Alfred Dorfers Erinnerungsabend "bisjetzt"

Es ist ein Abend mit alten Freunden. Alfred Dorfer, seit seinem Debüt mit der Gruppe "Schlabarett" (1984) als Kabarettist, Autor und Satiriker Lebensbegleiter einer ganzen Generation, und seine Musiker Peter Herrmann, Günther Paal und Lothar Scherpe blicken zurück auf die Zeit "bisjetzt".
Alfred Dorfer und Josef Hader im Wiener Stadtsaal

So heißt das neue Programm des 49-Jährigen, der bereits mehr als die Hälfte seines Lebens als Bühnenkünstler im Rampenlicht steht. Nach der Premiere in München (November) und der Österreich-Premiere im Innsbrucker Treibhaus (Dezember) spielte Dorfer gestern im Akademietheater. Ab heute, Dienstag, gastiert er mit “bisjetzt” im neuen Wiener Stadtsaal.

Neu am neuen Programm ist nur der rote Faden, entlang dessen Dorfer die besten Passagen seiner bisherigen Programme aufgefädelt hat – in einer durchaus überzeugenden Dramaturgie. Er beginnt seine “Kabarett-Therapie” mit einer gemeinsamen Zeitreise beginnt und lässt im Schnelldurchlauf Kreisky-Jahre, Hainburg-Bewegung und Haider-Aufstieg Revue passieren. Danach kombiniert er seine berührende “Parallelbiografie” als bei seinem Geburtstag von allen Freunden und Kollegen alleingelassener Musiklehrer (“Alles Gute”) mit einstigen Highlights wie das Krippenspiel mit den betrunkenen Heiligen Drei Königen oder die melancholische Zustandsbeschreibung der Sozialdemokratie “Badeschluss im Arbeiterstrandbad”. Sogar eine Szene aus dem verfilmten Erfolgsstück “Indien”, aus dem Dorfer mit seinem Kollegen Josef Hader in den vergangenen Tagen im Wiener Stadtsaal gleich zweimal gelesen hat, ist eingebaut – samt Hader-Stimme vom Band.

Dorfer ist ein exzellenter Geschichtenerzähler, dem man gerne zusieht und zuhört. “Ein Stück von Alfred Dorfer”, wie es im Programm heißt, ist das knapp zweistündige Beinahe-Solo jedoch nur für absolute Dorfer-Neulinge, die daran auch sicher ihre Freude haben dürften. Denn Dorfer ist nicht nur ähnlich unbestrittener Sympathieträger wie seine Kollegen Andreas Vitasek und Lukas Resetarits, sondern auch ein blendender Schauspieler, der in wenigen Momenten glaubwürdige Figuren entwickeln kann. Doch fast immer spielt er derartige Szenen nur kurz an, um sie sogleich wieder zu brechen. Dorfer-Fans erleben daher ständig Deja vus und bedauern, dass sich der Satiriker nach dem Ende von “Dorfers Donnerstalk” auch auf der Bühne eine Auszeit vom aktuellen Weltgeschehen nimmt.

So ist “bisjetzt” nostalgisch statt bissig, selbstreflexiv statt offensiv geworden. Und damit letztlich genau das, was er Zeit und Zeitgenossen vorwirft.

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