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Air Berlin meldet Insolvenz an

Mit einem millionenschweren Übergangskredit wird Air Berlin geholen.
Mit einem millionenschweren Übergangskredit wird Air Berlin geholen. ©AFP
Die schwer angeschlagene Niki-Mutter Air Berlin hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways den Geldhahn zugedreht hat.

Es sei derzeit nicht beabsichtigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Niki Luftfahrt und die Leisure Cargo zu stellen.

Regierung gibt Übergangskredit

Der Flugbetrieb werde fortgeführt, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft am Dienstag mit. Die deutsche Regierung gibt dafür Air Berlin einen Übergangskredit von 150 Mio. Euro. Damit ist der Flugbetrieb für ungefähr drei Monate gesichert, erklärte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Zugleich äußerte sie sich zuversichtlich, dass in den nächsten Monaten eine Übernahme von Teilen der zweitgrößten deutschen Airline durch die Lufthansa gelingen könnte. Der Kredit schaffe für den Übergang einen Rahmen.

Flugbetrieb wird fortgeführt

Aufgrund des Insolvenzrechts wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium am Dienstag gemeinsam mit. Der 150-Mio.-Euro-Kredit werde durch die staatliche Kfw-Bank gewährt und sichere den Betrieb in vollem Umfang. Air Berlin befinde sich aber seit längerem in Verkaufsverhandlungen mit der Lufthansa und einer weiteren Fluggesellschaft, teilten die Ministerien weiter mit. Diese Verhandlungen seien so weit fortgeschritten, dass Entscheidungen in den nächsten Wochen fallen könnten.

Lufthansa zeigt Interesse

Die Lufthansa hat auch ein Eigeninteresse an dem Weiterbetrieb der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Schon jetzt sind mindestens 30 Mittelstreckenjets von Air Berlin samt Besatzung für den Lufthansa-Konzern im Einsatz. Die gemieteten Maschinen fliegen für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings und die österreichische Konzerntochter Austrian Airlines.

Die Lufthansa will mit ihrer Unterstützung auch erreichen, dass der Betrieb dieser Flugzeuge reibungslos weitergeht. Auch die Kranich-Airline erklärte, die Verhandlungen mit Air Berlin “zu einem schnellen und positiven Ergebnis” führen zu wollen.

Air Berlin betonte, dass ihre Flugpläne weiter gültig blieben und alle Flüge stattfänden. Gebuchte Tickets behalten demnach ihre Gültigkeit, alle Flüge seien weiterhin buchbar. “Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen”, teilte Unternehmenschef Thomas Winkelmann mit.

Etihad stoppt Finanzierung

Etihad hat das Ende ihrer Unterstützung von Air Berlin mit der schlechten Lage beim deutschen Partner begründet. Das Geschäft der Niki-Mutter Air Berlin habe sich zuletzt “rapide verschlechtert”, teilte Etihad am Dienstag mit. Deshalb hätten “entscheidende Herausforderungen nicht bewältigt und alternative strategische Optionen nicht umgesetzt werden” können.

“Unter diesen Gegebenheiten kann Etihad als Minderheitsgesellschafter keine weitere Finanzierung leisten, welche unsere Verbindlichkeiten erhöhen”, stellte der Staatskonzern aus Abu Dhabi fest. Man sei “weiterhin bereit, dabei zu unterstützen, eine kommerziell gangbare Lösung für alle Beteiligten zu finden”. Etihad habe Air Berlin in den vergangenen sechs Jahren “umfassende Unterstützung gewährt”, erst im April habe die deutsche Fluggesellschaft 250 Mio. Euro an zusätzlichen Mitteln erhalten, erklärte Etihad am Dienstag.

Unterstützung haben am Dienstag auch der Berliner sowie Düsseldorfer Flughafen zugesichert. “Air Berlin ist ein sehr wichtiger Partner für den Berliner Flughafenstandort”, erklärte der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Engelbert Lütke Daldrup, am Dienstag. “Wir haben ein großes Interesse daran, dass der Flugbetrieb so stabil wie möglich fortgesetzt und zügig eine langfristige Lösung erreicht wird.”

Niki will keinen Insolvenzantrag stellen

Für die Air Berlin-Tochter Niki mit ihren 850 Beschäftigten ist derzeit nach Unternehmensangaben nicht beabsichtigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Im Dezember 2016 war vereinbart worden, dass Air Berlin ihre österreichische Tochter Niki an Etihad verkauft. Etihad wollte im Anschluss die Niki-Beteiligung in ein neues Joint Venture mit dem Reisekonzern TUI einbringen. Der zweite Teil des Deals ist geplatzt. Der Abschluss des Niki-Verkaufs an Etihad selbst steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung. Erst im Juni hatte Etihad-CEO Ray Gammell erklärt, man wolle die Transaktion in Kürze abschließen. “Unsere Investition in Niki steht.”

Zypries schloss indes aus, dass der deutsche Bund Schulden von Air Berlin übernehmen könnte, um eine Übernahme zu ermöglichen. Auf die Frage nach möglichen weiteren Krediten des Bundes für Air Berlin sagte sie, über diese Frage werde entschieden, wenn es an der Zeit dafür sei.

Die Gewerkschaften hoffen nach der Pleite von Air Berlin auf den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Die Nachricht der Insolvenz von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie sei ein Schock für die Mitarbeiter, erklärte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Dienstag. Doch der Luftverkehr in Deutschland wachse. “Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, diese deutschen Arbeitsplätze zu erhalten”, gab sich VC-Präsident Ilja Schulz zuversichtlich.

Die Pilotengewerkschaft kritisierte Etihad scharf. Die Araber hätten einen Verkauf der Niki-Mutter vor der Pleite blockiert. “Etihad lässt die Air Berlin fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben”, erklärte die Gewerkschaft. “Es ist ein Skandal, dass sich Etihad nun jeder Verantwortung entzieht und die Air-Berlin-Mitarbeiter im Regen stehen lässt”, sagte Schulz. Etihad sei es primär um seine eigenen strategischen Interessen und die Anbindung an Europa gegangen. Dabei habe die Fluggesellschaft “seit Jahren Fehlentscheidungen getroffen”.

Sorge um Arbeitsplätze

Besorgnis äußerte auch Verdi-Bundesvorstand Christine Behle: “Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten.” Deren Sicherung müsse oberste Priorität haben. Air Berlin müsse “mit Hochdruck daran arbeiten, tragfähige und gute Konzepte zu entwickeln, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten.” Anfang des Jahres zählte Air Berlin rund 8.600 Mitarbeiter.

Die Insolvenz der Niki-Mutter Air Berlin gefährdet nach Einschätzung von deutschen Verbraucherschützern vor allem Passagiere, die sich selbst ein Ticket gekauft haben. Wenn die Flüge nicht durchgeführt werden, greife anders als bei Pauschalreisen keine Absicherung, erläuterte die Verbraucherzentrale Bundesverband am Dienstag in Berlin. “Sie können nur hoffen, dass die Flüge tatsächlich durchgeführt werden”, sagte Touristik-Experte Felix Methmann. Der VZBV habe seit Jahren einen Insolvenzschutz für alle Flugreisenden gefordert. “Jetzt rächt sich die Untätigkeit der Bundesregierung und der EU.”
(APA/dpa)

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