zukäufe macht die Post inzwischen mit der Paketzustellung genauso viel Umsatz wie im Briefgeschäft, künftig werde das Paketgeschäft einen noch viel größeren Anteil haben, sagte Pölzl. "Das Briefgeschäft war in den letzten hundert Jahren unser Kerngeschäft, aber es ist ein typisches Sunset Business. Es wird der Tag kommen - ich glaube, ich werde ihn nicht mehr erleben -, wo die österreichische Post vielleicht ihren letzten Brief zustellt. Aber vielleicht kommt dieser nie, es gibt Schriftstücke, die müssen immer physisch zugestellt werden."

Am Filialnetz will Pölzl festhalten, "das ist ein wesentlicher Teil unseres B2C-Geschäfts". Insgesamt habe man rund 400 eigene Filialen und 1.400 Post-Partner. "Als wir begonnen haben, hatten wir 1.360 Filialen, davon waren ca. 200 Postpartner." Der Löwenanteil des Geschäfts werde mit den 400 eigenen Filialen gemacht. Die Postpartner seien aber wichtig für die Flächendeckung.

bank99 mit mehr als 80.000 Kunden

Die am 1. April 2020 gestartete bank99 hat laut Pölzl heute mehr als 80.000 Kunden, "es war ein sehr erfolgreicher Start". Der Break Even werde sich durch Corona ein wenig verschieben, sagte Pölzl. "Die Pandemie hat uns Substanz gekostet. " Man habe 350 Bankomaten aufgestellt, aber durch die Pandemie sei das Geschäft von heute auf morgen um 60 bis 70 Prozent eingebrochen. Aber drei oder vier Jahre nach dem Start werde man doch positive Ergebniszahlen schreiben. Konsumentenkredite bietet die bank99 nicht selbst an, sondern mit der BNP Paribas als Partner. "Das ist uns zu riskant, da haben wir keine Kompetenz." Allerdings bereite man ein Fondssparprodukt vor und plane auch ein Baufinanzierungsprodukt. Auch sei es für ihn "vorstellbar", einfache Versicherungsprodukte anzubieten.

Mit der Entwicklung der Online-Plattform Shöpping zeigte sich der Postchef ebenfalls zufrieden. Shöpping habe durch Corona sehr viel Rückenwind bekommen und am stärksten Tag 10.000 Pakete verschickt. Den Break Even habe man noch nicht erreicht, aber spätestens heuer oder im kommenden Jahr werde es so weit sein. Zum Vergleich: Die Post liefert derzeit rund 800.000 Pakete pro Tag aus, davon allein für den Kunden Amazon 250.000.

Paketumsatz deutlich gestiegen

Dass der Anteil des Paketumsatzes von 14 Prozent im Jahr 2010 auf nun gut die Hälfte gestiegen ist, liegt auch an der türkischen Tochter Aras, wo man einen jahrelangen Rechtsstreit mit den Verkäufern glücklich beendet habe. "In der Türkei sind wir inzwischen die Nummer 1", so Pölzl. "Die Türkei ist ein toller Wachstumsmarkt, wir werden auch weiter dort investieren." Rund 100 Mio. Euro sollen in den nächsten fünf bis sechs Jahren in den türkischen Markt fließen. 2020 hat die Post weitere 55 Prozent an der Aras erworben und hält nun 80 Prozent. Ein Sohn des Gründers hält die restlichen 20 Prozent. Von den offiziellen Stellen in der Türkei sei man während des Rechtsstreits mit der Gründerfamilie immer sehr fair behandelt worden, betonte Pölzl.

An der bisherigen Dividendenpolitik will er festhalten. Es sei "eher die linke Reichshälfte, die aus ideologischen Gründen meint, man sollte überhaupt keine Dividende zahlen, man sollte alles an die Mitarbeiter ausschütten". Man habe eine Milliarde Euro Personalkosten, zahle 360 Mio. Euro an Steuern und Abgaben und die Dividende mache heuer 120 Mio. Euro aus, relativierte der Postchef. Mit der Entwicklung der Aktie sei er zufrieden, der Kurs sei seit dem Börsengang von 16 Euro auf heute über 45 Euro gestiegen. "In meinem persönlichen Portfolio ist das die beste Aktie."

(APA/red)

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