Alphatier oder Teammutter?

Mädchen gerade in einem Bereich zu fördern, der nicht ins traditionelle Rollenbild passt – dieser Aufgabe stellt sich Markus Michelitsch seit vier Jahren. Warum Mädchen anders kicken als Burschen verrät er im Interview.

bz: Mädchen müssen sich immer wieder anhören, dass sie nicht so gut Fußball spielen könnten wie Buben. Ein Vorurteil?
Markus Michelitsch: Bei einer Mädchenmannschaft ist das soziale Gefüge ganz anders – es zählen andere Grundsätze. Mädchen ist die Mannschaft wichtiger als das Siegen. Bei den Buben setzt sich der Stärkste am Feld durch und die anderen folgen seinem Beispiel – wenn der Trainer da nicht regelnd eingreift.

bz: Welche Unterschiede gibt es im täglichen Training einer Mädchenmannschaft?
Markus Michelitsch: Mädchen sind viel selbstständiger. Man darf ihnen als Trainer nicht zuviel dreinreden. Es passiert öfter, dass meine Spielerinnen zu mir kommen und mich bitten, die Spielerbesprechung ohne mich abhalten zu dürfen. Sie stellen dann untereinander die Mannschaft neu auf und besetzen die Positionen neu. Als Trainer -habe ich gelernt, dass ich das auch zulassen muss.

bz: Bei den Burschen gibt es oft ein „Alphatier“, das die Gruppe führt – und bei den Mädchen?
Markus Michelitsch: Bei den Mädchen übernimmt eine die Rolle der „Teammutter“, die sich um ihre Mitspielerinnen kümmert. In unserer Mannschaft ist das Denise Müller. Sie kümmert sich um alle Mitspielerinnen und schaut, dass es jeder gut geht. Wenn sich eine am Feld verletzt, hören sofort alle zu spielen auf und kommen zur verletzten Spielerin. Das Spiel ist dann zweitrangig.

bz: Wer kickt gerechter: Mädchen oder Burschen?
Markus Michelitsch: Mädchen sind extreme Gerechtigkeitsfanatiker. Wenn ein Schiri pfeift und die Buben das nicht einsehen wollen, dann wird sofort drauflos geschimpft. Bei den Mädchen wird sachlich diskutiert. Einmal sind meine Mädchen -ohne mein Zutun bis zur Turnierleitung gegangen weil sie sich über einen Schiedsrichter beschweren wollten, der eine Mitspielerin grob angefahren hatte. So etwas beeindruckt mich.

bz: Stichwort Fouls: Wer ist ihrer Meinung nach das starke Geschlecht am Platz?
Markus Michelitsch: Wenn die Schienbeine zusammenkrachen, beißen die Mädels die Zähne zusammen und spielen sofort weiter. Die Buben liegen gleich am Boden. Ich habe gelernt, dass Frauen das starke Geschlecht sind, weil sie einstecken können und mit 120 Prozent bei der Sache sind.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Wien - 21. Bezirk
  • Alphatier oder Teammutter?
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen