#allesdichtmachen: Schauspieler polarisieren mit Protestaktion

Auch österreichische Schauspieler wie etwa Manuel Rubey haben Videos veröffentlicht.
Auch österreichische Schauspieler wie etwa Manuel Rubey haben Videos veröffentlicht. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Am Donnerstag haben sich zahlreiche Schauspieler mit einem Video zu den Corona-Maßnahmen geäußert. Diese wurden unter dem Hashtag #allesdichtmachen veröffentlicht. Die Videos sorgen für gespaltene Reaktionen.

Es sind zahlreiche Größen der deutschsprachigen Schauspielszene, die sich am Donnerstag via Twitter und YouTube mit überspitzt-ironischen Statements gegen die Coronapolitik in Deutschland und Österreich zu Wort gemeldet haben. Neben Jan Josef Liefers oder Meret Becker sind auch heimische Vertreter wie Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek oder Nina Proll dabei. Für die koordinierte Aktion gab es Zuspruch, aber auch viel Kritik.

Auch österreichische Schauspieler eingebunden

"Gerade bei so einem privaten Thema wie meiner Gesundheit, da möchte ich mich eigentlich nicht auf mich selbst verlassen. Ich bin froh, dass der Staat meine Gesundheit zu einer öffentlichen Angelegenheit gemacht hat", erklärt Kabarettist Roland Düringer in einem von insgesamt 51 Kurzvideos, die auf YouTube hochgeladen wurden. Nina Proll hält wiederum fest: "Früher dachte ich, ich könnte frei und selbstbestimmt Karriere machen. Doch das war naiv! Die Pandemie hat mir gezeigt, wo mein Platz ist. Sie hat mir gezeigt, dass Distanz auch Nähe sein kann." Letztlich schließt die Mimin mit: "Das Leben kann tödlich sein. Bleiben Sie für immer zuhause, und unterstützen Sie die Coronamaßnahmen."

#allesdichtmachen: Statements gegen die Coronapolitik

Untermauert werden die Statements von den Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer. Die Stoßrichtung ist dabei stets dieselbe: Wenn schon bestimmte Lebensbereiche aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus geschlossen werden, könne man das doch gleich auf alles erweitern - "auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem auch all die Supermärkte", wie es beispielsweise Ulrich Tukur in seinem Video fordert.

Wer die Aktion initiiert hat, ist vorerst nicht klar. Auf Twitter posten die Schauspielerinnen und Schauspieler über ihre persönlichen Accounts, der betreffende YouTube-Kanal von #allesdichtmachen hat außer den Videos (und bereits mehr als 26.000 Abonnenten) keine weiteren Infos. Eingerichtet wurde die Seite am 16. April, bisher gab es für die Beiträge insgesamt 1,63 Mio. Aufrufe (Stand: Freitagvormittag).

Zuspruch für Aktion

Zuspruch erhielten die Proponenten etwa beim früheren Präsidenten des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der die Aktion auf Twitter "großartig" nannte. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sprach von einem "Meisterwerk", das "uns sehr nachdenklich machen" sollte. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar twitterte: "Das ist intelligenter Protest." Sie feiere Jan Josef Liefers.

Vielfach Kritik: Jan Bühmermann mit Hashtag #allenichtganzdicht

Vielfach gab es aber auch Kritik, würden sich die Prominenten mit ihren Wortmeldungen doch ins Lager von Rechten und Querdenkern stellen. Der österreichische Schauspieler Elyas M'Barek schrieb etwa: "Mit Zynismus ist doch keinem geholfen." Jeder wolle zur Normalität zurückkehren, und das werde auch passieren.

Satiriker Jan Böhmermann hielt der Aktion bei Twitter entgegen, das einzige Video, das man sich ansehen solle, "wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat", sei die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel "Station 43 - Sterben". Dazu stellte er den Hashtag #allenichtganzdicht, der sich auf Twitter mittlerweile immer weiter verbreitet.

Reaktionen aus Deutschland

Die deutsche Bundesregierung hielt sich mit Bewertungen hingegen zunächst zurück. "Die Bundesregierung hat diese Aktion zur Kenntnis genommen und unsere Haltung ist bekannt: Wir arbeiten daran, dass Deutschland die Pandemie schnell überwinden kann", hieß es von der zuständigen Regierungssprecherin. Immerhin machte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Initiatoren ein Dialogangebot: "Dass es Kritik und Fragen gibt an den Maßnahmen und den Hintergründen, das finde ich nicht nur normal, das finde ich in einer freiheitlichen Demokratie wünschenswert."

Dezidiert gegen die Aktion positionierte sich indes Berlins Linken-Kultursenator Klaus Lederer. "Ich kann gut nachvollziehen, dass es nach 13 Monaten Pandemie schwer fällt, Kraft und Zuversicht zu behalten", sagte der Linke-Politiker: "Wenig Verständnis habe ich aber für Ignoranz gegenüber den massiven Gefahren und den Folgen, die Covid für unsere Gesellschaft bedeutet. Zynismus und Hohn sind unangebracht."

Der deutsche Bundesverband Schauspiel (BFFS) enthielt sich einer Positionierung. "Manche unserer Kolleg*innen haben sich an dieser Aktion beteiligt, manch andere verurteilen sie aufs Schärfste", so der Vorstand: "Wir leben zum Glück in einer Demokratie und müssen um den besten Weg aus dieser weltweiten Pandemie ringen und streiten." Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), reihte sich hingegen in die Kritikerphalanx ein. Die Aktion zeige, "wie zunehmend fragil die Lage in unserer Gesellschaft ist. Sie zeigt auch, dass wir uns kümmern müssen und die Widersprüche unserer Zeit aussprechen und diskutieren müssen. Aber bitte konstruktiv und nicht bloß sarkastisch."

Kunst- und Kulturszene lange Zeit geschlossen

Viele Bereiche der Kunst- und Kulturszene waren die längste Zeit in der Coronapandemie geschlossen. In Österreich sind aktuell nur die Museen zugänglich, mit der Ausnahme von Wienund Niederösterreich, wo noch ein harter Lockdown herrscht. Für Schauspieler sind allen voran die Schließungen der Theater sehr problematisch. Dreharbeiten für Kino und Fernsehen sind wiederum unter strengen Sicherheitsvorkehrungen möglich. Wie es hierzulande mit möglichen Öffnungsschritten in Kunst und Kultur weitergehen kann, will die Regierung am heutigen Freitag bekanntgeben.

Alle Videos gibt es online.

(APA/Red)

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