Albrecht weiter in Lebensgefahr

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Der Schweizer ist stabil, befindet sich nach seinem Horrorsturz im Abfahrtstraining in Kitzbühel dennoch weiter in Lebensgefahr. [Video im Text] | Vorbericht | Sturz  | | Ruhige Nacht

Der am Donnerstag in Kitzbühel so schwer gestürzte Schweizer Skirennläufer Daniel Albrecht wird auf der Intensivmedizin der Universitätsklinik Innsbruck weiter im künstlichen Tiefschlaf behalten. Der Zustand des 25-Jährigen ist stabil, das Gehirn ist nicht angeschwollen, kleine Blutungen sind nicht raumfordernd, Kreislauf und Lunge haben sich stabilisieren lassen. Das gaben die behandelnden Ärzte am Freitagabend auf einer Pressekonferenz in Innsbruck bekannt.

 

Der Sportler hat ein Schädel-Hirntrauma und eine Lungenquetschung erlitten, Prof. Norbert Mutz, Leiter der Intensivmedizin, erklärte, dass bei so einem aufwendigen Sturztrauma immer eine “mittelbaren Lebensgefahr” bestehe. Richard Bauer, der Oberarzt der Neurochirurgie sprach von “einem kleinen Risiko”. Prognosen können die Ärzte zum derzeitigen Zeitpunkt keine abgeben, leichte Zuversicht über eine mögliche vollständige Genesung von Albrecht drang aber durch: “Die Hoffnung ist berechtigt, dass es keine bleibenden Schäden geben wird. Aber das ist keine Prophezeiung”, sagte Mutz.

Zum aktuellen stabilen Zustand des Schweizers, dem zur Überwachung des Hindrucks eine Sonde implantiert worden ist, meinte Mutz: “So wie die Entwicklung jetzt ist, brauchen wir uns für den Moment keine übertriebenen Sorgen zu machen. In wie weit wir das in den nächsten Tagen beibehalten können, weiß ich nicht”, gab sich der Intensivmediziner jedoch weiterhin vorsichtig. Alle Aussagen seien Momentaufnahmen. “Wir sind ein bisschen optimistisch.”

Wann Albrecht aus dem künstlichen Tiefschlaf geholt werden kann, lässt sich nicht vorhersagen: “Nicht der Zeitpunkt ist wichtig, sondern der Weg ist das Ziel. Der künstliche Tiefschlaf ist dazu da, um Organe zu schützen. Mir monitieren Herrn Albrecht laufend und können darauf schließen, ob seine Organfunktionen schon so weit stabil sind, dass wie diesen Schutz nicht mehr benötigen”, erklärte Mutz. Der Zeitablauf lasse sich nur in Kategorien von Tagen abgeben, wie schnell oder langsam Albrecht wieder aktiviert werden könne. Albrecht werde mehrere Tage auf der Intensivstation und Wochen im Krankenhaus verbringen müssen sowie Monate für die Rehabilitation brauchen. Eine Überstellung in die Schweiz sei derzeit kein Thema.

Renate Landauer, Oberärztin auf der Chirurgie und Sportmedizinern, hielt fest, dass es sich bei dem Verletzten um einen Profi- und nicht um einen Amateursportler handelt. “Deshalb sind die Probleme viel geringer. Er wurde durch seine Physis und Protektoren geschützt.” Albrechts Körperspannung beim Sturz war eine ganz andere als bei einem Freizeitsportler. Laut einer vorgenommenen Computertomographie seien Wirbelsäulenverletzungen auszuschließen. “Wenn er Brüche hat, dann nur kleine, er hat keine größeren Frakturen, es sind nur Kleinigkeiten und Bagatellen.”

Am Beginn der Pressekonferenz hatte sich Urs Lehmann, der Präsident von Swiss Ski, für die professionelle Versorgung von Albrecht bedankt: “Gestern war ein rabenschwarzer Tag für Daniel Albrecht, die Familie und den Schweizer Skiverband. Die Versorgung auf der Piste, in St. Johann und der Klinik war hervorragend, auch die Unterstützung durch den ÖSV war unglaublich. Die Professionalität und die Geschwindigkeit waren hervorragend”, meinte der frühere Rennläufer.

Vorbericht

Der Weltklasserennläufer war nach der Kompression beim umgebauten Zielsprung in Rücklage geraten und mit voller Wucht nach zirka 70 Metern auf die Piste geprallt, daraufhin schleuderte es ihn nach vorne, die Skier zerbarsten, der Sportler blieb regungslos im Schnee liegen. Kurz vorher war für ihn eine Geschwindigkeit von 138,2 km/h gemessen worden.

Es gibt unterschiedliche Meldungen, ob Albrecht nach dem Aufschlag bei Bewusstsein gewesen ist oder nicht. “Ansprechbar war er nicht, aber als er intubiert wurde, bewegte er seine Hand, das war ein Reflex, er wollte sich den Tubus rausreißen”, erklärte der Schweizer Cheftrainer Martin Rufener. Obermoser sagte hingegen, dass nach seinen Berichten Albrecht “somnolent, aber ansprechbar gewesen sei. Ein Coach war dabei, das hat beruhigend auf ihn gewirkt. Bewusstlos war er nur ganz kurz.”

Nach einer Erstversorgung auf der Piste und 22 Minuten wurde Albrecht vom ÖAMTC-Notarzthubschrauber nach St. Johann geflogen, wo er erwacht sei und in künstliches Koma versetzt wurde. Zur genaueren Abklärung erfolgte der Weitertransport nach Innsbruck. Der Schweizer Rennfahrer wird über Nacht im künstlichen Tiefschlaf belassen, möglicherweise wird er bereits am Freitag wieder daraus erweckt. “Wenn es verläuft, wie wir das erhoffen, dann wird er morgen im Laufe des Tages aus dem Tiefschlaf geholt für weitere Tests”, sagte Rufener. Am Freitagvormittag gibt es im Mediacenter in Kitzbühel eine Pressekonferenz mit dem Schweizer Teamarzt Jacques Menetrey, um 17.30 Uhr ist eine PK in der Innsbrucker Klinik geplant.

Rufener, der nach dem Unfall gleich die Eltern von Albrecht angerufen hat und den Transport für sie aus dem Wallis nach Innsbruck organisierte, bedankte sich bei den Organisatoren für die “professionelle Versorgung”. Alles sei gut organisiert gewesen. Zum Zustand seines Rennläufers meinte er: “Er ist stabil, das gibt Hoffnung, das stimmt positiv.” Von einem Fehler Albrechts sprach er nicht explizit, jedoch davon, dass der Läufer so schnell zur Kante gekommen sei und den Druck nicht aufbauen hatte können. Die Änderung des Zielsprungs sei eine Verbesserung gegenüber des Vorjahres, “es wurde eine Kante gebaut, die es den Läufern ermöglicht, sich zu orientieren”, meinte Rufener. Aber vieles im Speedbereich sei eine Gratwanderung.

Im Team Captains Meeting am Abend herrschte große Betroffenheit: “Wie können wir so etwas vermeiden? Nur indem wir keine Abfahrt mehr starten”, sagte FIS-Renndirektor Günter Hujara. Von Schweizer Seite gab es keine Kritik wegen des Zielsprunges, neben Albrecht war noch der Deutsche Andreas Strodl zu Sturz gekommen, aber unverletzt geblieben. Der Sprung bleibt für die Abfahrt am Samstag unverändert. Im Vorjahr war der US-Amerikaner Scott Macartney am Zielsprung schwer gestürzt, woraufhin dieser für 2009 überarbeitet wurde.

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