AK Wohnrechtsberatung: 17.000 Mietern droht der Wohnungsverlust

Die AK stellt die Frage: "Wohnst du noch oder verschuldest du dich schon?" und bietet eine Wohnrechtsberatung an
Die AK stellt die Frage: "Wohnst du noch oder verschuldest du dich schon?" und bietet eine Wohnrechtsberatung an ©APA/BARBARA GINDL (Sujet)
Die Corona-Mietstundungen laufen ein Jahr nach Beginn der Coronakrise nun in Bälde aus. Die AK Wohnrechtsberatung vermeldet nun immer mehr verzweifelte Anrufe von Menschen, die ihren Mietrückstand nicht zahlen können.
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Ende März läuft die Frist für die Rückzahlung von im vergangenen Jahr gestundeten Wohnungsmieten aus.

Corona-Mietstundungen aus: AK fordert Hilfsfonds für Mietschuldner

Die Arbeiterkammer (AK) fürchtet, dass ab dann zahlungsschwache Mieter vermehrt in finanzielle Not geraten werden und fordert deshalb einen Hilfsfonds, der die Mietzinsen ganz oder teilweise übernehmen soll. Im heurigen Jahr könnten die Mietschulden heimischer Haushalte auf mehr als 83 Mio. Euro ansteigen, schätzt die AK.

Im Frühling des vergangenen Jahres wurde im Coronagesetz die Möglichkeit geschaffen, die Mieten für April, Mai und Juni erst Ende 2020 - zuzüglich vier Prozent Zinsen - zurückzuzahlen. Die Frist wurde im Dezember verlängert und gilt aktuell bis Ende März.

48.800 Kündigungen und Räumungsklagen drohen

"Im April kommt die Keule - dann müssen MieterInnen bis zu vier Monatsmieten zahlen. Und stunden heißt auch, zu den gestundeten Monatsmieten kommen vier Prozent Zinsen dazu, plus die laufende Miete," so AK-Wohnexperte Thomas Ritt am Montag in einer Aussendung.

Laut Schätzungen der AK könnten heuer 48.800 Kündigungen und Räumungsklagen drohen, 17.000 könnten außerdem aus ihrer Wohnung delogiert werden. Das wäre eine Verdoppelung der Delogierungen im Vergleich zum Vorjahr.

Die Mietschulden für 48.800 Haushalte könnten sich zudem auf mehr als 83 Mio. Euro belaufen. Gleichzeitig hieße es aus der Immobilienbranche, dass es keine Krise gebe und die Einnahmen würden sprudeln, kritisierte Ritt. Österreichweit seien die Mieterträge 2020 deutlich gestiegen, so die AK.

Fallbeispiele: Wenn eine Räumungsklage droht

In der AK Wohnrechtsberatung vermeldet Anrufe verzweifelter Mieterinnen und Mieter. Ein Beispiel wird stellvertretend für alle anderen in einer Aussendung am Montag ausgeführt.

Herr E. ist in Kurzarbeit und sollte die gestundete April-Miete 2020 im Jänner zahlen, obwohl er bis März Zeit hätte - eine Räumungsklage steht im Raum. Die Mietschulden für rund 48.800 österreichische Haushalte könnten heuer auf mehr als 83 Millionen Euro ansteigen. Schätzungsweise könnten 48.800 Kündigungen und Räumungs-klagen drohen, 17.000 könnten aus ihrer Wohnung fliegen. "Unglaublich, und dann erklärt die Immobranche, sie habe keine Krise. Bei den ArbeitnehmerInnen ist die Krise längst angekommen - ab April sind die drei gestundeten Mieten 2020 fällig. Wie sollen Arbeitslose oder KurzarbeiterInnen vier Mieten zahlen?", fragt AK Wohnexperte Thomas Ritt. Aufschieben statt helfen bringt nichts. Ein Hilfsfonds muss her."

Miete in "der Kreide": AK Wohnrechtsberatung hilft

Viele stehen mit ihrer Miete in "der Kreide": Herr E. rief in der AK Wohnrechtsberatung an, weil er eine Räumungsklage für seine Mietwohnung erhalten hat. Er kann sich das nicht erklären. Er ist in Kurzarbeit, hat weniger Einkommen und sollte eine gesetzlich gestundete Miete vom April 2020 im Jänner zahlen - so die Forderung des Vermieters. Obwohl die gestundeten Mieten per Gesetz erst im April 2021 zu zahlen sind.

Anderer Fall: Herr A. hat im Oktober 2020 coronabedingt seine Arbeit verloren und muss nun mit 1.100 Euro die Miete (760 Euro), Strom (90 Euro) und weitere Kosten zahlen. Er konnte sich die Wohnung nicht mehr leisten, wollte zu einem Freund ziehen und die teure Wohnung Ende 2020 kündigen. Das teilte er dem Vermieter mit. Die Antwort: Die Wohnung darf er erst im April 2021 kündigen, bis dahin muss er die Mieten voll zahlen.

Corona-Mietstundungen laufen Ende März aus

"Die Fälle zeigen, es wird bei vielen sehr, sehr eng mit der Miete", sagt Ritt. "Fast eine Million Menschen ist arbeitslos und in Kurzarbeit. So mussten ArbeitnehmerInnen alleine im zweiten und dritten Quartal 2020 mit rund 4,5 Milliarden Euro weniger Einkommen auskommen. Bei der Immobilienbranche sprudeln die Einnahmen - die Mieterträge in den Altbauwohnungen sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Österreichweit belief sich der Zuwachs auf 52 Prozent, in Wien sogar auf 61 Prozent.

Mietzinsrückstände um 20 Prozent gestiegen: Schuldenfalle droht

ExpertInnen gehen davon aus: Die Mietzinsrückstände sind alleine in Wien bis zum Jahresende 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mindestens 20 Prozent gestiegen. Im Schnitt sind betroffene MieterInnen mit über drei Monatsmieten im Rückstand - heuer könnten österreichweit über 83 Millionen Euro nicht an Mieten bezahlt werden. So könnten schätzungsweise 48.800 Kündigungen und Räumungsklagen drohen. Die Anzahl der Delogierungen 2021 könnte sich im Vergleich zu 2020 mehr als verdoppeln - 17.000 Haushalte könnten ihr Wohnung verlieren.

"Die ohnehin schon zahlungsschwachen MieterInnen werden in die Schuldenfalle getrieben", warnt Ritt. Unternehmen bekommen Fixkostenzuschüsse und Umsatzersatz. Wohnkosten sind auch Fixkosten." Daher verlangt Ritt für MieterInnen einen Hilfsfonds: unkomplizierte Anträge auf Übernahme des ganzen oder teilweisen Mietzinses.

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